Lesungen - dabei sein mit der LESELUST

27.08.03


Julia Franck und Toby Litt lesen aus "Bauchlandung" und "Corpsing"

Berlin, 16. September 2002, British Council 



Die Autorin: 
Julia Franck
geboren 1970 in Berlin (Ost), gilt als eine der talentiertesten jungen Schriftstellerinnen. 1995 Preisträgerin des "Open Mike" der LiteraturWERKstatt Berlin, 1998 Alfred-Döblin-Stipendium, 2000 in Klagenfurt ausgezeichnet mit dem 3-Sat-Preis. Sie lebt mit ihren beiden Kindern in Berlin. 

Weitere Titel
Der neue Koch

Liebediener


Bauchlandung

Lagerfeuer

Lesung von Julia Franck am 26. August 2003 bei Dussmann

 

  

Der Autor: 
Toby Litt  
wurde 1968 geboren und wuchs in Ampthill, Bedfordshire, auf. Er arbeitete unter anderem als Lehrer und Buchhändler. Er nahm, wie auch Ian McEwan, an Malcolm Bradbury´s  Creative Writing an der University of East Anglia teil. Von 1990 - 1993 lebte er in Prag, in dieser Zeit veröffentlichte er auch sein erstes Buch, "Adventures in Capitalism". Er lebt heute wieder in London. 

Weitere Titel:

Adventures in Capitalism

Beatniks / Unterwegs mit Jack

Corpsing 

Deadkidsongs

Exhibitionism

Finding Myself 

Im Rahmen des internationalen Literaturfestivals Berlin 2002 und einer spartenübergreifenden Kunstveranstaltung London / Berlin waren im September 2002 je ein junger Autor aus Deutschland und England eingeladen worden, im British Council zu lesen.

Interessiert hatte mich diese Veranstaltung, weil eine der als talentiertesten geltende Autorin lesen sollte: Julia Franck, deren Erzählungsband "Bauchlandung" mir sehr gut gefallen hatte. Dass auch noch ein englischer Autor lesen sollte war mir zwar bekannt - aber ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts über den Autor gehört oder gelesen. 

Nach einer kurzen Vorstellung las erst Julia Franck aus ihren Erzählungen; und zu meiner großen Überraschung und Enttäuschung musste ich feststellen, dass mich diese Erzählungen nicht mehr ansprachen, wenn sie von ihr vorgelesen wurden, dass mir plötzlich die Sprache und vor allem der Inhalt so austauschbar vorkamen. Dabei lag es nicht daran, dass sie nicht vorlesen kann; sie las ruhig und gut akzentuiert, aber auch etwas einschläfernd.

Danach war Toby Litt an der Reihe und las aus "Corpsing" - und plötzlich hatte sich für mich der Grund für die Veranstaltung gewandelt. Toby Litt ist nicht nur ein guter Autor, er hat auch Entertainer-Qualitäten; er weiß, wie er seinen Text effektiv vortragen muss, kennt die Kunstpausen, die Betonung, kurz: ich war von Anfang an von der Geschichte gefesselt. Er las vor, wie der Protagonist von Corpsing sich mit seiner Exfreundin trifft und in diesem Restaurant plötzlich ein Fahrradkurier auftaucht, der eine Waffe zieht und auf seine Exfreundin und ihn feuert. 

Minutiös wird die Geschichte vom Abfeuern bis zum Eintreten der Kugel und was sie im Körper bewirkt geschildert - ziemlich grausam, aber mit so viel Distanz geschildert, dass das "wissenschaftliche" Interesse im Leser angesprochen wird. 

Beide Autoren haben danach noch Fragen beantwortet, ein bisschen aus ihrem Leben erzählt; mittlerweile ist das leider zu lange her, als das ich mich wirklich noch an Details erinnern könnte. Aber was ich mir gemerkt habe, ist ein Gesamteindruck: Während Toby Litt bei seinen Antworten zwar auch oft weit ausholt und nicht unbedingt genau das beantwortet, was er gefragt wurde, beinhalten seine Antworten doch immerhin eine Aussage - wohingegen Julia Franck eher vage und nichtssagend wirkt. Vielleicht ist diese Aussage auch ein bisschen unfair, da sie schließlich auch auf Englisch, also nicht ihrer Muttersprache geantwortet hat - aber da sie auch mindestens ein Jahr in den Staaten gelebt hat, lag es wohl weniger an mangelnden Sprachkenntnissen als an einer generellen Unlust, die Fragen zu beantworten. Oder sie fühlte sich vom Entertainer Litt an die Wand gespielt - wer wirds wissen?

Fazit aus dieser Veranstaltung war für mich, dass ich völlig überraschend einen neuen Autor entdeckt habe, der leider erst mit einem Buch auch auf Deutsch vertreten ist - und dass meine Erwartungshaltung an Julia Francks neues Buch etwas geringer geworden ist. 

  
 

© Daniela Ecker
10. Juni 2003

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