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Wenn Barbara Vine zu einer Lesung
erwartet wird, lässt das Publikum sich nicht lange bitten: der
Veranstaltungsraum bei Dussmann ist gut gefüllt, das Publikum sehr
gemischt - und kurz nach 18:00 Uhr betreten sie dann auch alle die
Bühne, Barbara Vine, die Schauspielerin, die den deutschen Text
liest, und die Veranstaltungsmanagerin von Dussmann.
Das Publikum wird begrüßt, der Name der Autorin sowie das Buch kurz
genannt - und das wars dann auch schon an Einführung, jetzt ist die
Autorin dran.
Die beginnt zu lesen. Ohne auch nur "Guten Abend" zu sagen -
ob die Form ihrer Vorstellung ihr missfallen hat? Egal. Sie liest. Das
ist nicht unbedingt ihre größte Stärke, sie schreibt besser als sie
vorliest - was an sich nicht so problematisch ist, denn als Leser will
man ohnehin nur einen kurzen Eindruck vom Werk erhalten, will die
Autorin mit dem Werk in Verbindung bringen und ihr vor allem zuhören,
was sie noch rundherum zu erzählen hat.
So etwas ist bei Dussmann aber nicht vorgesehen. Eine Stunde lang soll
gelesen werden, immer abwechselnd, mal die Autorin, dann die
Schauspielerin, deren Namen ich hier gnädigerweise verschweige - denn
wenn Barbara Vine auch beim Lesen nuschelt, ist es doch geradezu ein
Genuss im Vergleich mit dem, was uns für die deutsche Übersetzung
zugemutet wurde. Im Schneckentempo kriecht sie durch den Text, nimmt
ihm jegliche Dynamik; überakzentuiert quält sie uns auch noch mit
falschen Betonungen. Immer mehr Leute sieht man aufstehen und den Raum
fluchtartig verlassen - und nach einer guten halben Stunde ist auch
für mich der Punkt erreicht.
Schade, es hätte ein so schöner Abend werden können, die Autorin
hat, als ich sie zuletzt in Salzburg
getroffen hatte, gezeigt, wie gerne sie plaudert, wie gut sie es
versteht, ihre Leser zu adressieren. Aber das ist nicht
Dussmann-Konzept; da ich mich nach dieser Lesung wirklich sehr
geärgert hatte, habe ich mich an das Veranstaltungsmanagement
gewendet und dort als Antwort erhalten, dass sowohl Verlag als auch
Autorin außerordentlich zufrieden mit dieser Veranstaltung gewesen
wären. Mir wurde empfohlen, doch lieber die Lesung mit Eva Heller zu
besuchen - dem ist nichts hinzuzufügen. Danke, Dussmann - eine Kundin
weniger.
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Die Autorin:

Barbara Vine = Ruth
Rendell, geb. 17. 2. 1930 als einziges Kind eines Lehrerehepaares.
Arbeitete kurz als Journalistin, war zehn Jahre lang Hausfrau und
Mutter, bevor sie 1964 ihren ersten Krimi verkaufte. In den 80ern
wurde ihr das Muster der klassischen Whodunit zu eng, und sie fing an,
unter einem Pseudonym, eben Barbara Vine (ihr zweiter Vorname und der
Mädchenname ihrer Großmutter) psychologisch anspruchsvollere Bücher
zu schreiben.
1997 wurde sie zur Baroness Rendell of Babergh ernannt.
Unter dem Pseudonym Barbara Vine gewann sie zahlreiche
Preise. Sie lebt in Suffolk.
Weitere Titel: Liebesbeweise
Die im Dunkeln sieht man doch
Das Haus der Stufen
König Salomons Teppich
Keine Nacht dir zu lang
Astas Tagebuch
Schwefelhochzeit
Der schwarze Falter
Heuschrecken
Königliche Krankheit
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