Peter Pohl

Unter der blauen Sonne

Verlag: Arena, ISBN: 3401054279, 192 Seiten;  - ab 13 Jahre

 

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Tim lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester in einem Heim- in einem Heim, dass ihnen Sicherheit vor der gefährlichen Außenwelt geben soll. Denn die ist voller Giftgase, die nach einer Umweltkatastrophe übrig geblieben sind.

Jetzt leben die Menschen ( und es sind längst nicht mehr viele, die Umweltkatastrophe des "damals" und des "frühers" hat viele von ihnen vernichtet) in einer technisierten Welt.

Eines Tages stellt Tim mit Erschrecken fest, dass alle Erwachsenen mit samt fast allen Jungen das Heim verlassen haben. Und das, obwohl die Bildschirme eindeutig Warnungen abgegeben haben!!!! Limit ist erreicht, eigentlich hätte es doch keiner verantworten können auch nur eine Person heraus gehen zu lassen!!!

Tim weiß nicht was er tun kann. Er muss sich um die übrig gebliebenen Mädchen Kinder kümmern, die, da sie Mädchen sind, und es nicht mehr viele Mädchen Kinder gibt, auch noch ganz besonders sorgfältig behandelt werden müssen.

Alles wäre auch noch nicht so schlimm- schließlich kann ihm die Kontrolle, die höchste Macht in seiner Welt, ja immer noch sagen was er zu tun hat, wann der Schlafintervall beginnt, wann er und die anderen Nahrung einnehmen müssen und so weiter- doch Tim lässt seinen Zweifeln nun freien Lauf...

Er beginnt daran zu zweifeln, ob die für die Menschen anscheinend so perfekt geschaffene Welt, wirklich so perfekt und vollkommen ist, wie ihm immer wieder gepredigt wird. Und wieso gibt es verbotene Wörter? Was ist blau? Wieso darf man Sonne nicht sagen? Was ist eine Sonne?

Gefreut wie ein Schnitzel habe ich mich, als ich von dem neuen Peter Pohl gehört habe, ein neues Buch, endlich!!! :)
Es ist ein komplett anderes Gebiet auf das er sich da wagt, mit seinem neuen Buch, eine ganz neue Richtung die er einschlägt. Doch keines Falls schlecht.

Da ist zum einen seine Sprache und sein unvergleichbarer Schreibstil, den man natürlich auch wieder in diesem Buch vorfindet, und ohne den es natürlich auch kein echter Peter Pohl wäre... :) Verwirrt wird man auch schon gleich zu Beginn des Buches, doch vieles klärt sich im Laufe des Buches, man beginnt mit der Zeit zu verstehen worum es geht, oder man kann es zumindest erahnen. 

Anfangs hält man die zunehmenden Satzbaufehler in dem Buch noch für schwere Druckfehler, doch nach einer Zeit erkennt man, das ein tieferer Sinn dahinter steckt, denn auch Tim bekommt im Laufe der Geschichte Probleme mit der Sprache, er vergisst sie nach und nach...

Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken angeregt, und hinterher noch sehr beschäftigt.
Alles in allem halte ich auch dieses Buch von Peter Pohl für gelungen, allerdings reicht es nicht an seine anderen Werke heran, meiner Meinung nach.


Auszug:  

Mama konnte zwar nicht sehen, was der Schirm anzeigte, weil sie ja nicht in der Zone stehen darf, aber das Signal war schließlich deutlich zu hören und ich beschrieb ihr ja, wie es aussah, und Mama besitzt doch das Wissen! Wenn überhaupt jemand, hätte wenigstens sie es verstehen müssen. Aber sie machten sich dennoch auf den Weg. Beide gingen durch die Tür hinaus nach Draußen, trotz des deutlichen Warnsignals: Draußen fehlt nur noch eine minimale Spur des Giftes, das wir Menschen absondern, dann ist Limit erreicht! Was dann geschieht, wenn Limit erreicht ist- darüber wagt sich niemand zu äußern. Dennoch gingen sie hinaus, als hätten sie keinerlei Verantwortung für die Folgen.
Seltsam war das. Ich wandte mich wieder dem Schirm zu, rief das Programm für die Analyse auf und gab dann den ersten Kern ein: VERANTWORTUNGSLOSIGKEIT.
Ja, das muss der erste Kern gewesen sein. Wie schon immer im Lauf der Geschichte, so auch jetzt: Untergang und Fall der Kulturen nach dem glücklich errungenen Höhepunkt... Kriege, Katastrophen, Krankheiten und Hungersnöte... und als äußerste Ursache eine der Hauptschwächen der menschlichen Rasse: Verantwortungslosigkeit. Man kann auch Sorglosigkeit und Optimismus dazu sagen, wenn das netter klingt. Ganz gleich, wie schlimm die Lage ist- wir glauben jedes Mal, dass alles irgendwie gut gehen wird, so wie es bisher immer irgendwie gut gegangen ist. Aber natürlich muss jemand anders dafür sorgen, dass alles gut geht, genau wie beim letzten Mal, da war es auch jemand anders. Ganz gleich, wie bedrohlich die Lage dieses Mal auch aussehen mag, jemand anders wird dafür sorgen, dass alles gut geht. 
Es besteht keine Gefahr, sagt die Sorglosigkeit. Das kommt schon in Ordnung, sagt der Optimismus. Dafür wird jemand anders sorgen, sagt die Verantwortungslosigkeit. Nachdem alle drei gesprochen und sich entsprechend verhalten haben, geht es uns eben so, wie es uns jetzt geht. Wie es Mama und Papa im Moment geht, kann ich nur raten, aber ich beginne zu ahnen, wie es mir selbst geht. Auch das will ich in die Analyse eingeben. Nachher, jetzt habe ich keine Zeit.



© Friederike Sandow 2003 in der LESELUST