Lesungen - diesmal besucht von Thommy
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Daniela

 

24.05.02

Jose Saramago liest aus "Alle Namen"
30. Oktober 1999, SFB
 

  


Moin,

Spät, aber dennoch...

Mein kleiner Bericht zur Lesung von José Saramago am 30. Oktober 1999
im kleinen Sendesaal des Sender Freies Berlin.

»Feinde oder Freunde; es gibt viele Stars,
sterben kannst Du nicht, wenn Du in aller Leute Köpfe warst.«
"Populär", Die Fantastischen Vier

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Vorspiel:
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Wenn man vom Theodor Heuß Platz aus (bei dem man sich immer fragen muß, was dieser Mann Berlin eigentlich angetan hat, daß /dieser/ Platz nach ihm benannt wurde) die Masurenallee entlanggeht, kommt man an Berlins Anstalt, genauer: Anstalt des Öffentlichen Rechts, vorbei, dem SFB.

Neben dem "Gläsernen Hauptstadtstudio", dem silberfarbenen Hochhaus (aus dem das "anspruchsvolle Qualitätsfernsehen für die Hauptstadt" kommt), findet sich dort auch ein älteres Gebäude von geradezu brutaler Häßlichkeit, das es erstaunlicherweise fertigbringt innen (im unpraktischen Foyer) noch häßlicher als von außen zu sein. [1]

Das ist das Haus des Rundfunks, das den "Kleinen Sendesaal" beinhaltet, wo die Lesung von Saramago stattfinden sollte.

Da ich ausnahmsweise mal ordentlich zu früh dran war (wobei mir die Zeitumstellung sicherlich geholfen hat :) lümmelte ich mich lesenderweise eine Zeitlang in den bequemen Polstern, auf die Dinge (und Menschen) wartend, die da kommen sollten. Etwa eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung bemerkte ich im Wandelgang einen Stock über mir einige Menschen, die in der Mitte des Ganges stehenblieben. Eine junge Frau baute ein Stativ mit einem Bliztschirm auf und befestigte daran ein Kabel, das zu ihrer Kamera führte. Dann drückte sie einen Knopf am Blitzschirm, sprach strahlend einige Worte zu dem älteren Herren, der sich in würdevoller Pose an das Geländer lehnte und drückte -blitz!- den Auslöser. Diese Szene wiederholte sich etwa 20×.  Da war er also - Saramago. Ein älterer Herr in einem blauen Anzug. Brillenträger, weißes Haar, schon mit weiter nach oben gewandertem Haaransatz. Groß, aber nicht riesig. Schlank, aber nicht asketisch. Hält sich gerade, kein Stock oder andere Gehhilfe. Läßt sich in aller Gleichmut fotografieren & trägt der Fotografin sogar das Blitz-Stativ (übrigens nur 10 Meter weiter, bis zur nächsten dramatischen Bilderserie).

{Nicht so richtig dramatisch, stimmt's? Das ist es ja, was mich in diesem Augenblick ein wenig verwirrte: Ein Nobelpreisträger kommt nach Berlin, man bekommt die Karte für'n Zehner & es geht alles völlig "normal" zu. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe [Trockeneisnebel, Lichteffekte, Literaturgroupies?], aber ich fand es überraschend unspektakulär. Halt mein persönlicher Eindruck. Mein ja nur.}

Nach und nach fand sich auch unsere Gruppe ein & nach den üblichen Begrüßungs-Hallos gingen wir (nicht als letzte!) in den »Kleinen Sendesaal«. Dieser bietet schätzungsweise 300 Personen platz & ist -so nicht schön, doch immerhin­ so gestaltet, daß man nicht krampfhaft die Augen zusammenkneifen mußte.

Alle Plätze waren besetzt, kurz vor Beginn sind noch etwa 40 junge Leute auf die Hoch-Ballustrade gelassen worden (-- ob die wohl gezahlt haben? Zwangsweise vom Deutschlehrer hingeschleift oder tatsächlich ganz freiwillig da? Man weiß es nicht...). Das Publikum im Saal bestand --wie nicht anders zu erwarten-- zu einem guten Teil aus (ehemaligen) Lehrern und älteren Leuten, aber auch vielleicht 10-15% "junge Leute" (dazu zähle ich alle bis zu 25 Lenzen und uns natürlich [wir werden durch ein magisches Feld ewiger Jugend vom normalen Alterungsprozeß verschont]), waren da, was mich positiv überrascht hat.

Gut, genug Lokalkolorit einstweilen, es wird still im Saal, (die Lichter bleiben leider an), Applaus brandet auf, Saramago betritt mit Gefolge die Bühne (will heißen, setzt sich an einen Tisch).

Aufgezeichnet wurde die Veranstaltung leider nur audiell, wir haben also keine Gelegenheit uns -andächtig lauschend- im kleinen Wunderkasten zu bewundern -- sehr schade! ;-)


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Los geht's
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Als erstes spricht der Vorsitzende des Berliner Kulturhauses. Er dankt dem Kulturhaus, dem Autor, dem Verlag, der Übersetzerin, dem SFB, dem Publikum und überhaupt allen anderen. Nach fünf Minuten übergibt er an die deutsche Übersetzerin von José Saramago, Ray-Güde Mertin.

Frau Mertin (von uns aus gesehen links neben Saramago sitzend) gibt zunächst eine Zusammenfassung über Leben und Werk des Autors[3].

Saramago ist sechsundsiebzig Jahre alt, geboren und aufgewachsen in armen Verhältnissen in Portugal. Er schlug sich in jungen Jahren mit den unterschiedlichsten Jobs durch, eine universitäre Ausbildung konnte sich die Familie nicht leisten. Tritt früh (schon zu Zeiten der Diktatur) in die Kommunistische Partei ein -- Ein Umstand, der einzig in deutschen Blättern, »man kann sich denken, welche«,  Erwähnung fand, Schlagzeile:  »Der Kommunist Saramago erhält den Nobelpreis für Literatur.«

Schließlich landet er bei einem Verlag, beginnt selbst zu schreiben, sein Hauptberuf ist Lektor, vor allem für ausländische Werke. »Zu dieser Zeit«, sagt Saramago, »war eines der ersten Bücher, das ich bewerten sollte, "Die Blechtrommel" von Günter Grass. Und da erhalte ich - Ironie des Schicksals - Jahrzehnte später den Nobelpreis ein Jahr vor ihm.«

Später wechselt er zu einer Zeitung, schließlich verlegt er sich ganz aufs Schreiben. Nach der Revolution in Portugal 1974 arbeitet er im Ministerium für Kommunikation, bald schon fühlte er sich dort fehl am Platze. Ein Kultusminister sprach sich damals massiv dagegegen aus einen Beitrag Saramagos für einen Wettbewerb Europäischer Literatur zuzulassen, Saramago sei ein »Nestbeschmutzer«, seine Werke zersetzend.

Saramago wurde in seiner Heimat oft und heftig kritisiert, er hat an zahlreichen Diskussionsrunden teilgenommen, aber nie ein Wort zurückgenommen, nie, auch bei jahrzehnte alten Werken, einen Satz geändert. Er selbst betrachtet sich zwar als politisch, seine Werke allerdings nicht, obwohl ihnen durchaus eine politische Aussage innewohnt. So hat Saramago, heftiger Kritiker des EU-Betritts von Portugal und Spanien, z.B. eine Geschichte geschrieben, in der sich die Iberische Halbinsel vom Europäischen Kontinent löst und aufs Meer hinaustreibt, und nur der Felsen von Gribaltar, der zu Europa gehört, zurückbleibt.

Verschiedenes zeichnet seine Romane aus: nie benutzt er direkte Rede, sondern stellt die Sätze gleichsam nebeneinander, selten ist ein politisches System zu erkennen, die Geschichte an eine bestimmte Zeit, eine bestimmte Epoche gebunden. Die Personen bleiben namenlos wie die Orte.

Mit dem »Memorial« wurde er auf einen Schlag weltberühmt (hervorragend übersetzt von Andreas Klotsch vom Aufbau-Verlag, DDR, wo seine Bücher auch zuerst erschienen). Sein bekanntestes und zugleich düstertes Werk ist die »Stadt der Blinden« (Originaltitel zu deutsch: »Essay über die Blindheit«.)

Saramago lebt heute, unter anderem wegen bereits erwähnter Anfeindungen in seinem Heimatland, auf der Insel Lanzarote. Die Spanier betrachten ihn, teils deshalb, als einen der ihren und jubelten ebenso wie die Portugiesier als er 1998 den Literatur-Nobelpreis erhielt. Der andere wichtige Grund, dafür, daß Saramago sich auch in Spanien großer Popularität erfreut, ist, daß er stets "Grenzgänger" war --  für ihn ist "Iberien" eine Einheit.

Saramago ist heute der meistgelesenste und ­übersetzte Autor Portugals.



{Saramago ergreift selbst das Wort, übersetzt von Frau Metin}


Als erstes existiert von meinen Büchern der Name. Er existiert plötzlich in meinem Kopf. Der Name steht fest und läßt mich nicht mehr los (z.B. beim »Essay über die Blindheit«). Es ist also eher so, daß die Geschichten zu mir kommen, als daß ich sie mir ausdenke.

{»Schreiben« ist für ihn nicht unbedingt ein aktiver Vorgang, zumindest habe ich ihn so verstanden.}

Ich saß im Flugzeug um meinen Bruder zu besuchen. Als das Flugzeug in den Landeanflug ging war der Titel »Alle Namen« plötzlich in meinem Kopf. Namen sind merkwürdig. Welche Aussage, welche Hoffnungen knüpfen die Eltern daran, wenn sie ihrem Kind einen Namen geben? Wird Benjamin friedlich? Felix glücklich? Was ist mit den vielen Josés oder Marias?

Weitere Überlegung: Es gibt einen Namen, den wir erhalten, aber es gibt auch einen Namen, der uns entspricht. -- Können wir ihn erfahren?

{Später hat er es noch einmal deutlicher gesagt: Die Frage »Wie heiße ich?« ist gleich der Frage »Wer bin ich?«}



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»Alle Namen«
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Jetzt wurden vier Passagen aus »Alle Namen« vorgelesen. Jeder Passage stellte Frau Metin eine kurze Ein­ bzw. Überleitung voran, die Über­ schriften habe ich eingefügt, waren also nicht Teil der Lesung. Bitte beachte den ->*Hinweis* am Ende des Textes!


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1. Das Amt
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Das Buch handelt von einem »Senhor José«, einem kleinen Mitarbeiter in einem Ministerium. Dieses Ministerium verwaltet in einer riesigen Registratur alle Bewohner des Landes, die lebenden und die Toten.

Wenn man das Ministerium betritt, sieht man hinter dem Tresen eine Reihe von Tischen: In der hintersten Reihe thront der Leiter, es folgen einige weitere, jede mit mehr Tischen ausgestattet als die vorherige. [4]

Mit jeder Reihe, die dem Publikum näher ist, nimmt auch die Emsigkeit zu, mit der sich die Mitarbeiter bewegen, bis schließlich zur ersten, aus fünf Tischen bestehenden Reihe, direkt am Tresen, in der die Beamten ständig aufspingen um benötigte Akten herauszusuchen. ¹)

Hinter den Tischen beginnen die Regalreihen mit den Akten. Es gibt so viele Akten in so vielen Regalen, daß man vom Tresen aus das Ende der halbdunklen Gänge nicht erkennen kann.

Trotzdem reicht der Platz nicht aus: Da die Zahl der Toten, und damit die Zahl der zu verwaltenden Akten, ständig wächst, wird, um neuen Platz zu schaffen, alle paar Jahre die Mauer, die die hintere Wand des Gebäudes bildet, abgerissen und etwas versetzt wieder aufgebaut.

¹) In dieser Reihe arbeitet auch Herr José.


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2. Das Bild
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José hat ein Geheimnis: Er sammelt die Daten von Berühmtheite. Nicht, um sie zu erpressen oder sonstwie seinen Nutzen daraus zu ziehen, sondern als Hobby.

Dies gelingt ihm besonders gut, weil er in einem Haus neben der Registratur wohnt, das mit dieser durch eine Tür verbunden ist.  Selbstverständlich ist es verboten diese Tür zu benutzen, genauso wie das heimliche Datensammeln.

Trotzdem schleicht José nachts durch die Tür und durchstreift die Aktengänge um seinem gefährlichen Hobby nachzugehen. Einmal, als er in einem abgelegenen Gang auf einer hohen Leiter steht, verliert er den Halt und wird fast unter den Akten begraben.

Bei seinen Recherchen entdeckt er in einer Akte das Bild einer Frau, "verguckt" sich in sie und beschließt sie zu finden. [5] [6]



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3. Krankenbesuch
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Bei seinen Nachforschungen zieht sich José eine heftige Erkältung zu. Er liegt fiebernd im Bett, ein Arzt kommt zu ihm. Schließlich teilt er ihm das Ergebnis seiner Untersuchung mit: »Grippe«, sagt der Arzt, »da kann man nichts machen.« »Aha«, sagte José.

Da tritt der Chef durch die Verbindungstür und steht neben dem Arzt in Josés Schlafzimmer. »Was fehlt ihm denn?«, fragt er den Arzt. »Grippe.«, sagte der Arzt, »da kann man nichts machen.« »Ach so.«, meint der Chef.

Währenddessen leidet José große Qualen: Der Chef in seinem Schlafzimmer, der Chef hat die Verbindungstür benutzt! Ahnt er etwas? Was ist, wenn die Akten unter seiner Matratze plötzlich, durch einen dummen Zufall vielleicht, hervorlugen? Und wie groß er ist, welche klugen Dinge er sagt, »Ja«, denkt er sich »so muß ein Chef sein.«


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4. Der Schäfer
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Schließlich findet José alles über die Frau heraus, er findet ihr Grab auf dem städtischen Friedhof. Dieser Friedhof ist groß, ja sogar riesig, im Laufe der Zeit ist er immer größer geworden, sodaß man mittlerweile Straßen durchgebaut hat & die Leichenzüge als Autokolonnen den Friedhof befahren.

José hatte das Grab am Abend vorher gefunden. Es ist namenlos, nur mit einer Nummer gekennzeichnet, denn es liegt in dem Bereich des Friedhofs, der für Selbstmörder bestimmt ist. Er war erschöpft neben dem frischen Erdhügel eingeschlafen, der Morgentau und einige Geräusche wecken ihn: Er sieht ein Schaf neben sich. Als er sich aufrappelt sieht er noch mehr Schafe, eine ganze Herde, einen Hund und schließlich den Schäfer, der auf ihn zukommt.

»Guten Tag«, sagt der Schäfer.

»Guten Tag«, sagt José.

»So früh am Morgen habe ich hier noch nie jemanden gesehen.«

Sie unterhalten sich weiter, es wird klar, daß José die Nacht auf dem Friedhof verbracht hat. Der Schäfer fragt, ob José denn wisse, auf welchem Teil des Friedhofs er sich befinde. José antwortet, das wisse er.

Der Schäfer fragt, ob er ein bestimmtes Grab gesucht hätte. José antwortet, das habe er.

»Von einem Mann oder von einer Frau?«

»Von einer Frau.«

»Kannten Sie sie denn persönlich?«

»Nein.«

Der Schäfer schweigt einen Augenblick. »Nun, wissen Sie, das Grab, das Sie gefunden haben, ist nicht das Grab, das sie gesucht haben.«

»Warum ist es das nicht?«

»Es ist das falsche Grab.«

»Das falsche Grab? Wieso ist es das falsche Grab?«

»Die Nummern. Die Nummern stimmen nicht mit den Gräbern überein.«

»Ja, aber warum stimmen sie nicht?«

»Jemand hat sie vertauscht.«

»Jemand hat sie vertauscht? Wer um alles in der Welt würde denn so
  etwas tun?«

»Ich.«

»Sie?«

»Ja, ich.«

»Sie? Sie haben das getan? Ich werde Sie anzeigen!«

»Ich glaube nicht, daß es Gesetz gegen das Vertauschen von Nummern auf Gräbern gibt.«

[...]

»Warum haben Sie das überhaupt getan?«

»Die Menschen, die hier liegen, haben viel Mühe auf sich genommen, nicht gefunden zu werden.«


José bekräftigt noch einmal, daß er den Schäfer anzeigen werde. In der Ferne sieht man eine Autokolonne, die langsam näher kommt. Das Führungsfahrzeug verschwindet wegen der Unebenheiten des Geländes hin und wieder aus dem Blickfeld, steuert aber eindeutig in diese Richtung.

Der Schäfer läßt den Hund die Schafe zusammentreiben, verabschiedet sich und zieht seiner Wege. José bleibt allein zurück. Er betrachtet einen frisch aufgeschütteten Erdhügel. Zögernd nimmt er die Nummer und tauscht sie gegen eine andere aus.

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Abgang:
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Danach gab es noch einen Auszug aus dem Tagebuch Saramagos (das Leben als alter Mann auf Lanzarote, ich fand's nicht so richtig spannend).

Schließlich durfte das Publikum Fragen stellen. Mal abgesehen davon, daß einige Fragen auf portugiesich gestellt wurden (was wohl auch erklärte, warum einige schon lachten bevor Saramago übersetzt wurde)  gab es nur noch ein Highlight: Jemand fragte, inwieweit denn die Eigenheiten der portugiesischen Sprache bedeutend für sein Werk wären, ob es sich denn überhaupt übersetzen ließe. Frau Metin blickte dabei durchaus säuerlich drein :-}


Ja, das war's: Langanhaltender Applaus, gemeinsame Verbeugung von Saramago und Metin (letztere dort wieder durchaus heiter). Wir wollen kein Autogramm, ab durch die Mitte.

-- Endet hier.




[1] Der SFB sieht naturgemäß die Sache etwas anders: »Bei dem 1929-31 nach Entwürfen des berühmten Architekten Hans Poelzig erbauten 'Haus des Rundfunks' handelt es sich um einen ausdrucksstarken Klinkerbau, der Elemente des Expressionismus mit der Funktionalität der Neuen Sachlichkeit verbindet.« Tscha, de gustibus non desputandum[2].

[2] Möglicherweise, aber nicht wahrscheinlich, die richtige Schreibweise von »Über Geschmack läßt sich nicht streiten« (wortwörtlich: »Geschmack ist nicht diskutierbar«). Da meine beste Lateinnote ein knappes »ausreichend« war, nehme ich Korrekturvorschläge natürlich dankbar an :)

[3] Dieser Teil war in mehrfacher Hinsicht der spannendste des Abends. Zum einen, weil Frau Metin ihren Text recht launig vortrug & man sie direkt verstehen konnte, ohne erst auf ihre Übersetzung warten zu müssen. Zum anderen weil sie allerlei Bemerkenswertes aus dem Leben von Herrn Saramago zusammengetragen hatte, und zwar durchaus mit einer persönlichen Note. Jetzt aber husch, husch, zurück & oben weiterlesen!

[4] Hier folgte eine genaue, ich bin versucht zu sagen: süffisante Auflistung der verschiedenen Titel innerhalb des Mininsteriums, so in etwa: Amtsleiter, Abteilungsleiter, Unterabteilungsleiter. Daß die Tische quasi eine Pyramide bilden (als Versinnbildlichung der Hierarchiestufen der Bürokratie, wenn ich mir mal die Interpretation gestatten darf) ist ­hoffentlich­ auch aus dem obigen Abschnitt ersichtlich.

[5] Erinnert das eigentlich noch jemanden an den Film »Brazil«? Ich meine eine Menge Ähnlichkeiten zu entdecken: die mächtige Bürokratie mit Regeln, die unsinnig wirken und den irrsinnig großen Ämtern; die kleine, heimliche Übertretung eines kleinen Rädchens des Beamtenapparats; das Sich-Verlieben in ein Foto in einer Akte... 
Andererseits zählt Herr Saramago Kafka zu seinen literarischen Vorbildern.

[6] Also der nächste Abschnitt (»Krankenbesuch«) saugt echt gewaltig: Der Dialog zwischen Chef und Arzt war eigentlich ziemlich lustig, irgendwie ist davon kaum was übrig geblieben :-(



URLs:
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http://www.sfb.de/unternehmen/index.html
http://www.etk-muenchen.de/literatur/klfg/saramago_b.html








Dank & Rechtsbelehrung
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Für diesen Aufsatz »Mein Ausflug in die große Welt der Literatur«, Untertitel: »Der kleine Sendesaal des SFB«, gilt:

· Wer Rechtschreibfeela findet, darf sie behalten: Rechtschreibung ist    Glückssache, Zeichensetzung eine Frage des persönlichen Stils und    Grammatik sowieso nur eine Knute der Bourgeoisie¹ zur Unterdrückung der Arbeiterklasse.

· Ich habe mir alle Mühe gegeben, alles so wiederzugeben, wie es sich    (zumindest in meinem Kopf) zugetragen hat, bei Verschiedenem war ich    mir nicht ganz sicher, teilweise habe ich auch - hoffentlich nicht sinnentstellend- ergänzt, vor allem bei den Romanauszügen.

Daß ich erst Tage später, vergrippt und leicht fiebrig, mein Hirn befragte und meine Erinnerungen zu Papier brachte, mag auch eine Rolle gespielt haben. -- Wer's besser weiß: Mail an die Gruppe.

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-> Ich hatte einmal das große Vergnügen einen Auftritt von Phil 
-> (vielleicht bekannt als Zeichner von »Didi und Stulle« in der
-> Zitty) zu sehen.
->
-> Phil sagte dort, als er den Gitarristen von Motorhead zu immitieren
-> suchte, den sehr erinnernswerten Satz:
->
-> »Naja, ist ja immer n bißchen peinlich, wenn man als schlechter
-> Gitarrist versucht, einen guten nachzumachen.«
->
-> Nämliches gilt natürlich auch hier: Etwaige Mängel bei dieser
-> Wiedergabe von »Alle Namen« fußen nicht zwangsweise auf einen Mangel
-> an Fähigkeiten bei Herrn Saramago. :-)
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· Ich danke allen, die dabei gewesen sind (dem Geburtstagkind Olli,
   Katariina, Thilo, Matthias und Daniela sowie allen, die sicher noch
   dabei waren, deren Namen mir zu dieser frühen Morgenstunde aber
   einfach nicht mehr einfallen und die ich herzlich bitte es mir
   nachzusehen).

· Ich danke Uli, der ich leichtsinnigerweise zugesagt hatte, eine
   Zusammenfassung zu schreiben und Daniela, die sich zuerst dazu
   bereiterklärt hatte. Unter anderen Umständen hätte es dieses Machwerk
   nicht gegeben.
   Ob das zum Wohle der Menschheit ist, überlasse ich, lieber Leser,
   Dir, der, wenn Du diese Zeilen liest, tatsächlich bis zum Ende
   durchgehalten hat! WoW!

· Der Umtausch ist ausgeschlossen!

  Der Autor:

Jose Saramago wurde am 16. November 1922 in einem Dorf in der portugiesischen Provinz Ribatejo geboren. Er entstammt einer Landarbeiterfamilie. Nach dem Besuch des Gymnasiums arbeitete er als Maschinenschlosser, technischer Zeichner und Angestellter. Später war er Mitarbeiter eines Verlages und Journalist bei verschiedenen Lissabonner Tageszeitungen. Ab 1966 widmete er sich verstärkt der schriftstellerischen Tätigkeit. Während der Salazar-Diktatur gehörte er zur Opposition.
1998 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Weitere Titel:
Die Stadt der Blinden.

Das Memorial

Alle Namen

© Thomas Bahls