Lesungen - dabeigewesen mit der LESELUST

 

23.03.02

  Georg Klein liest aus "Barbar Rosa"
Berlin, 11. März 2001 - Volksbühne
   

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Sonntag mittag im Grünen Salon der Volksbühne - etwa 50 mehr oder weniger salopp gekleidete junge bis nicht mehr ganz so junge Menschen tummeln sich in diesem schönen Saal, Fernsehkameras werden ausgerichtet, Fotoapparate von einem zum anderen Motiv geschwenkt, in einem Eck wird Ziehharmonika gespielt.

Dann, nach einem ersten Anlauf, als die Lust noch nicht so groß war, spricht der Verleger, Alexander Fest - erzählt von Georg Klein, von seiner Zusammenarbeit, von den Telefonaten, von der Zeitungskolumne, die Georg Klein liebevoll als "Schund" betitelt.

Erzählt natürlich auch von der großen Freude, dass Georg Klein im Sommer 2000 mit einem Ausschnitt aus ebendem Text, den er uns auch gleich vorlesen würde, den Bachmann-Preis gewonnen hätte.

Und endlich ist es soweit: Georg Klein fängt an zu lesen. Eine Detektivgeschichte. Alles etwas unwirklich - aber mit Bildern, die lebhaft vor meinem Auge tanzen. Manchmal auch mit etwas zu viel Lebhaftigkeit, etwa wenn er das Ausdrücken eines Pickels in all seiner Grausigkeit beschreibt.

Mit grausamer Zärtlichkeit... dieses Zitat aus der Judenbuche hatte der Verleger in seiner Einleitung erwähnt. Und es trifft auf den vorgelesenen Text zu.

Muss ich erwähnen, dass es ein Vergnügen war, ihm zuzuhören? Er versteht es, im richtigen Tempo, in der richtigen Betonung zu lesen - gut, es ist schließlich auch ein Text, den er selbst geschrieben hat. Und der sich durch seine ganze Struktur, den Satzfluss, die Melodie, die erzeugten Bilder auch hervorragend zum Vorlesen eignet.

Was mir besonders auffiel, war die Art und Weise, wie das "r" ausgesprochen wurde. Sehr rollend, sehr prägnant.

Ein allgemeines Gespräch mit dem Autor gab es leider nicht danach - aber dafür ein paar nette Leckerein zu essen. Und natürlich das Buch. Ob es mir beim Selbstlesen immer noch so gut gefällt? Mittlerweile habe ich jedenfalls seine Stimme im Ohr. Und die wird mir auch im Gedächtnis haften bleiben.


  Der Autor:
Georg Klein, 1953 in Augsburg geboren, lebt mit seiner Familie in Berlin und Ostfriesland. Sein Roman "Libidissi" wurde als eine der wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres 1998 gefeiert und in mehrere Sprachen übersetzt. 1999, im Erscheinungsjahr des Erzählungsbandes "Anrufung des Blinden Fisches" wurde ihm der Brüder-Grimm-Preis verliehen und im Jahr 2000, für einen Ausschnitt aus "Barbar Rosa", der Ingeborg Bachmann-Preis.

Weitere TItel:

Libidissi

Anrufung des blinden Fisches

Barbar Rosa

© Daniela Ecker