Lesungen - dabeigewesen mit der LESELUST

 

13.10.02

Sommerfest der Literaturen mit 
Doris Dörrie, Anna Dankowtsewa, Jessica Durlacher und Leon de Winter

Berlin, 30. August 2002, Literarisches Colloquium Berlin
 

 


Das war eine Lesung so ganz nach meinem Geschmack!

Leon de Winter, das dunkle Haar sorgfältig etwas in Unordnung gebracht, mit Brille und Anzug, hatte uns erstmal drauf hingewiesen, dass das Bild auf dem Buchumschlag ihn um 15 Jahre jünger und 10 Kilo leichter zeigen würde. Er hätte "Leo Kaplan" selbst schon seit sehr langer Zeit nicht mehr gelesen und nun, anlässlich seiner Lesereise, natürlich nochmals durchgelesen. Und er müsse sagen: dieser Schriftsteller vor fünfzehn Jahren, der hätte damals ein wirklich ordentliches Buch geschrieben! Er wäre jedenfalls vom Talent dieses Schriftstellers ganz angetan gewesen.

Dann hatte er eine längere Passage aus dem Buch vorgelesen - als ihn, nachdem er bei Hannah ausziehen musste, seine erste Frau ihn dem Loch anruft, das er zu dieser Zeit bewohnt. Ihn diese ohnehin schon ziemlich witzige Passage auch noch selber mit seinem reizenden Akzent vorlesen zu hören, hat unheimlich Spaß gemacht.

Danach konnte man ihm noch ein paar Fragen stellen... ich versuche mal, noch alles zusammenzubringen, was so gefragt wurde:

- Warum die Bücher erst jetzt ins Deutsche übersetzt worden wären?
Weil damals, als das Buch in den Niederlanden erschien, in Deutschland noch kein Hahn nach Literatur aus dem Nachbarland gekräht hätte. Mit der Buchmesse 1993 - Schwerpunkt Niederlande - habe sich die Situation drastisch verändert.

- was denn nun aus der angekündigten Verfilmung von "Der Himmel über Hollywood" geworden wäre?
Da hätte er gerade einen Blick reingeworfen, es wäre ein guter Film geworden. Der allerdings schon Mitte März hätte fertig sein sollen. Was er definitiv nicht ist ;-) aus einem Grund, den ich schon wieder vergessen habe, hatten die Dreharbeiten länger gedauert als geplant. Seine Vermutung war, dass der Film eventuell im Herbst hier ins Kino kommen könnte. Es wäre ein schöner, leichter und heiterer Film geworden.

- er hätte doch auch mal geplant gehabt, in Europa große Filme zu drehen?
Ja, der Plan bestünde auch nach wie vor. Und im letzten Jahr hat er wohl auch 8 Monate lang daran gearbeitet, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen. 100 Millionen. Aber: wie gewonnen, so zerronnen... wie im Buch ist die Finanzierung geplatzt.

- und warum?
Am 20. Dezember, um 16:45, habe sein Handy geklingelt. Seine Bank war dran, um ihm kurz die Pressemitteilung zu verlesen, die schon am Fax lag: die Bank würde ihre Beteiligung zurückziehen. Keine Diskussion mehr möglich...

- existieren noch mehr ältere Bücher von ihm, die noch ins Deutsche übersetzt werden?
Ja. Aber die wären vor Leo Kaplan entstanden. Und bei diesem Buch habe er das erste Mal seine Erzählfreude so richtig ausgelebt, habe auch mit Lust herumfabuliert. Die älteren Bücher wären formaler, strenger.

- und schreibt er an etwas Neuem?
Ja!!! Ein Roman mit dem Titel "Der Kaufmann von Venedig". Ja, irgendwer hätte ihn darauf hingewiesen, dass irgendwann schon mal ein Schriftsteller diesen Titel verwendet hätte. Auf jeden Fall hat er seinem Verleger versprochen, dass das Buch am 25. November 2001 erscheinen kann. Denn am 25. November ist vor 25 Jahren auch sein
allererstes Buch erschienen. Und das will der Verlag dann zu einem großen Werbefeldzug nutzen: 25 Jahre Schriftsteller - also kostet das neue Buch 25 Tage lang 25 Gulden, danach 50! Wenn wir Glück haben, ist die deutsche Übersetzung dann im Frühling auch für uns erhältlich...

Es war wirklich eine sehr unterhaltsame Stunde mit diesem Autor, der - ich kanns nicht anders beschreiben - absolut knuffig wirkt. Am liebsten möchte man ihn (trotz Anzug) am Arm fassen, zur nächsten Bar schleppen und bei ein paar Bierchen eine feucht-fröhliche Unterhaltung anfangen.

Ich war wirklich sehr angetan, und werde ihn mir bei der nächsten sich mir bietenden Gelegenheit bestimmt nochmals ansehen!


  Der Autor:

Leon de Winter, geboren 1954 in 's-Hertogenbosch als Sohn niederländischer
Juden, ist Filmemacher und seit 1976 freier Schriftsteller, dessen Romane
nicht nur in den Niederlanden überwältigende Erfolge erzielen.

Weitere Titel:

Hoffmans Hunger

SuperTex

Serenade

Zionoco

Der Himmel von Hollywood

Sokolows Universum

Leo Kaplan

© Daniela Ecker
April 2001