Peter Pohl

Du fehlst mir, du fehlst mir

Verlag: DTV, ISBN: 3-423-62012-9, 264 Seiten; TB 14, 90 DM, 13 Jahre
 

Cilla und Tina sind eineiige Zwillinge und unzertrennlich. Beide sollen im Sommer vierzehn Jahre alt werden, doch das erlebt Cilla nicht mehr. Auf dem Weg zur Schule wird sie von einem Auto erfasst und stirbt. 

Tina ist nun allein- und das ist so wahnsinnig schwer für sie. Überall begegnet ihr Cilla. Wenn sie in den Spiegel schaut hält sie ihr Spiegelbild für ihre Schwester und fängt an sich mit diesem zu unterhalten... 

Die Beiden hatten nie Geheimnisse voreinander.... Um so mehr überraschte es Tina, als sie Cillas Sachen nach einem halben Jahr aussortierte, als sie auf einmal ein Tagebuch von Cilla fand, welches sie gar nicht kannte...

Auszug

Alles, was Cilla geschrieben hat, kennt Tina schon, Filmdrehbücher und Novellen, Gedichte und Tagebuch, das letzte allerdings nicht offiziell. Daher ist sie nicht darauf gefasst, irgendwelchen Überraschungen zu begegnen, als sie in einem Schreibheft zu blättern beginnt, das wie ein Hausaufgabenheft aussieht. Auf der ersten Seite steht allerdings Geheim! Und die zweite Seite beginnt: Über alles kann ich mit Tina reden, über alles, nur über das hier nicht. Tina klappt das Heft zu. Schreit ihre verzweifelte Entdeckung in sich hinein: Cilla hatte ein geheimes Tagebuch, ein Extratagebuch neben dem offiziellen, das sie Tina heimlich lesen liest! Jetzt weiß ich es! Schwester, geliebte Schwester mein! Tina fühlt, dass sie das nicht verkraftet. Bestimmt stehen in diesem Heft Sachen, die schmerzen werden, wenn sie sie liest. Tina hat auch so schon Schmerzen genug. Allein die Tatsache, plötzlich zu erfahren, dass Cilla über gewisse Dinge nicht mit ihr reden konnte, tut weh. Wie ist das eigentlich? Fragt sie. Darf ich es lesen, oder ist es immer noch geheim? Cilla antwortet nicht. Sie hält ihr Geheimnis in der Hand und schaut mir derselben Frage im Blick zurück. Darf ich?, fragt Tina und sieht, wie Cilla sie nachahmt. "Scheiße!", schreit Tina und bricht weinend über dem Tisch zusammen. Plötzlich ist ihr aufgegangen, dass sie sich selbst im Spiegel sieht. Das hat sie natürlich schon gewusst, an und für sich hat sie es gewusst, aber es ist ihr trotzdem gelungen sich einzubilden, dass Cilla dort sei. Doch als Cilla sie jetzt gleichzeitiger und exakter nachahmt als jemals während des Spiegelspiels der Kinderzeit, ist das Phantasiegebilde mit einem Schlag zerstört, und dieser Schlag tut weh, er tut weh, er tut weh, er tut weh!

Ein Buch das mir gut gefallen hat, wie Tina nach und nach den Tod verarbeitet...

© Friederike Sandow 2001 in der LESELUST