Lesungen - dabeigewesen mit der LESELUST

 

02.08.02

John von Düffel liest aus "Vom Wasser" und "Schwimmen"
Berlin, Goethe-Institut, 08.08.00
 

 


Diesmal kam auch ich in den Genuss, John von Düffel live zu erleben und seine Lesung besuchen zu dürfen. Diese fand im Goethe-Institut statt und war wohl im Rahmen eines Seminars für Deutschlehrer aus aller Welt, die etwas über zeitgenössische deutschsprachige Literatur erfahren wollten.

Er hat - nach einleitenden Worten - aus seinem dreifach ausgezeichneten Roman "Vom Wasser" gelesen. Für meine Begriffe zu schnell gelesen und auch sonst den Worten nicht den Raum eingeräumt, der ihnen meines Erachtens
zustünde - anyway.

Danach kam noch eine Episode aus "Schwimmen", ein Essay aus "Kleine Philosophie der Passionen". Die vorgelesene Episode handelte vom Passiv-Schwimmen im Rhein - sehr launig!

Aber dann kam das Gespräch - und ich war wirklich begeistert. Wortkarg kann man den Autoren nicht gerade nennen, er hat alle Fragen sehr offen und mit Geschichten untermauert beantwortet.

Die Sprache kam auf seine Biographie, auf seine Theaterkarriere - er wurde ja dem Publikum erstmals durch einige Theaterstücke bekannt - und auch darauf, wie er zum Schreiben kam.

"Vom Wasser" hat er wohl in einer für ihn sehr großen Theaterkrise geschrieben, während seiner beiden Jahre in Basel. Zu dieser Zeit wollte er nichts mehr für das Theater schreiben, sondern etwas völlig anderes machen. Es war auch aufgefallen, dass in diesem Roman keine Dialoge vorkommen; gerade von einem Theater-Mann würde man das nicht erwarten. Seine Begründung dazu war, dass seine Protagonisten alle sehr einsame Menschen wären, und vor allem eine Beziehung zum Wasser hätten; mit diesem wäre aber nicht wirklich ein Dialog möglich. Interviews dazu kann man wohl auch im Netz nachlesen; ich hab noch nicht nachgesehen, wo.

Unüblich für Theatermenschen ist er ein absoluter Frühaufsteher, schreibt auch am liebsten morgens. Ein Leben im Elfenbeinturm, zu schreiben, ohne im Kontakt mit der Umwelt zu sein, kann er sich nicht vorstellen. Er erlebt es so, dass zum Beispiel Probleme, die er morgens beim Schreiben hat, an denen er zu verzweifeln droht, im Laufe des Tages unterbewußt immer weiter laufen - bis dann irgendwann völlig unverhofft eine Lösung kommt.

Sein Herangehen an Figuren hat er ebenfalls geschildert: es käme nicht so sehr darauf an, meinte er, jetzt zu versuchen, den Tonfall einer bestimmten Bevölkerungsschicht zu treffen, um es stimmig zu machen. Er würde versuchen, die Umwelt mit den Augen seiner Protagonisten zu sehen, zu riechen, schmecken, fühlen wie sie, und aus diesem Verständnis heraus dann schreiben.

Mein persönlicher Eindruck: ein eindrucksvoller Mann, bescheiden, unglaublich intelligent, humorvoll und ausgesprochen charmant. Und... als Mensch interessanter als seine Bücher...


 

Der Autor: 
John von Düffel, geboren 1966 in Göttingen, lebte zeitweise in Irland und den USA, er promovierte 23jährig über Erkenntnistheorie und war danach als Theater- und Filmkritiker, als Schauspieldramaturg und Übersetzer tätig. Er ist einer der meistgespielten jungen deutschen Theaterautoren der letzten Jahre. Für "Vom Wasser", seinem ersten Roman, wurde er u.a. mit dem "Aspekte"-Literaturpries und dem Mara-Cassens-Preis ausgezeichnet.

Weitere Titel: 

Vom Wasser
 

Schwimmen  

Zeit des Verschwindens





© Daniela Ecker