Annika Thor

Eine Bank am Seerosenteich
Der zweite Teil dieser wunderbaren Geschichte

Verlag: Carlsen, ISBN: 3- 551- 58024- 3, 189 Seiten; HC 24, 90 DM, 12 Jahre

 

Über ein Jahr nun schon sind Steffi und Nelli auf der schwedischen Insel. Steffi muss, da es kein Gymnasium auf der Insel gibt, sie aber unbedingt eins besuchen will, von nun an für ihre weitere Schulausbildung nach Göteborg ziehen. Sie wohnt als Untermieterin bei einer ziemlich reichen Doktorfamilie. In der ersten Zeit ist sie so gut wie allein, wenn es da nicht Sven gäbe, den Sohn  der Familie, der so nett zu ihr ist und ihr zuhört, trotz der fünf Jahre, die er älter ist...

Nelli fühlt sich sehr wohl bei ihrer „Gastfamilie“. Allerdings vernachlässigt sie ihre Briefe an die Eltern, welche diese aber gerade jetzt nötig haben, wie Steffi findet. 

Denn eigentlich ist alles klar gewesen mit ihrer Ausreisegenehmigung nach Amerika, wo sie Verwandte haben. Doch daraus wurde vorerst nichts, denn Steffis und Nellis Mutter bekam kurz vorher eine ernsthafte Lungenentzündung. Die Eltern wissen nicht, wann sie das nächste Mal die Chance bekommen auszureisen. Aber trotzdem hofft Steffi jedes Mal wenn ein lang ersehnter Brief von ihnen kommt, dass eine amerikanische Briefmarke drauf klebt, doch vergebens...

Ihr beste Freundin Maj muntert sie auf und macht Steffi Mut und auch Sven ist für sie da. Sven, der für Steffi einiges mehr als nur ein Freund ist... 

Auszug:  

(Tante Alma und Onkel Sigurd sind die Leute, bei denen Nelli lebt.)

Zwischen den Feiertagen sinken die Temperaturen und das Meer beginnt zuzufrieren. Zuerst bedecken sich die flachen Buchten mit Eis, dann breitet es sich aus. Dazwischen sind Flecken und Streifen von offenem strömendem Wasser. Das neue Jahr feiern sie bei Tante Alma und Onkel Sigurd. Aber in diesem Jahr will keine rechte Neujahrsfreude aufkommen. Niemand scheint sich zu trauen, jetzt im Krieg etwas von der Zukunft zu erhoffen. Nur Elsa und John, Tante Almas kleine Kinder, sind aufgedreht, obwohl sie schon um neun Uhr ins Bett geschickt werden. 

Steffi und Nelli dürfen bis zum Glockenläuten um Mitternacht aufbleiben und das Neujahrsgedicht im Radio anhören. Dann ist es zu kalt und zu dunkel, um den weiten Weg nach Hause zu gehen. 

Tante Märta und Onkel Evert schlafen im Gästezimmer, Steffi und Nelli in Nellis Bett, die eine mit den Füßen am Kopfende. 
„Aua, du trittst mich ja!“
„Ich trete nicht. Du kitzelst mich.“
„Warte mal“, sagt Nelli und taucht mit dem Kopf unter die Bettdecke. Im nächsten Augenblick guckt sie auf Steffis Bettende heraus, erhitzt und verstrubbelt. 
„So ist es besser“, sagt sie und legt sich neben Steffi zurecht.
Steffi richtet sich auf und streckt sich nach Nellis Kopfkissen.
„Steffi?“
„Ja?“
„Glaubst du, dass Mama und Papa heute Abend Neujahr gefeiert haben?“
„Bestimmt.“
„Glaubst du, dass sie an uns gedacht haben?“
„Ja“, sagt Steffi. „Wo immer sie sind und was sie auch tun, sie haben an uns gedacht, da bin ich ganz sicher.“
Aber als Nelli an sie gekuschelt eingeschlafen ist, liegt Steffi wach und fragt sich, warum, warum kein Brief kommt.

© Friederike Sandow 2001 in der LESELUST