Literatur aus Japan in der LESELUST

Japan, japanische Literatur wird in der letzten Zeit auch in Europa immer gefragter. Seit ich Banana Yoshimoto und Haruki Murakami für mich entdeckt habe, interessiere ich mich auch sehr für Literatur aus Japan; wer also Tipps zu zeitgenössischer japanischer Literatur hat, bereitet nicht nur mir eine große Freude, wenn er sie mit uns teilt - hier ist die Gelegenheit dazu: 

Aber nun eine kleine Zusammenstellung der japanischen Autoren, die ich kenne; Bücher, die ich selbst kenne und kurz zusammengefasst habe, sind
farblich hervorgehoben

Kazuo Ishiguro ist Japaner, aber in England aufgewachsen, nimmt daher für mich eine Zwischenstellung ein:
Kazuo Ishiguro, geboren 1954 in Nagasaki, kam im Alter von sechs Jahren nach England. Er studierte Anglistik und Philosophie und war danach eine Zeitlang als Sozialarbeiter tätig. Kazuo Ishiguro lebt mit Frau und Kind in London. Was vom Tage übrigblieb
Ein wunderbares Buch über einen Butler, der am Ende seines Lebens erst erkennt, was er durch seinen Diensteifer verabsäumt hat.
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Als wir Waisen waren
Christopher Banks wächst in Shanghai auf. Doch dann verschwindet erst der Vater, dann die Mutter - und Christopher muss nach England. Sein einziges Zielt ist es, als Erwachsener zurückzukehren und das Rätsel zu lösen...
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Damals in Nagasaki
Das bislang japanischste Buch des Autors, der das Problem der Entwurzelung, das er hier schildert, aus eigener Erfahrung kennt.  
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Der Maler der fließenden Welt
Überzeugungen können falsch sein, das wird auch Masuji Ono schmerzhaft klar; aber wie wichtig es dennoch ist, die Fehler der Vergangenheit nicht zu leugnen, wird in diesem Buch eindrucksvoll geschildert 
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Haruki Murakami  ist DER Autor, der meine Leidenschaft erst wirklich entfacht hat; etwas abgedreht manchmal, aber immer äußerst lesenswert!
Haruki Murakami, 1949 in Kyoto geboren, zumeist in Europa oder USA lebend, ist der gefeierte und mit den höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnete Autor von sechs Romanen und Erzählungsbänden. Er hat die Werke von Raymond Chandler, John Irving, Truman Capote und Raymond Chandler ins Japanische übersetzt.

Zur Biographie und BIbliographie
Gefährliche Geliebte
Das Buch, das im Literarischen Quartett für einen Eklat sorgte -  und mir ausgezeichnet gefallen hat!
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Wilde Schafsjagd
Ein ganz bestimmtes Schaf wird hier gesucht - ein absurdes, aber grandioses Buch.
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Der Elefant verschwindet
Ein Elefant verschwindet aus dem gut gesicherten Elefantenhaus. Und mit ihm der Pfleger. Das ist nur eine der unglaublichen Geschichten in diesem Erzählungsband
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Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah
Wunderbare Erzählungen als Einstieg in die wundersame Welt von Murakamis Prosa! 
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Hard-boiled Wonderland
Daten shuffeln, ein verrückter Professor, seine dicke Enkelin, die Bibliothekarin, Einhornschädel und das Ende der Welt...
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Mister Aufziehvogel
Erst verschwindet nur der Kater, dann auch Toru Okadas Frau. Dafür tauchen in seinem Leben plötzlich immer absonderliche Gestalten auf - und er erkennt, dass er seine Frau nur zurückholen kann, wenn er den Kampf in der anderen Welt ausficht...
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Naokos Lächeln
Dieses Lied - jedes Mal, wenn er den alten Beatles-Song "Norwegian Wood" hört, gibt es ihm einen Stich ins Herz. "Versprich  mir, dass du  mich nie vergisst" hatte sie ihn gebeten, kurz bevor sie sich umgebracht hatte. 
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Tanz mit dem Schafsmann 
Tanz, so gut du kannst - das ist der Rat, den der Erzähler von dem seltsamen Schafsmann erhält, dem er im Hotel begegnet...  
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Sputnik Sweetheart
Mit 22 verliebt Surime sich zum ersten Mal in ihrem Leben - in eine 17 Jahre ältere Frau...  
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After the Quake / Nach dem Beben
In sechs Erzählungen verarbeitet Murakami das Erdbeben von Kobe; im besten Sinne irritierend!
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Banana Yoshimoto  war die erste japanische Autorin der Gegenwart, mit der ich in Berührung kam. Und die mir sehr deutlich gemacht hat, dass auch ein Japan jenseits der gängigen Klischees existiert. 
Banana Yoshimoto lebt in Tokio. In ihrer Heimat ist sie mit ihren Büchern zum Jugendidol avanciert. Sie erhielt bereits zahlreiche Literaturpreise. Kitchen
Geschichten vom Tod sind es zumeist; ein sehr anrührendes Buch, das einen besonderen Platz in meinem Bücherregal verdient hat.
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N.P.
Die 98. Erzählung eines japanischen Schriftstellers ist, wie es scheint, mit einem schlechten Vorzeichen behaftet; wieder geht es um den Tod und die Menschen, die den Verlust eines geliebten Menschen verkraften müssen.
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Tsugumi
Eingesperrt in einem kranken Körper - und das bei dieser Lebenslust! 
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Amrita
Wenn ein Mensch erwachsen werden muss... weil ein geliebter Mensch stirbt, man krank wird, und man gebraucht wird...
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Sly
Als Takashi erfährt, dass er Aids hat, ist es für ihn auch ein Anstoß, endlich die Dinge zu erledigen, die er ewig aufgeschoben hatte. Und so fährt er nun endlich mit seinen Freunden nach Ägypten...  
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Hard-boiled. Hard Luck. 2 Erzählungen
Wie immer bei Yoshimoto ist der Tod zentrales Thema; in Hard Luck begleiten wir eine junge Frau bei ihren täglichen Besuchen im Krankenhaus bei ihrer Schwester, die kurz vor ihrer Hochzeit einen Hirnschlag erlitt; Warten auf den Tod eines geliebten Menschen... der Autorin ist es gelungen, dieses Thema ohne Kitsch und übertriebene Sentimentalität zu präsentieren, ein Buch, das ich gerne weiterempfehle 
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Die folgenden Autoren kenne ich nur von jeweils einem Buch; beide sind in Japan sehr bekannt, zählen für mich jedoch zu einer anderen Generation als die oben angeführten Autoren. Sie haften noch stärker im traditionellen Japan als die modernen Gegenwartsautoren. Marald hat dazu noch einige Informationen beigesteuert.

Auf Yasunari Kawabata  bin ich durch Zufall aufmerksam geworden; irgendwann stieß ich auf eine kurze Bemerkung, dass die Ästhetik in seinen Büchern seines gleichen suche; und da er zudem noch mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, wollte ich zumindest eines seiner Bücher gelesen haben.  



Yasunari Kawabata:
 (1899-1972), in Osaka als Arztsohn geboren, studierte englische und japanische Literatur und wurde 1926 mit seiner längsten Erzählung "Die Tänzerin von Izu" über die Grenzen Japans hinaus bekannt. 1968 erhielt er den Nobelpreis.


Tausend Kraniche
Ein Buch mit wunderschöner, poetischer Sprache, liebevoll-detailliert geschilderte Szenen, die anmutig und geschmeidig miteinander verknüpft werden, mir aber trotzdem etwas fremd blieb.
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Schönheit und Trauer
Mehr als zwanzig Jahre nachdem Toshio Oki seine damals sechzehnjährige Geliebte Otoko verlassen hat, erhofft er sich ein Wiedersehen. Otoko, inzwischen eine bekannte Malerin, lebt mit ihrer Freundin Keiko zusammen, die den langen zurückliegenden Verrat grausam rächt. eine doppelte Liebesgeschichte, die Kawabata in Bildern von nuancierter Erotik und Leidenschaft erzählt.  
Ein Kirschbaum im Winter
Ogata Shigo, Oberhaupt einer kleinen japanischen Familie, leidet unter dem Alter. Doch andere Dinge bereiten ihm noch viel größere Sorgen: Die Ehe seiner Tochter ist gescheitert, und sein Sohn, an dessen Frau, Kikuko, der Alte mit zärtlicher Zuneigung hängt, hält sich offenbar eine Geliebte...  


Amazon hat manchmal auch sein Gutes; als "persönliche Empfehlung" stand eines Tages  Yukio Mishima  zur Auswahl; die Entscheidung, es doch mit dem dünnen Band zu versuchen, habe ich nicht bereut. 


Yukio Mishima:
(1925-1970) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Sprecher der jungen Generation, deren Heimatlosigkeit er zum Thema seines Werkes machte. Mit den vier großen Romanen "Schnee im Frühling", "Unter dem Sturmgott",  "Der Tempel der Morgendämmerung" und "Die Todesmale des Engels", zusammengefasst unter dem Obertitel "Das Meer der Fruchtbarkeit", schloss er sein literarisches Werk ab, bevor er sich 1970 das Leben nahm. 

Geständnis einer Maske
Wie merkt, wie erlebt man selbst, dass man anders ist als die Menschen, die einen umgeben? Wann spürt man, dass das Begehren, das man selbst empfindet, von der Umwelt nicht als natürlich angesehen wird? Yukio Mishima erzählt hier in einem autobiographisch gefärbten, sensiblen Roman von der Entdeckung der eigenen Homosexualität.
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Nach dem Bankett
erzählt die Geschichte einer selbstbewussten lebenslustigen Frau mittleren Alters. Sie betreibt als eigenständige Unternehmerin mit großem Erfolg einen Gasthof. In ihrem Hause treffen sich viele bekannte Größen aus Politik und Wirtschaft (was im japanischen Filz ein und die selben Personen sind). Doch etwas fehlt, denn schon lange quält sie die Angst allein zu sterben, vergessen und ohne Familie. Der überraschende Heiratsantrag eines aus höheren Kreisen stammenden Gastes erscheint ihr wie die allerletzte Chance der Einsamkeit zu entfliehen. Insbesondere fühlt sie sich durch Kultur, Eleganz und sein weltläufige Auftreten angezogen. So willigt sie ein. Ihr neuer Ehemann, ein etwas älterer ehemaliger Minister, lässt sich von seiner Partei zur Kandidatur überreden. Um den teuren Wahlkampf zu finanzieren n verkauft die Frau ihren gesamten Besitz und stürzt sich in denn Wahlkampf des Mannes, zunächst kann sie mit großem Erfolg die Herzen der Bevölkerung erobern. Dies gelingt ihr umso mehr da sie selbst aus einfachen Verhältnissen stammt und deren Nöte und Ängste aus eigener Erfahrung kennt. In allen Belangen ordnet sie sich ihrem Ehemann unter, um dann mit Schrecken zu erkennen das er hinter steifen Ritualen und förmlichem Gehabe einen fantasielosen leeren Geist verbirgt. Als sie dies erkennt ist es zu spät.
Der politische Gegner findet und nutzt, in kühler Berechnung, einen dunklen Makel ihrer Vergangenheit. Durch den ausgelösten Skandal geht die Wahl verloren und der Ehemann flüchtet in erhabene Lethargie, zieht sich ins Privatleben zurück. Ganz selbstverständlich setzt er voraus das die Ehefrau sich reuig an seiner Seite fügt, denn schließlich hat sie ja sein Debakel verursacht, hat seine Ehre verletzt. Als sie erkennt das ihr Leben fortan das eines alten Ehepaares sein wird, das alle Hoffnungen und Träume auf ein ehrenvolles Begräbnis reduziert werden, bricht sie aus. Hinter dem Rücken des Mannes leiht sie Geld von ihren ehemaligen Kunden, scheut dabei nicht einmal den Kontakt zum politischen Widersacher und versucht so rücksichtslos ihr altes Gasthaus, ihr eigenes Leben zurück zu fordern. Noch ist sie nicht bereit eine alte Frau zu werden. Dies ist die Geschichte eines Irrtums. Es bleibt die Erkenntnis das die öde Leere innerhalb einer Beziehung erdrückender wirken kann, als die Einsamkeit in Freiheit.    
   

(Kritik von Marald)
Patriotismus
In "Patriotismus" erzählt Mishima die Geschichte eines Offiziers, der nach einem gescheiterten Putschversuch, gemeinsam mit seiner Frau, Selbstmord begeht. Im Rückblick auf sein eigenes Ende erscheint dies wie eine Reflexion, ein Spiegelbild der eigenen Tat. Immer wieder hat er das Thema Seppuku literarisch durchexerziert, gelangt zu einer poetischen Glorifizierung des Selbstmordes. Ein heroischer Akt von beinahe göttlicher Reinheit. Dieses Werk ist daher nur im Wissen um das Leben des Autors genießbar, das propagierte Weltbild wirkt für den demokratisch erzogenen Mitteleuropäer eher abstoßend, verhilft aber erst zum tieferen Verständnis der Tragödie Mishima.

(Kritik von Marald)

Liebesdurst
Nach dem Tod ihres Mannes lebt Etsuko als Geliebte ihres Schwiegervaters im Großhaushalt; doch dann verliebt sie sich in den Gärtnerburschen, der von ihrer Besessenheit nichts ahnt, und quält nicht nur sich mit ihrer rasenden Eifersucht...  
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Sich für japanische Autoren zu interessieren und dann Yasushi Inoue auszulassen ist ein Ding der Unmöglichkeit; die Welt, die er schildert, ist die des Geschäftsmannes, des aktiven Menschen - und könnte eigentlich überall angesiedelt werden. Und trotzdem spürt man Japan aus jeder einzelnen Zeile.  



Yasushi Inoue
geboren 1907 auf Hokaido starb 1991 und ist mit Recht der im deutschsprachigen Raum meistgelesene Autor aus Japan. Seine Werke wurden mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, einige seiner Romane verfilmt. 

Der Stierkampf
Der Ausgang eines Stierkampfs wird zur Existenzfrage: um das Fortbestehen einer Zeitung, einer Beziehung - und des ungebrochenen Willens...  
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Die Berg Azaleen auf dem Hira-Gipfel. Erzählung.

Dieser Band versammelt die drei autobiographischen Erzählungen Unter den Blüten, Der Glanz des Mondes, Die Schneedecke sowie die Titelerzählung Die Berg-Azaleen auf dem Hira-Gipfel. Dort ist ein älterer Gelehrter, der in rücksichtsloser Passion an einem Buch über das Arteriensystem der Japaner schreibt, eines häuslichen Disputs wegen in den ihm vertrauten »Gasthof zum Heiligen Berg« am Fuß des Berges Hira entflohen und sinnt über sein Leben nach. Als Student hatte er zum ersten Mal in diesem Gasthof unterhalb der auf dem Hira blühenden Azaleen übernachtet, um - nach Zen-Übungen körperlich wie geistig erschöpft und verzweifelt - am nächsten Morgen Selbstmord zu begehen. Doch die nächtlichen Schreie des Bergvogels hatten ihn zu neuem Leben erwachen lassen. Diesmal sind die Umstände anders. Bemüht, sein Werk im Wettlauf mit dem Tode zu vollenden, und doch wissend, daß ihm dies nicht gelingt, erfreut sich Miike Shuntaro während einer Bootsfahrt auf dem See, zu der ihn die siebzehnjährige Atsuko eingeladen hat, der einzigartig schönen Landschaft. Der Berg Hira ragt erhaben zum Himmel empor... 

 

Die Eiswand

Das Reißen des Seils auf einer Bergtour zweier Freunde führt zum Tod des einen. Auf die Frage nach dem Grund des Unfalls öffnen sich, so der Rezensent, "psycho-kriminologische" Abgründe, Verdacht steht gegen Vertrauen. Das Seil wird zum Symbol des Verbindenden zwischen den Menschen, die Wissenschaft kann nichts klären, am Ende bleibt nur das Vertrauen, umreißt Lüdtkehaus das Thema. In diesem Roman habe Inoue seinen humanstem Charakter geschaffen: die bärbeißige Figur des Tokiwa sei unvergesslich. Dennoch endet der Roman in der Katastrophe, der einzige Gewinn: der Tod ist "kein dissonanter mehr".
Reise nach Samarkand

Auffallendes Merkmal von Inoues Reiseberichten sei die akribische Recherche. Dennoch sind es die Details der Stimmungs- und Landschaftsbeobachtung, nicht der geschichtlichen Fakten, die die "Reise nach Samarkand" so lesenswert machen, findet der Rezensent. Das bestimmende Gefühl sei das der Überzeitlichkeit, des "Verwehens" der Zeit, das in den "riesigen Räumen Asiens" seinen symbolischen Ort finde. 
Das Jagdgewehr

Eine melancholische Liebesgeschichte, erzählt in drei Briefen, aus drei verschiedenen Blickwinkeln. Eine junge Frau findet nach dem Tod der Mutter das Tagebuch, indem eine Jahrzehnte währende Affäre beschrieben wird. Ein Schock für die Tochter die ein idealisiertes Bild der Mutter entwickelt hatte. Nach der Trennung vom Vater war sie für die Tochter stets eine Heilige, keusch lebenden Nonne. Sie ahnte nichts von der Liebesbeziehung die schon während der Ehe mit dem Vater begann, immer im Schatten verborgen, auch nach der Ehe. Denn der Liebhaber war ebenfalls verheiratet und wagte es nicht die emotional schwache Frau zu verlassen. Ein Grundmotiv das dem in "Bittersüße Schokolade" von Laura Esquivel, ähnelt, ohne dabei natürlich dessen sinnliche lateinamerikanische Lebensfreude zu vermitteln (auch formal und stilistisch ganz anders verarbeitet). Die Tragik der unerfüllbaren, da durch eigene emotionale und moralische Schranken geächteten Liebe, hinterlässt eine wohlige Trauer, und der Leser bedauert das diese schmerzhaft zarte Köstlichkeit schon so schnell zuende ist.
(Kurzbeschreibung von Marald)


Dazai Osamu:
 (1909 - 1948) - Seppuko
Gezeichnet
Sein wichtigstes Werk ist wohl der kurz vor seinem Tod vollendeter Roman "Gezeichnet" (Ningen shikkaku was wörtlich eigentlich eher "als Mensch disqualifiziert" bedeutet.") Es ist ein pseudobiographischer Ich-Roman der das "verpfuschte" Leben eines aus reichem Hause stammenden jungen Mannes aufrollt. Er beginnt mit einer menschlichen Bankrotterklärung "Ich habe ein schändliches leben geführt. Was menschlich leben heißt, weiß ich nicht." Schon als Kind hat der Ich-Erzähler im verzweifelten Versuch in einer japanischen Großfamilie Aufmerksamkeit zu erlangen, seine Unfähigkei!t Gefühle zu spüren (geprägt durch lieblose Erziehung) hinter der Maske des Clown verborgen. Von da an führt er ein Leben in ständiger Verstellung, stets von der Angst besessen das seine Fassade durchschaut wird. Er geht als Student nach Tokio. Doch statt die Chance des Ausbruchs aus der Enge der Familie zu nutzen, lässt er sich in der  Großstadt treiben, verfällt in ein dumpfes Phlegma, verliert sich in geistiger Leere. Die Tage mit Alkohol und Prostituierten verbringend, dämmert er so der Selbstsauslöschung entgegen. Insgesamt ist dies ein äußerst destruktiver Roman, den man, um Depressionen zu vermeiden, nicht gerade an grauen Novembertagen lesen sollte. Er strahlt aber dennoch eine bizarre Faszination aus, der zumindest ich mich nicht entziehen konnte...

(Kritik von Marald)

 

Aki Shimazaki
wurde 1954 in Japan geboren und lebt seit über 20 Jahren in Kanada. 
Tsubaki
erzählt die Geschichte einer verbotenen Liebe und eines verzweifelten Racheakts - der nie ans Licht kommt, da es am Vorabend des Atombombenabwurfs über Nagasaki und Hiroshima geschieht. Doch was ist mit der Schuld, die trotzdem mit sich herumgetragen wird?
Tsubame
Bevor ihre Mutter sie im katholischen Waisenhaus zurücklässt, schärft sie ihr noch ein, nie ihre koreanische Herkunft zu verraten. Aber viele Jahre später muss sie sich erneut mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen... ein beeindruckendes Buch um Fremdsein, Ausgrenzung und Feindseligkeit, eine Empfehlung!
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Herzlichen Dank an Elisabeth - sie hat die folgende Zusammenstellung für uns gemacht und dabei eine Menge interessanter Bücher entdeckt! Die Inhaltsangaben stammen, sofern nicht anders angegeben, von Amazon. 

Yoko Tawada:
geboren 1960 in Tokyo, fuhr als 19jährige zum ersten Mal nach Europa (mit der transsibirischen Eisenbahn). Sie lebt seit 1982 in Hamburg. Mehrere deutsche 
und japanische Literaturpreise
Das Bad. Ein kurzer Roman
Eine Autorin, die unserer Jahrhunderte Müdigkeiten nicht erst von ihren Gliedern  abstreifen muß und die Sprache beanspruchen kann für Bereiche, die uns höchstens  noch im Traum einfallen.. (Die Schriftstelleri Anne Duden zu Yoko Tawada in der  "Süddeutschen")
Das Fremde aus der Dose. 10 Essays
Vom Aufeinanderprallen zweier Kulturen erzählt diese Prosa-Skizze der Japanerin Yoko  Tawada, die seit zehn Jahren in Hamburg lebt. Im Blick des Fremden erschließt sich die europäische Alltags-Welt als ein System von  Zeichen, Gesten und Wörtern, das schließlich die Illusion der Tiefe, die sie von sich selbst hat, zerstört. 

*Jeder Versuch, den Unterschied zwischen zwei Kulturen zu beschreiben, mißlang mir:  der Unterschied wurde direkt auf meine Haut aufgetragen wie eine fremde Schrift,  die ich zwar spüren, aber nicht lesen konnte. Jeder fremde Klang, jeder fremde Blick  und jeder fremde Geschmack wirkten unangenehm auf den Körper, so lange, bis der  Körper sich veränderte. *

Talisman
Von der Muttersprache zur Sprachmutter; Erzähler ohne Seelen; Ein deutsches Rätsel; Das Fremde aus der Dose; »Eigentlich darf man es niemandem sagen, aber Europa gibt es nicht« Talisman; Lektüre in einer S-Bahn; Die Mineralogie der Liebe; Notizen auf  den Lofoten; Im Bauch des Gotthards; Sieben Geschichten der sieben Mütter;  Sonntag - der Tag der Ruhe, der Tag der Kühe; Das Tor des Übersetzers oder Celan liest  Japanisch; Über das Holz Buch im Buch: Das Wörterbuchdorf  »Das Interessante liegt im Zwischen« - Zwischen den Worten, zwischen den Menschen,  zwischen den Kulturen. Literarische Essays, in deutscher Sprache geschrieben, über  Zwischenzustände und Verwandlungen. Detailgenaue Beobachtungen aus dem  Alltag - von Frauen, Ohrringen, Bleistiften, Bürogegenständen, Holz und vielem  anderen. »Wie eine Ethnologin betritt sie ein fremdes Land« (FAZ) und beobachtet mit absichtlich naiven Augen, als hätte sie noch nie etwas von diesem Land und seinen  Gebräuchen gehört. 

 

Kerri Sakamotos 
ist als Kind japanischstämmiger Eltern in Toronto geboren worden. In ihren Roman hat sie viele eigene Erlebnisse eingearbeitet.  
Das Echo eines langen Tages

Mitte der 70er Jahre, irgendwo in Ontario: Erzählt wird die Geschichte von Miss Asako Saito, einer "Nisei", einem Kind japanischer Flüchtlinge in Kanada. Sie hat ihr Heimatland nie selbst gesehen und lebt in einer kleinen exiljapanischen Siedlung auf einem Feld mit mächtigen Hochspannungsmasten. Selbst schon jenseits der Vierzig wohnt sie noch im Haus der Eltern, pflegt ihren alten Vater und kocht Stum, dem jüngeren, spätpubertierenden Bruder das Essen. Ihr Kontakt zu den wenigen Nachbarn ist auf gut japanische Art höflich und distanziert. Nicht einmal ihre mütterlichen Gefühle für die kleine Sachi, die 14jährige Tochter der Nakamuras von nebenan, gesteht sie sich offen ein. Asako ist entwurzelt, einsam und hat Angst vor Veränderungen: "Die Welt sollte am besten so bleiben wie sie ist -- für immer." Aber sie merkt, daß sie selbst älter wird, wie auch alles andere um sie herum langsam verwelkt. Eines Tages erschüttert ein Mord die karge Idylle. Asakos beste Freundin Chisako und ihr kanadischer Liebhaber werden erschossen aufgefunden, der betrogene Ehemann Yano verschwindet mit den Kindern spurlos. Zuerst kommt der Schock, dann gerät Asakos Welt ins Wanken. Was sie lange zu verdrängen lernte, bricht auf der Suche nach dem Warum wieder in ihr Leben ein: die Erinnerungen an die Internierungslager, an ihren geliebten toten Bruder, an ihre eigene Jugend. Sie verfängt sich immer mehr in Träumen und Gedanken an früher –- eine Reise, die nach innen führt und bald alle anderen völlig ausschließt. "Meine Verbitterung gehörte mir allein, niemandem sonst. Ich teilte sie nicht mit Fremden, machte andere nicht dafür verantwortlich." 

 

Yoko Ogawa 
1962 in Okayama geboren, lebt mit ihrer Familie in Kurashiki. Sie ist Autorin mehrerer Romane und zahlreicher Erzählungen. Sie gilt als eine der wichtigsten Vertreterinnen der zeitgenössischen japanischen Literatur und wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Kaien-Preis und dem renommierten Akutagawa-Preis. "Hotel Iris" ist ihr erster Roman in deutscher Übersetzung 
Hotel Iris

"Ich hatte geahnt, dass der Mann mich auf diese Weise zum Bleiben zwingen  würde".

Mari ist 17, führt gemeinsam mit ihrer Mutter ein Hotel in einem kleinen Badeort. Jenen Mann, von dem sie spricht, lernt sie im Hotel kennen. In einem heftig eskalierenden Streit wirft eine Prostituierte ihm perverse sexuelle Neigungen vor. Der Mann, Übersetzer, hat "seine besten Jahre bereits hinter sich", "seine Hände... voller Altersflecken... Es ging etwas Verführerisches von ihnen aus." Mari folgt dem alten Mann. 
Es ist ein ganz ungewöhnliches Buch, dessen äußeres Erscheinungsbild in so krassem Widerspruch zu seinem inneren Wirken steht: Kleinformatig ist es, 200 Seiten, kurze Kapitel auffällig knappe Sätze, klare, unmissverständliche Aussagen, die manchmal geradezu wie unscheinbare Perlen hintereinander aufgereiht wirken. Ein Buch, das mit zwei fest umrissenen unspektakulären Schauplätzen auskommt: das Hotel und das Haus des Übersetzers auf einer kleinen, einsamen Insel, die "wie ein lauschend an das Meer gelegtes Ohr" wirkt. Der Inhalt des Buches jedoch spricht so viele Sprachen, zieht in seiner sich erst 
langsam erschließenden Vielschichtigkeit in einen mächtigen Sog und hallt lange nach. Die Begegnung der 17-Jährigen mit jenem alten Mann, ihre Briefe, Gespräche und ihre außergewöhnliche Liebesbeziehung: All das ergibt zutiefst berührende Psychogramme zweier Menschen, die allein sind, jeder auf seine eigene Art. Der alte Mann, der Frauen kauft, um sich zu vergewissern, dass "es mich noch gibt" und das junge, erstmals heftig verliebte Mädchen, das sich "weit auf das Meer hinausgewagt" hat, "dorthin, wo meine Mutter mich nicht finden konnte". Ein dramatischer Start in ein junges Leben. Unendlich sensibel dringt Yoko Ogawa in die Psyche Maris ein, legt zugleich ohne Tabus auch das gescheiterte Leben und die Angst eines alten Mannes mit so viel Geschick frei, dass auch an den freizügigsten Stellen nie Grenzen überschritten werden. --Barbara Wegmann 


 

Ikezawa Natsuki 
geboren 1945 in Hokkaido als Sohn des Schriftstellers Fukunaga  Takehiko, gehört heute zu den bedeutendsten zeitgenössischen Autoren  Japans. Nach abgebrochenem naturwissenschaftlichem Studium lebte er  mehrere Jahre in Griechenland und trat nach seiner Rückkehr in die Heimat zunächst als Lyriker und Übersetzer in Erscheinung. Seit Mitte der 80er Jahre entstanden mehrere Romane, dazu zahlreiche Erzählungen (u.a. "Still life",  AkutagawaPreis) und Essays (u.a. "Ende mit Freuden", YomiuriPreis).
Aufstieg und Fall des Macias Guili
Gebundene Ausgabe - 500 Seiten - Ed. Q/Quintessenz, Bln. Erscheinungsdatum: 2001

Der ungewöhnlichste japanische Roman der jüngsten Zeit Im Zentrum dieses  1993 veröffentlichten, äußerst vielschichtigen und zugleich spannenden Buches  steht Präsident Macias Guili aus kleinen Verhältnissen stammend, in Japan aufgewachsen, danach zum autokratischen Herscher einer mikronesischen InselRepublik aufsteigend und schließlich untergehend. Ein politischer Roman über Ausübung und Missbrauch von Macht, über den Zusammenstoß der westlichen Moderne mit der archaischen Welt des Südpazifik. Gleichzeitig in der Reflexion von Guilis japanischen Lehrjahren, ein Entwicklungsroman. Und, wichtiger noch, ein Roman über Sexualität, Spiritualität und Tod, über archaische Dimensionen, die schließlich zum Sturz des Präsidenten führen. Dem europäischen Realismus ebenso verpflichtet wie dem magischen Realismus eines Gabriel Garcia Márquez, gelingt dem Autor die Schaffung einer Welt, in der scheinbar disparate Elemente auf überraschende Weise zu einer Einheit verschmelzen. Ausgezeichnet mit dem"TanizakiJunichiroPreis", dem wichtigsten Literaturpreis Japans. 


 

Soseki Natsume:
eig.
Natsume Kinnosuke, 1867 – 1916, anfangs Romantiker, später Realist
Das Graskissenbuch

Sosekis Künstlerroman Kusamakura ist ein bedeutendes Schlüsselwerk der japanischen Moderne. Erzählt wird die Geschichte eines Malers, der dem hektischen Leben der Großstadt entflieht, um sich in unberührter Natur Reflexionen über das Schöne, die Kunst und sein Malen hinzugeben. Dabei begegnet er Onami, einer geheimnisvollen, betörenden jungen Frau, die er beobachtet, der er sich langsam nähert - ehe er am Schluß sagen darf: "Endlich! Jetzt kann ich sie malen!"
Kokoro

«Kokoro» ist das Meisterstück Nastumes. Der Titel - annäherungsweise zu übersetzen als «das leidende Herz» - verweist auf den Mittelpunkt der Erfahrung, die dem Roman zugrunde liegt: die Einsamkeit des Menschen und die Zerbrechlichkeit der Brücke zum Nächsten. 
Ein junger Student der Tokioer Universität lernt Sensei kennen und baut ein seltsames einseitiges Verhältnis zu ihm auf. Der Kontakt bricht ab, der Student kehrt zu seinem im Sterben liegenden Vater zurück und erhält nach langem Warten endlich einen Brief aus Tokio. 
Kokoro ist ein Buch über das Umgehen und die Beziehungen der Menschen untereinander am Ende der Modernisierung Japans (Meiji-Zeit bis 1912). Psychologisch genauestens werden Beziehungen aller Art beschrieben - zu Eltern, Freunden, Geliebten; Sensei trauert letzten Endes über das Ende des alten Japans. Typisch japanische Literatur, die das "wie" über das "was" stellt. 

 

 

Furui Yoshikichi
Furui, 1937 geboren, gehört zur »introvertierten Generation«, die sich seit den 70er Jahren zunehmend von der Darstellung auffälliger, aktueller Ereignisse abwandte und sich mehr der Verarbeitung der inneren Veränderungen im Nachkriegsjapan widmete. 

Zufluchtsort

Eine winzige Apartmentwohnung am Rande der Megalopolis Tokio ist Schauplatz dieses Romans. Hier entwickelt sich die beklemmende unmittelbar geschriebene Geschichte von Sae, einer jungen Frau aus der Provinz, die sich dem Leben in der unpersönlichen Millionenstadt kaum gewachsen zeigt, und Iwasaki, mit dem sie vor einigen Jahren in ihrem heimatlichen Bergdorf breits ein kurzes Verhältnis unter dramatischen Umständen hatte, dem sie nun wieder begegnet und der kurz darauf in Saes enge "Behausung" (so die wörtliche Übersetzung des Originaltitels) einzieht. 
Eindringlich führt der Autor in seinem Zwei-Personen-Drama um Liebe, Sexualität und Wahn die "Verbiegungen" der Psyche in der modernen städtischen Massengesellschaft vor: 
Sae, die bereits während ihres zweijährigen Alleinwohnens in Tokio neurotische Züge zeigte, entwickelt nun während des Zusammenlebens mit Iwasaki - aus dem auch ein Kind hervorgeht - eine schwere Geistesstörung, die mit der Einweisung in eine psychiatrische Klinik endet. 

Der Heilige

Ein vierundzwanzigjähriger Student aus Tokyo wird während einer Wanderung im  Gebirge unweit eines Dorfes von einem heftigen Gewitter überrascht und sucht Zuflucht in einem Tempelchen. Das hat ungeahnte Folgen. Kaum hat er sein Lager aufgeschlagen, erscheint eine geheimnisvolle junge Frau und macht ihm ein seltsames Angebot: Er soll für einige Tage bleiben und sich regelmäßig vor dem Tempel zeigen. Ihre Großmutter sei dem Tode nah, könne jedoch erst in Frieden sterben, wenn sie weiß, daß der »Heilige« da ist, um sie auf das Totenfeld jenseits des Flusses zu bringen. Der Student lässt sich ohne Überlegung auf den Vorschlag ein - und befindet sich unerwartet in der Rolle des »Heiligen«. 
Denn in diesem entlegenen japanischen Bergdorf ist noch eine alte Begräbnissitte lebendig, nach der die Verstorbenen auf einem Gräber jenseits des Flusses beigesetzt werden. Da nach shintoistischer Vorstellung alles, was mit dem Tod zusammenhängt, unsauber und deshalb zu meiden ist, übernimmt traditionsgemäß der Bettler, der Ausgestoßene dieser dörflichen Gemeinschaft, die Funktion des Totengräbers. Er wird zum »Heiligen Mann«, dem Mittler zwischen Diesseits und Jenseits, der die Toten »über den Fluß« bringt. Yohikichi stellt in diesem Roman das mythische Japan der japanischen Gegenwart gegenüber und verknüpft die moderne Welt mit der animistisch gedachten Natur. 

 

Rynosuke  Akutagawa
1892-1927 (Selbstmord am 24. Juli 1927)
Das Leben eines Narren

Das dem Umfang nach kleine Werk wurde einen Monat vor Akutagawas Selbstmord ( am 24. Juli 1927) abgeschlossen und posthum veröffentlicht. Diese Lebenssumme präsentiert sich in einer für uns recht erstaunlichen Form, nämlich knapp, kahl, aussparend und symbolisch verdichtend. Der existentielle Druck, unter dem der dem Selbsmord nahe Dichter steht, ist ebenso deutlich wie die Beherrschtheit, Distanzierungsfähigkeit des Schreibenden, der in 51 kurzen Kapiteln sein Leben abschreitet, innehaltend bei Episoden und Einzelheiten, die, von der alltäglichen Umgebung befreit, Bedeutungskraft gewinnen, Gefühle aufrufen, anrühren. 

 

Saiichi MARUYA 
gilt als einer der renommiertesten Schriftsteller und Literaturkritiker Japans der Gegenwart. Seine Romane und Erzählungen zeugen von einem brillianten Stil und wurden mehrfach, u.a. mit dem "Akutagawa-Preis", ausgezeichnet. In deutsch erschienen ist 1997 beim Insel-Verlag sein Roman "Die Journalistin".
Saiichi MARUYA steht ganz in der Tradition japanischer Literatur mit ihrer alten höfischen Dichtkunst der Waka-Lyrik, vermag jedoch aufgrund seiner Kenntnis moderner englischer Literatur einen ganz neuen und eigenen Blickwinkel in der Interpretation der Literatur seines Landes einzunehmen. So genießt er in Japan ein hohes Ansehen nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Literaturkritiker, der es vermochte und vermag durch sorgfältige Analyse der alten Literatur gänzlich neue Einsichten zu gewinnen.
Die Journalistin

Die Journalistin - ein spannender und satirischer Roman über das Presse- und Zeitungsmilieu und die undurchschaubaren Verknüpfungen in Gesellschaft und Politik. Ein aktuelles und ironisches Porträt nicht nur der modernen japanischen Gesellschaft. 

Das Buch handelt von einer Journalistin, ca. Mitte 40, die sich durch einen (relativ unbedeutenden) Zeitungskommentar unerwartet einen Feind macht. Das Buch beschreibt, wie es dazu kommt, wie man versucht, sie loszuwerden, wie sie versucht, herauszufinden, was überhaupt los ist und wer gegen sie integriert, und wie sie schließlich versucht, dagegen vorzugehen. Das ist die Gelegenheit für einen Querschnitt durch die japanische Gesellschaft. Die einzelnen Charaktere sind dabei sehr einfühlsam und interessant beschrieben. Das Buch ist unterhaltsam, aber nicht seicht geschrieben, und ich hatte danach den Eindruck, mehr über die Japaner zu wissen. Besonders gefiel mir die Frauenperspektive. Die Journalistin ist geschieden, hat eine erwachsene Tochter, eine verwitwete Mutter und eine alleinstehende Tante. Diese Frauen und ihre jeweilige Vergangenheit stehen im Vordergrund der Geschichte. 


 

Von Dyke und Ljola stammen folgende Tipps; ein wenig habe ich auch selber noch gegraben; wieder stammen die Inhaltsangaben, sofern nicht anders angegeben, von amazon.de

Kenzaburo Oe 
geboren 1935, gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren Japans. Sein Werk - Romane, Erzählungen, Essays - wurde mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, darunter mit dem begehrten Tanizakipreis und 1994 mit dem Nobelpreis für Literatur. 
Eine persönliche Erfahrung

Den 1972 erstmals auf deutsch erschienenen Roman "Eine persönliche Erfahrung" feierte Mishima als einen "Höhepunkt" in der japanischen Nachkriegsliteratur, und Henry Miller rühmte: "Oe scheint mir, was seine spannweite zwischen Hoffnung und Verzweiflung betrifft, Dostojewski ähnlich zu sein." Einem jungen Vater wird sein erster Sohn geboren, der mit einer schweren Missbildung zur Welt kommt. Wäre es nicht besser gewesen, das Kind wäre nie geboren worden? Diese Frage bringt den Vater in die Versuchung, sein kaum lebensfähiges Kind töten zu lassen.
Letztlich gelingt es ihm in einem Akt der Selbstfindung, die Versuchung zu überwinden und sein behindertes Kind anzunehmen. 


Reißt die Knospen ab

In einer meisterlichen Prosa, die sich auf die Grausamkeit der Jugend und ihre Sehnsucht nach Liebe einläßt, erzählt Kenzaburo Oe von einer Kindergruppe, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Japan den Versuch unternimmt, in einem entlegenen Bergdorf die anarchisch-paradiesische Welt einer
solidarischen Kindergemeinschaft zu schaffen. 
Stolz der Toten

Ein Student der Geisteswissenschaften beginnt einen Nebenjob in der Pathologie. Er soll dabei helfen, Leichen aus einem alten in ein frisches Konservierungsbad umzubetten. Bei dieser Arbeit ändert sich seine Einstellung zu Leben und Tod. Er beginnt, Zwiesprache mit den Toten zu halten. Eine kurze, beklemmende Erzählung über die Sinnlosigkeit des Tuns, zurückhaltend erzählt, aber gerade dadurch sehr eindringlich. Die kühle Atmosphäre der Geschichte wird mehrmals von emotional sehr nahe gehenden Ereignissen durchbrochen. "Stolz der Toten" bewegt. Ein außergewöhnliches Stück Literatur. 
Verwandte des Lebens

Marie Kuraki wird von einer Unglücksserie von archaischem Ausmaß heimgesucht: Ihr geschiedener Mann wird zum Alkoholiker, ihr erstes Kind ist geistig behindert; der zweite Sohn wird von einem Lastwagen angefahren und muß von da an sein Leben im Rollstuhl verbringen. Dann finden die beiden Brüder beim Sturz von einer Klippe den Tod... Thema dieses aufwühlenden Buches: Wieviel Unglück erträgt ein Mensch, wo liegt der Grund dafür, daß er einem Leben voller Leiden standhält. 

 

Junichiro Tanizaki  
Lob des Schattens

Junichiro Tanizaki vermittelt das Gefühl der japanischen Ästhetik so klar mit einer Ernsthaftigkeit, aber
auch humorvoll vom kleinsten Detail bis ins Ganze, er lässt einen die kleinen Dinge des Alltags neu
empfinden und zeigt eine ganz andere Sinnlichkeit, die der westlichen Welt vollkommen fremd ist. Ein
unglaublich schönes und wahres Buch. 


 

Ryu Murakami
-  nicht zu verwechseln mit dem etwas älteren Haruki Murakami - wurde 1952 in Sasebo bei Nagasaki geboren, einer Stadt mit einer amerikanischen Militärbasis und damit viel unasiatischer "Dekadenz". Er arbeitet als Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur. Den literarischen Durchbruch in
seiner Heimat Japan hatte er 1980 mit dem Roman "Fast durchscheinend blau", den er auch selbst verfilmte. In Europa wurde er 1992 mit dem Film "Topaz " ("Tokyo Dekadenz") bekannt, mit dem er auf der Venediger Biennale 1992 großes Aufsehen erregte und der auch in die deutschen Kinos kam. Murakami ist in Japan ein absoluter Kultautor, der vielgelesene Romane unterschiedlicher Genres veröffentlicht hat. 
69

Flower-Power, Kendokämpfer, Rock'n'Roll 
1969 erreicht die Hippiebewegung auch den fernsten japanischen Inselzipfel. Der Krieg in Vietnam ist auf dem Höhepunkt und Japan als Basis mittendrin. In Tokyo toben die Studentenaufstände und Hippies und Rocker erschüttern die Gesellschaft. Für Kensuke Yamada ist das zunächst egal, der will endlich nicht mehr Jungfrau sein und tut alles dafür. Er inszeniert die erste Schülerrevolte in Kyushu, dreht einen Film, wird Kampfgruppenleiter und veranstaltet mit seinen Freunden ein Festival, das in die Geschichte eingeht, denn wo Revolutionäre und Filmemacher sind, da sind auch Hühner.  "69" ist ein wunderschönes, witziges Buch über das Jungsein und die "Leiden" darüber, ein turbulenter kleiner Roman mit viel Action und liebenswürdiger Schnoddrigkeit, den man immer wieder lesen möchte. Ein Buch für alle von 17 bis 70, ein Buch in bester Tradition."1969 waren wir siebzehn. Und wir hatten immer noch unsere Jungfernhaut. In diesem Alter noch Jungfrau zu sein, ist nicht unbedingt etwas, auf das man unbedingt stolz oder über das man unbedingt beschämt sein konnte, aber es war doch etwas, was auf unserer Seele lag. 
Neunzehnhundertneunundsechzig war das Jahr, in dem die Studentenunruhen die Tokyoter Universität schlossen. Die Beatles brachten das White Album, Yellow Submarine und Abbey Road raus, die Rolling Stones machten ihre größte Single, "Honky Tonk Women", und Leute bekannt als Hippies trugen ihre Haare lang und redeten von Liebe und Frieden. In Paris trat De Gaulle zurück. Der Krieg in Vietnam ging weiter. Oberschul-Mädchen benutzten Binden, keine Tampons. 
So eine Sorte Jahr war das Jahr 1969, als ich mein drittes und letztes Jahr auf der Oberschule begann. Ich ging auf eine weiterführende Schule in einer kleinen Stadt mit einer amerikanischen Militärbasis im westlichen Teil von Kyushu. Weil ich in einem naturwissenschaftlichen Kurs war, waren nur sieben Mädchen in meiner Klasse. Sieben war immer noch besser als gar keine, so wie das in meinen ersten zwei Jahren gewesen war, aber die meisten Mädchen, die Naturwissenschaft belegen, sind meistens Pleiten, und es tut mir Leid zu sagen, dass fünf von sieben genau solche Pleiten waren. Eine der übrigen zwei hatte ein Gesicht wie eine Babypuppe und war aber an nichts anderem interessiert als Matheformeln und englischen Vokabellisten. Babypuppes Vater hatte ein Sägewerk, und wir lästerten, dass man ein Stemmeisen brauchte, um in sie reinzukommen


 

Kobe Abe
Der 1992 verstorbene japanische Schriftsteller, Verfasser des Romans "Die Frau in den Dünen", zählt in seinem Heimatland zu den Klassikern der Moderne.  
Der verbrannte Stadtplan

Der vorliegende Roman erzählt von einem Detektiv, der die Aufgabe hat, einen Vermissten ausfindig zu machen. Während der fünf Tage dauernden Suche wird er selbst immer stärker in den Fall verwickelt und scheint sich zugleich immer weiter von der Lösung zu entfernen.
Das Gesicht des Anderen

Ein Mann verliert sein Gesicht. Bei einem Unfall wird ein Wissenschaftler so sehr entstellt, dass er dazu verdammt ist, sein Gesicht hinter Bandagen zu verbergen. Als er merkt, dass seine Frau eine Mauer des Mitleids zwischen ihnen errichtet, beschließt er, sich einen Plastikmaske von realistischem Aussehen zu schaffen, um sie als Fremder zu verführen. 
Die vierte Zwischeneiszeit



Keine japanische Autorin, aber als Ergänzuing vielleicht nett: die in Japan spielende Krimiserie rund um Rei Shamura: 

Sujata Massey
Sujata Massey wurde 1964 als Tochter eines Deutschen und einer Inderin im englischen Sussex geboren und wuchs in den USA auf. 1991 zog es die Kosmopoliten nach Japan.
Krimiserie um Rei Shamura

Die Tote im Badehaus

Zuflucht im Teehaus

Bittere Mandelblüten

Tödliche Manga

Rei ist die Tochter eines japanisch-amerikanischen Ehepaares und lebt nun im modernen Tokio, wo sie ihr Geld als Sprachlehrerin und Hobbyantiquitätenhändlerin verdient. Sie lebt zwar zu Beginn in einer eher unkonventionellen Wohngemeinschaft, wird aber von der japanischen Verwandtschaft stark kontrolliert. Obwohl ihr die japanische Kultur bekannt ist, stolpert sie doch bei jeder Gelegenheit in die Traditionsfalle.

Sujata Massey hat mit ihrer Protagonistin Rei eine sehr sympathische Figur geschaffen. Neben der solide aufgebauten Krimihandlung sind die Bücher auch noch ziemlich witzig geschrieben. Man kann sich immer lebhaft vorstellen, in welches Fettnäpfchen Rei gerade wieder tappt.

Für mich war aber auch spannend, dass auch im modernen Japan noch so viel Wert auf alte Traditionen gelegt wird. So darf ein Geschäftsmann ruhig einen Fehler begehen, es wird erst tragisch, wenn er in den Augen der Japaner "sein Gesicht verliert". Auch heute noch stehen sich alte Traditionen und Werte der modernen Welt im Weg. (Heike) 

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Rei Shimura ist die Tochter eines japanisch-amerikanischen Ehepaars. Aus Kalifornien kommt sie nach Tokio und es gelingt ihr als Frau sich im Antiquitätengeschäft zu etablieren. Sie wird immer wieder in seltsame Kriminalfälle verwickelt und entwickelt sich zur Hobbydetektivin.

In dem Band „Tödliche Manga“ arbeitet sie für eine Zeitschrift und erhält den Auftrag über Manga, die japanischen Kult-Comics, zu recherchieren. Davon hätte sie wohl besser die Finger gelassen. Ein amerikanischer Student wird tot aufgefunden. Rei selbst wird eine U-Bahn-Treppe hinabgeschubst und findet beim Baden im Meer schließlich sogar Kontakt zum organisierten Verbrechen, den Yakuzi. 

Auch wenn die Krimihandlungen manchmal nur mäßig aufregend sind, so kriegt man doch ein buntes Bild von der Megalopolis Tokio und den heutigen Japan, mit seinen Sitten und Gebräuchen, die uns Westlern so fremd sind. Auf unterhaltsame Weise lernt man einiges dazu, beispielsweise, dass wer japanisch sprechen kann, es noch lange nicht lesen und schreiben kann! (Marion Sedelmayer) 

 

Weiterführende Links:

Japanorama´s modern japanese fiction

 

 

 

 

 
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© Daniela Ecker
1999 - 2003
LESELUST