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17.11.03

Barbara Vine liest aus "Königliche Krankheit"

17. September 2003, Dussmann Kulturkaufhaus 

 

 


Wenn Barbara Vine zu einer Lesung erwartet wird, lässt das Publikum sich nicht lange bitten: der Veranstaltungsraum bei Dussmann ist gut gefüllt, das Publikum sehr gemischt - und kurz nach 18:00 Uhr betreten sie dann auch alle die Bühne, Barbara Vine, die Schauspielerin, die den deutschen Text liest, und die Veranstaltungsmanagerin von Dussmann.

Das Publikum wird begrüßt, der Name der Autorin sowie das Buch kurz genannt - und das wars dann auch schon an Einführung, jetzt ist die Autorin dran. 

Die beginnt zu lesen. Ohne auch nur "Guten Abend" zu sagen - ob die Form ihrer Vorstellung ihr missfallen hat? Egal. Sie liest. Das ist nicht unbedingt ihre größte Stärke, sie schreibt besser als sie vorliest - was an sich nicht so problematisch ist, denn als Leser will man ohnehin nur einen kurzen Eindruck vom Werk erhalten, will die Autorin mit dem Werk in Verbindung bringen und ihr vor allem zuhören, was sie noch rundherum zu erzählen hat.

So etwas ist bei Dussmann aber nicht vorgesehen. Eine Stunde lang soll gelesen werden, immer abwechselnd, mal die Autorin, dann die Schauspielerin, deren Namen ich hier gnädigerweise verschweige - denn wenn Barbara Vine auch beim Lesen nuschelt, ist es doch geradezu ein Genuss im Vergleich mit dem, was uns für die deutsche Übersetzung zugemutet wurde. Im Schneckentempo kriecht sie durch den Text, nimmt ihm jegliche Dynamik; überakzentuiert quält sie uns auch noch mit falschen Betonungen. Immer mehr Leute sieht man aufstehen und den Raum fluchtartig verlassen - und nach einer guten halben Stunde ist auch für mich der Punkt erreicht. 

Schade, es hätte ein so schöner Abend werden können, die Autorin hat, als ich sie zuletzt in Salzburg getroffen hatte, gezeigt, wie gerne sie plaudert, wie gut sie es versteht, ihre Leser zu adressieren. Aber das ist nicht Dussmann-Konzept; da ich mich nach dieser Lesung wirklich sehr geärgert hatte, habe ich mich an das Veranstaltungsmanagement gewendet und dort als Antwort erhalten, dass sowohl Verlag als auch Autorin außerordentlich zufrieden mit dieser Veranstaltung gewesen wären. Mir wurde empfohlen, doch lieber die Lesung mit Eva Heller zu besuchen - dem ist nichts hinzuzufügen. Danke, Dussmann - eine Kundin weniger. 

  Die Autorin: 



Barbara Vine = Ruth Rendell,
geb. 17. 2. 1930 als einziges Kind eines Lehrerehepaares. Arbeitete kurz als Journalistin, war zehn Jahre lang Hausfrau und Mutter, bevor sie 1964 ihren ersten Krimi verkaufte. In den 80ern wurde ihr das Muster der klassischen Whodunit zu eng, und sie fing an, unter einem Pseudonym, eben Barbara Vine (ihr zweiter Vorname und der Mädchenname ihrer Großmutter) psychologisch anspruchsvollere Bücher zu schreiben. 1997 wurde sie zur Baroness Rendell of Babergh ernannt. Unter dem Pseudonym Barbara Vine gewann sie zahlreiche Preise. Sie lebt in Suffolk. 

Weitere Titel: Liebesbeweise 

Die im Dunkeln sieht man doch
 

Das Haus der Stufen
 

König Salomons Teppich
 

Keine Nacht dir zu lang 

Astas Tagebuch
 

Schwefelhochzeit 

Der schwarze Falter 

Heuschrecken 


Königliche Krankheit


© Daniela Ecker
18. September 2003

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