Klaus Kordon

Hundert Jahre und ein Sommer 

Verlag: Beltz und Gelberg / ISBN: 3-407-80857-7 / 389 Seiten; HC / 13- 14 Jahre
 

Eva macht sich auf  die Suche nach Hinterbleibseln ihrer Ururgrossmutter Minchen, einen ganzen Sommer lang. Untergebracht ist sie bei ihrem Großvater Robert, der einst ein berühmter DDR- Schriftsteller war. Robert weiß viel zu berichten, gibt ihr alte Photos und Briefe... auch darf Eva in Minchens altem Zimmer wohnen...

Eva fühlt sich Minchen seltsamer Weise sehr nahe und verbunden, was wahrscheinlich der Grund ihres unermüdlichen Wissensdurstes ist...

Auch freundet sich Eva mit den jungen Leuten aus der Nachbarwohnung an, vor allem mit Greg, mit dem sie ebenfalls einen sehr schönen Sommer erlebt, und nebenbei versucht sie mit der Nachbargruppe und ihrem Großvater das alte Haus zu retten, Minchens Haus, denn das soll abgerissen werden... 

Diese ganzen Erlebnisse schreibt Eva auf, in Form eines Briefes an ihr Minchen...

Auszug:

 

S. 79

Dann, liebes Minchen, legte ich mich in dein Bett!  Lag darin und hatte das Gefühl, unerlaubt irgendwo eingedrungen zu sein. 

Dazu die Finsternis um mich herum, diese plötzliche Stille, die mir in den Ohren klang- und meine Phantasie! War da nicht irgendeine Ahnung von dir in diesem Zimmer zurückgeblieben, eine wie auch immer geartete >>Anwesenheit<<? Meine Übermüdung, die Aufregung des Tages, vieles wird da mitgespielt haben. Ich sagte mir das, dieses beklemmende Gefühl in mir aber wuchs und wuchs und nahm mir fast die Luft. Kurz entschlossen schaltete ich die Nachttischlampe ein und blickte mich um, wie ein Kind, das aus Angst vor Gespenstern unters Bett schaut. 

Natürlich war nichts zu entdecken. Doch von all meiner Spinnerei war ich wieder hellwach geworden. Also stand ich schließlich auf und ging an den Schrank, dessen eine Hälfte mir Robert freigeräumt hatte. In der anderen Hälfte hatte er all die Dinge gestapelt, die ihm von dir übrig geblieben waren. 

 

© Friederike Sandow 2001

in der LESELUST