Lesungen - dabeigewesen mit der LESELUST

 

23.03.02

Doris Lessing liest aus "Ben in der Welt"
Berlin, Haus der Kulturen der Welt, 20. April 2000
   

Anläßlich des Welttages des Buches hat Doris Lessing am 20. April im Haus der Kulturen der Welt (also kurz: der schwangeren Auster) eine Lesung gehalten.

Erst hatte sie selbst kurz auf Englisch aus ihrem neuen Buch, Ben in der Welt gelesen, danach hatte Angelika Domröse auf Deutsch daraus ein paar Passagen gelesen - und aus ihrer Autobiographie, Unter der Haut.

Aber erst dann kam der wirklich interessante Teil - das Gespräch.

Doris Lessing ist ca. 80 Jahre alt - sie gesehen und erlebt zu haben bedeutet, keine Angst vor dem Alter mehr zu haben. An ihrer Weltoffenheit, Interessiertheit, ihrem Charme und ihrem Humor kann sich mancher eine Scheibe abschneiden. Selbstverständlich hatte sie auch zu Afrika einiges zu sagen.

Sie wurde unter anderem auch danach gefragt, wie sie selbst denn die Zukunft des Buches sehen würde; ob diese gefährdet wäre?
Sie meinte, daß das Buch ja schließlich eine der praktischsten Erfindungen überhaupt wäre; man könne es nahezu überallhin mitnehmen, es in jeder Lage lesen. Allerdings meinte sie auch, daß natürlich die Kinder heutzutage nicht mehr diees Heranführen an Bücher erleben würden, wie es noch zuvor erlebt worden wäre. Sie erzählte von Kampagnen in England, in denen einige namhafte Schriftsteller in die Schulen gegangen wären, etc. Der Erfolg, im Gegensatz zu vor fünf Jahren, wäre zumindest, daß nun häufig auch junge Leute mit dem Buch unter dem Arm zu sehen wären; so etwas gälte als "in". Ob diese Bücher allerdings auch gelesen würden, wage sie zu bezweifeln.
Erzählt den Kindern Geschichten, plädierte sie: erzählt ihnen, weckt ihr Interesse, ihre Fantasie, lest ihnen vor - es ist so wichtig, ihnen diesen Schatz nicht zu verschließen. Wenn man erst im Alter von 20 zum Lesen kommt, hat man häufig das Gefühl, das alles gar nicht mehr aufholen zu können.


Nach ihrer Meinung zu den vielen Creative Writing-Seminaren wurde sie auch gefragt; sie meinte, diese Auseinandersetzung mit der Literatur, dieser Wunsch, schreiben zu wollen, wäre sicher jetzt deutlich stärker als je zuvor. Und sie erwähnte auch einige Autoren, die aus dieser Schule hervorgegangen wären, die ihrer Meinung nach gut wären; mir ist dabei vor allem der Name Ian McEwan im Gedächtnis haften geblieben - aus gutem Grunde, wie ihr wißt, liebe ich diesen Autor ja sehr.

So, mehr fällt mir ad hoc dazu nicht ein; außer, daß es viel zu kurz war...
  Die Autorin:
Doris Lessing wurde 1919 im heutien Iran geboren, zog mit ihrer Famlie 1924 nach Rhodesien und lebt seit 1949 in England. Schon früh schrieb sie Gedichte und Erzählungen. Mit dem Roman "Afrikanische Tragödie" legte sie 1962 den Grundstock zu ihrem umfangreichen literarischen Werk.

Weitere Titel:

Das fünfte Kind

Ben in der Welt

Das goldene Notizbuch

Das Tagebuch der Jane Sommers



© Daniela Ecker