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17.11.03

Paul Auster liest aus "New York Trilogie"
Berlin Akademie der Künste, 9. Mai 2000
   

50 Jahre rororo-Taschenbücher;
das war der eigentliche Anlass dieser Lesung. Eintritt war frei - ab 19 Uhr, so hieß es, würden Karten ausgegeben. Schon lange vorher hatten sich eine Menge Neugieriger vor der Akademie der Künste eingefunden, und kurz nach 19 Uhr waren die heißbegehrten Plätze auch schon weg.

Eine kleine Einführung gab es erst durch den Hausherrn, György Konrad - Präsident der Akademie der Künste. Anstelle des amerikanischen Botschafters sprach dann Christine Elder, erzählte ein wenig vom Werdegang des Taschenbuchs in Europa - und natürlich von der Wegbereitung durch den Rowohlt Verlag hier im deutschsprachigen Raum. Sehr launig danach die Einleitung des Verlegers, Nikolaus Hansen, der sich noch einen netten Wortwechsel mit Denis Scheck, dem Kritiker und letzten "Vorsprecher" dessen lieferte, auf den wir alle gewartet hatten: Paul Auster.

Dieser las eine Passage aus der New York Trilogie - wobei gleich mal angemerkt werden muss: er hat einfach eine wunderbare Stimme. Kultiviert, angenehm tief, melodiös... ein Genuss, ihm zuzuhören.

Nun ja - zum Gelesenen gibt es nicht viel zu sagen, finde ich. Und in diesem Sinne ist es ja eigentlich auch egal, nun ausgerechnet vom Autoren oder von irgendjemand sonst etwas vorgelesen zu erhalten - wenn danach nicht noch etwas folgt.

Hier kommt Denis Scheck wieder ins Spiel. Dieser ist Kritiker beim Deutschlandfunk (und mir persönlich dadurch ein positiv besetzter Begriff). Wahrscheinlich gab es nicht viel, was wirklich neu war an diesem Gespräch - aber es war ein Interview, das ich mir mit großem Vergnügen angehört habe.

Paul Auster hat erst ein wenig von seinem Leben erzählt, wie es damals war, als er noch als Lyriker und Übersetzer sein Glück versuchte. Seine Wurzeln liegen ja väterlicherseits in Europa; er wurde deshalb auch gefragt, ob er denn kulturell gesehen nun Europa als geistiges Zuhause ansehen würde - was er entschieden verneinte, er sei Amerikaner durch und durch.

Dann kamen einige Anekdoten aus seinem Leben als Schriftsteller, speziell im Zusammenhang mit der Entstehung der New-York-Trilogie. Es hätte an zwei Abenden hintereinander das Telefon geklingelt, meinte er - und irgendwer wollte einen Privatdetektiv sprechen. Trotz seiner Neugierde hätte er... aufgelegt. Und sich danach noch häufig Gedanken gemacht, dass es doch interessant gewesen wäre, sich die Geschichte mal anzuhören und eventuell in ein fremdes Schicksal reingezogen zu werden. Aber es blieb ein Abenteuer im Kopf, und so fing er an, es schreibend zu verwerten. Seinem Alter Ego hatte er den Namen Quint gegeben. Und dann, während er noch eifrig am Schreiben war, klingelte wieder das Telefon - nur dass diesmal ein Mr. Quint erwartet wurde...

Diese Zufälle stellen ein Motto dar, dass sich ja auch deutlich durch Paul Austers Buch zieht; er fühlt sich von diesen Geschichten auch sehr angezogen, meinte er. Und er moderiert in den USA eine Radio-Show, in der die Zuhörer aufgefordert werden, ihre absurdesten Zufälle Paul Auster zu schildern. Dieser verfeinert die Geschichten dann ein wenig und liest sie im Radio vor.... (glückliche Amerikaner, die dieser Stimme häufiger lauschen dürfen).

Natürlich konnte auch eine Frage zu seiner Arbeit als Regisseur nicht ausbleiben. Es hätte ihm viel Spaß gemacht, die Bilder in seinem Kopf auch mal visuell umsetzen zu können, meinte er. Doch vor die Wahl gestellt, einen Roman zu schreiben oder einen Film zu drehen, würde er sich immer für den Roman entscheiden.

Und wir dürfen uns freuen: er arbeitet gerade wieder an einem neuen Buch!

Das ist alles, was mir im Gedächtnis geblieben ist - ein interessanter Abend, schön diesen Autor mal gesehen zu haben. Ich bin froh, für mich bestätigt zu sehen, dass ein Schriftsteller, dessen Werk ich sehr mag, auch persönlich ein ungemein sympathisches Auftreten hat.
 

Paul Auster wurde 1947 in Newark, New Jersey, geboren. Er studierte Anglistik und vergleichende Literaturwissenschaft
an der Columbia University und verbrachte danach einige Jahre in Paris. Heute lebt er in Brooklyn. Er ist mit der Schriftstellerin
Siri Hustvedt verheiratet und hat zwei Kinder.

weitere Titel:

Die New York Trilogie

Im Land der letzten Dinge

Mond über Manhattan

Die Musik des Zufalls

Leviathan

Mr. Vertigo

Die Erfindung der Einsamkeit

Timbuktu

Smoke / Blue in the Face


© Daniela Ecker

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