Waltraud Lewin

Tochter der Lüfte

Verlag: Ravensburger, ISBN: 3-473-35199-7, 223 Seiten, HC - 12 Jahre
 

In der Toskana, im Mittelalter. Die Stadtherrin Mafalda wurde durch einen Blitz geschwängert und gebärt ihr geheimnisvolles Kind, Anna Amanda. Schon gleich nach der Geburt stand fest, das Anna Amanda ein Kind mit außergewöhnlichen Kräften und Stärken ist. Vor allem ihre Haare- sie flackern und scheinen lebendig. Die zwei magiekundigen Schwestern Pippina und Concetta nehmen sich Anna Amandas an, denn Mafalda hat wenig Zeit, da die Herren der Alten Adelsgeschlechter versuchen Mafalda zu stürzen. Als Anna Amanda älter wird, entdecken die zwei Schwestern erst mal einen Teil der Kräfte die Anna Amanda hat, und diese gehen weit über das Wissen und können der beiden Zauberfrauen hinaus: Sie kann fliegen und sich in andere Zeiten versetzten. Doch dies kann gefährlich sein und gerade in diesen Zeiten. Concetta und Pippina ist schon schlimmes wiederfahren, weil sie "Zauberei betreiben". (Pippina zum Beispiel ist nun taub...) .Doch Anna Amanda kann es nicht lassen zu fliegen... über dies gibt es da ja auch noch die Kammerfrau Caterina, die Mafalda und Anna Amanda nicht gesonnen ist...

S. 115
"Sie war wieder auf dem Turm!"
"Ja, und? Ich selbst bin auch oft da oben."
"Herrin, du willst nicht verstehen! Du weißt sehr genau, was wir meinen!"
Und Pippina laut: "Verbiete es ihr! Auf uns hört sie nicht mehr!"

"Also Frauen, wie soll ich es ihr verbieten? Ich habe sie schließlich selbst dazu 
aufgefordert."
"Die Gefahren..."
"Ihr habt es doch auch getan."
"Sieh uns an, was es uns eingebracht hat! Aber davon reden wir jetzt gar nicht. Du müsstest sehr gut wissen, dass es bei ihr etwas anderes ist." 
Concetta senkt die Stimme. 
"Herrin, sie hat mich- sie hat mich mitgenommen! Einfach so! Und gesagt, es wäre nur ein kleiner Sprung gewesen. Ich denke, wenn sie erst wirklich entdeckt, was sie alles vermag..." Sie raunt nur noch. "Sie könnte sich nicht nur im Raum verirren, sondern auch in der Zeit." "In der Zeit?" Mafalda runzelt die Stirn. "Du meinst- vor und zurück?"
Das hat sogar Pippina verstanden. Gemeinsam mit der Schwester nickt sie eifrig. Mafalda ist jetzt sehr aufmerksam. "Sie könnte auch- etwas holen? Ein Wissen vielleicht?"
Die Frauen sehen sich an, hilflos. Dann sagt Concetta: "Du fragst nach Dingen, die außerhalb unserer Grenzen liegen. Wir sind nichts weiter als Mitglieder einer Schwesternschaft. Ganz gewöhnliche Hexen, verzeih schon, wenn ich das so sage. Was Luna- ich meine Anna- macht, können wir nur ahnen, nicht verstehen. Und schon gar nicht erklären. Wir bitten dich nur, um ihrer Sicherheit willen- denn niemand kann ihr folgen-, versuch, sie abzuhalten von diesen Wegen."
"Ich wüsste nicht, wie", bemerkt Mafalda. Es klingt zerstreut. 
"Ich schon." Concetta fährt herum, und durch ihre Bewegung alarmiert dann auch Pippina, die laut "Was ist denn?" fragt. Unbemerkt von ihnen allen ist Caterina ins Zimmer getreten und hat zugehört- keine hat sie kommen hören. 
Mafalda lächelt. "Du hast die Schwestern erschreckt. Was ist es denn für ein Wundermittel, das du parat hast gegen die >Krankheit< meiner Tochter?"
" Flechte ihr die Haare, lass ihr eine Haube aufsetzten oder bring sie dazu einen Schleier zu tragen!", erklärt Caterina ruhig. "Ihr alle wisst es doch, Herrin und Schwestern, auch wenn ihr es nicht wahrhaben wollt. Oder vielleicht sehe ich auch schärfer hin, weil- weil ich eigentlich nichts davon verstehe, verzeiht schon. In ihren Haare steckt das Geheimnis. Wie bei Samson in der Bibel. Wenn ihr wirklich wollt, dass sie das nicht mehr tut, wovon ihr eben geredet habt- das ist das Mittel, ich könnte es schwören. Ich bin nur eine Kammerfrau und keine Zauberin. Aber ich habe Augen im Kopf."
Pippina versucht mit Falten auf der Stirn der Rede zu folgen. Mafalda erwidert ärgerlich: "Was soll das, Caterina? Das ist, wie wenn ich einen Vogel nicht nur in einen Käfig stecken, sondern ihm zugleich noch die Federn ausrupfen würde."
"Ein sicheres Mittel gegen sein Fortfliegen!", sagt Caterina. Sie sagt es kalt. 
Concetta starrt sie an. "Gütiger Himmel, wie kannst du so etwas Grausames auch nur denken!" Caterina zuckt die Achseln, wendet sich ab.


© Friederike Sandow 2001 in der LESELUST