Verlag:
Beltz und Gelberg / ISBN: 3-407-78758-8 / 307 Seiten; 16, 80 DM TB / 12 Jahre
![]()
![]()
![]()
![]()
Die
dreizehnjährige Munli, die aus einem kleinen indischen Dorf kommt, soll mit dem
brutalen
Adoor Ram verheiratet werden. Sie entschließt sich zur Flucht, denn auch ihre
beste Freundin
Lata will mitkommen, da Lata nicht mit dem Mann verheiratet werden kann, den
sie
liebt und von dem sie wieder geliebt wird, weil ihr Vater keine Mitgift für sie
bezahlen
kann.
So
kehren die beiden Mädchen dem Dorf den Rücken, um zu den Rebellen in die Berge
zu fliehen. Dort
werden sie gut aufgenommen. Doch bald trennen sich ihre Wege, da Munli die
Rebellen in
Richtung Allahabad verlässt, wo sie die Aufgabe hat, die Asche der Anführerin
der Rebellen
zu dem Fluss Ganges zu bringen. Und in dieser großen Stadt lernt sie Mädchen
und Frauen
kennen, die ihr Leben in eine andere Richtung schubsen.
Großvater
Dschaya blieb stehen. Ich sah sein Gesicht im Mondschein: ein dichter weißer Schnurrbart,
eine runde, verschrumpelte Nase und unter dem verwaschenen Stirntuch zwei listige
Augen. Diese Augen huschten von Lata zu mir und wieder zurück. Erst dann
erwiderte der
Alte unseren Gruß: „Namaste, ihr beiden Nachtkatzen! Habt ihr euch verirrt?
Zu welchem Dorf
gehört ihr? Ihr seid doch wohl nicht etwa davongelaufen? Oder doch? Wollt ihr
zu Meera,
der Mutter der Wölfe? Oder glaubt ihr nicht an die Götter? Fürchtet ihr euch
nicht vor Strafe?"
Das waren sicher nicht alle Fragen, die Großvater Dschaya in dieser ersten
Minute unseres
Kennenlernens auf uns herabprasseln ließ. An alle kann ich mich nicht mehr erinnern.
Aber waren es überhaupt Fragen? Es waren Feststellungen. Lata erkannte das sofort.
„Du hast recht, Großvater Dschaya!", rief sie, blieb aber auf den Knien.
„Wir möchten zu
Meera- und wir fürchten uns vor der Strafe." „Woher kennt ihr meinen
Namen?", fragte der
Alte verblüfft. „Habt ihr ihn im Dorf gehört?" Wir nickten.
„So, so!" Er strich sich seinen Bart
und blickte schlau. „Und was hat man euch über mich erzählt?" „Das du
der einzige bist, der
uns zu Meera führen kann", antwortete Lata. „He, he, he.", der Alte
lachte meckernd.
"Und
was noch? Bin ich etwa auch ein Baghi?" „Nein! Nein", Lata, obwohl
sie nicht genau
wusste,
ob das die richtige Antwort war. Vielleicht wollte der Alte ja ein Baghi sein?
„Und du,
schweigsames
Reh, was sagst du?", wandte sich Großvater Dschaya an mich. Ich war
verwirrt.
Ich empfand es als angenehm, dass Lata für mich sprach. Wozu wollte dieser
Großvater
mit den listigen nun auch von mir wissen, was ich von ihm hielt? „Nun sprich
schon.
Oder haben die Götter dich mit Stummheit bestraft?" „Du... du bist ein
Freund der
Baghis...",
stammelte ich. „Oho!" Großvater Dschaya strahlte. Und dann tat er etwas
sehr
Seltsames.
Er bedeutete Lata und mir aufzustehen und sagte zu Lata: „Du bist mutig und
tapfer
und mit dem Mund vorneweg, aber diese hier" – und dabei zeigte er auf
mich- „ist
klug.
Bewahre dir ihre Freundschaft."
![]()