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14.09.03

Ali Smith liest aus "Hotel World"

Berlin, 13. September 2003, British Council
Im Rahmen des 3. Internationalen Literaturfestivals Berlin

 

 



Das internationale Literaturfestival bringt auch Ali Smith bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr nach Berlin; auch diesmal, obwohl es ein Nachmittag ist, ist der kleine Veranstaltungsraum im British Council gut gefüllt.

Ziemlich allein gelassen sitzt sie diesmal an dem Tisch und beginnt zu lesen - den Beginn aus ihrem Roman, "Hotel World". Das ist ein sehr sprachverliebter, kunstvoller Text, der natürlich gerade im Vortrag auch gewinnt; doch Ali liest nicht so gern aus Texten, die sie schon länger abgeschlossen hat. 

Ihr nächster Text ist entsprechend eine Erzählung, die sie erst diesen Sommer im Auftrag einer Zeitung geschrieben hat. Ein seltsames Paket wird dabei angeliefert, die Adresse stimmt, aber der Name nicht; und der/die neurotische Empfänger (bei Alis Protagonisten kann man nie so genau sagen, ob sie nun männlich oder weiblich sind) fühlt sich von diesem Paket bedroht. Als ihr(e) Partner(in) dann abends nach Hause kommt, beschließen sie, dass das Paket ja auch beschädigt angekommen sein könnte, und öffnen es. Ein schlimmer Geruch steigt daraus aus - schmutzige Kleider, und ein Zettel mit einer seltsamen Botschaft. Im zweiten Teil erinnert sich dann einer der beiden an die Jugend, daran, wie er/sie zum erstenmal verliebt war, in ein junges Mädchen, das immer mit dem Gewehr in der Hand angetroffen wurde. Angefreundet hatte man sich mit der kleinen, nicht ganz so ansehnlichen Schwester, um dann irgendwann die Gelegenheit zu nutzen, in den Garten zur schießenden Schwester zu entkommen. Bis zu einem Samstag, als alles anders war, als Angela gar nicht erst mit ihm sprach, sondern gleich zur Schwester ins Zimmer schob, wo die Aufgabe dann war, ein Eichhörnchen in einer Falle zu erschießen. Den dritten Teil habe ich nicht so ganz verstanden - und der Rest des Publikums wahrscheinlich auch nicht so recht, denn die Autorin hatte uns danach gefragt, was wir davon halten, ob es dazu irgendwelche Anmerkungen gäbe, ob der Text, vorgelesen, funktionieren würde. Schweigen. Dann kam die Aussage, sie möge doch noch ein paar Sekunden Zeit lassen, damit man noch darüber nachdenken könne, und auch danach kam nichts.

Dann wurde uns noch eine Erzählung aus "The Whole Story and Other Stories" vorgelesen, eine Weihnachtsgeschichte, die mich allerdings nicht so ganz überzeugt hatte.

Die darauffolgende Fragestunde musste die Autorin auch selbst moderieren; auf die Bitte, doch etwas langsamer zu lesen hatte sie zuvor schon geantwortet, dass ihr das leider genetisch unmöglich sei. Sie sei eben leider kein Entertainer; und mittlerweile müssten die Autorin in ihren Verträgen auch eine Klausel unterschreiben, dass sie bereit wären, in der Öffentlichkeit aufzutreten. 

Ob sie sich in der Tradition der schottischen Schriftsteller sähe, kam dann die Frage von einem jungen Mann, der sich als einer ihrer Kommilitonen herausstellte; ja. 

Ob von ihrem Verlag Druck auf sie ausgeübt würde, weil sie doch hauptsächlich Kurzgeschichten schreibe, und die Verlage Romane lieber sähen; nein, nachdem ihr letztes Buch sich so gut verkauft hätte, wäre dieser Druck in der nächsten Zeit von ihr genommen. 

Und ob sie immer schon im Voraus wisse, ob aus einem Stoff ein Roman oder eine Kurzgeschichte würde; nein, aber man müsse es trotzdem beim Arbeiten wissen, weil eine Kurzgeschichte nur einen Moment umfasse, während ein Roman, so verwinkelt und verdreht er auch geschrieben sein möge, doch immer eine lineare Geschichte erzähle.

Und das wars dann auch schon wieder - die Stunde ist um, die nächste Lesung hier schon angekündigt, das Publikum kommt noch zum Signieren - nett wars wieder, aber fairerweise sollte man den Autoren doch jemanden mit an den Tisch setzen, der die Atmosphäre ein wenig lockert, der den Ablauf in der Hand hat, und erstmal Fragen zu stellen beginnt, wenn das Publikum noch zu schüchtern dafür ist.

Hotel World jedenfalls muss ich langsam wirklich lesen!

 

  Die Autorin:

Ali Smith wurde 1962 in Inverness geboren. Sie studierte in Aberdeen und Cambridge englische Literatur. 

Ali Smith schreibt regelmäßig für Zeitungen und Zeitschriften, unter anderem für "The Scotsman" und "Times Literary Supplement". Sie lebt in Cambridge.

Für ihr Buch "Hotel World" war sie sowohl für den Booker als auch für den Orange Prize auf der Shortlist.

Titel: 


Free Love and Other Stories

Scottish Love Stories

Like

Wild Ways. New Stories About Women on the Road

Other Stories and Other Stories

Hotel World

The Whole Story and Other Stories


Mehr über eine Lesung der Autorin im Juni 2003


© Daniela Ecker
14. September 2003
LESELUST

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