Kirsten Boie

Prinzessin Rosenblüte

Verlag: Oetinger /  3-7891-3112-1 /  Erscheinungsdatum: 1995 /  141 Seiten;  HC 22, 00 DM /  7-9 Jahre
 

Emma ist ganz begeistert als sie mir nichts, dir nichts, auf dem Fahrradständer vorm Supermarkt eine Prinzessin sitzen sieht. Eine ganz echte!!!! Logisch muss Emma diese sofort ansprechen! Es stellt sich heraus, das es Prinzessin Rosenblüte aus dem Land der Schwäne ist, und die nicht weiß, wie sie wieder zurück kommen soll, sie weiß nämlich auch nicht, wie sie vor den Supermarkt gekommen ist! Natürlich muss Emma ihr helfen, und so kommt Rosenblüte erst mal mit zu ihr nach Hause, ihre Eltern sind ja sowieso nicht da. Emma ist fest davon überzeugt dass Rosenblüte einen schwierigen Test bestehen muss, um wieder in ihr Königreich zu kommen, wie zum Beispiel einen Frosch küssen, oder Irgendetwas zu Gold spinnen... und während Emma die Märchenbücher wälzt, und Rosenblüte in der Küche die Marmelade auslöffelt steht nur eines fest: Sie müssen eben alles ausprobieren... Das es da Probleme mit Rosenblüte gibt ist ja klar, wer will schon freiwillig einen Frosch küssen, und dann noch als Prinzessin...??? Aber am Abend des anstrengenden Tages ist Rosenblüte doch wieder in ihrem Schwanenland und Emma schlummert friedlich ein... ( Aber ein Traum war es nicht, denn am nächsten Tag hat ihre Mutter das mit Marmelade bekleckerte Rüschenkleid aus der Wäsche geholt... ;-)

    

Auszug:  

S. 54 Sie hat zuerst ein bisschen nachgedacht, aber dann hat sie wohl selber gefunden, dass sie in dem pitschnassen Kleid mit den Marmeladeflecken auf der Brust überhaupt nicht königlich aussieht, und sie hat sich mit ausgebreiteten Armen vor mich hingestellt. „Dann kleide Sie mich aus, in Gottes Namen!", hat sie gesagt. „Aber sei Sie behutsam!" Kann man so was überhaupt noch glauben? Mit Prinzessinnen erlebt man wirklich einiges. „Kleide dich doch selber aus!", hab ich gesagt und ihr einen Vogel gezeigt. „Ich geh Klamotten für dich suchen." Ich hab ihr also eine abgeschnittene Jeans rausgesucht und ein Ringel- T- Shirt, das hab ich praktisch gefunden. Schließlich hatten wir ja noch keine Ahnung, was für Aufgaben Rosi lösen musste. Und um Aufgaben zu lösen und Gefahren zu bestehen, sind T- Shirts bestimmt praktischer als lange rosa Kleider. Aber man kann sie so was vorstellen, als ich mit den Sachen auf den Flur gekommen bin, stand Rosi immer noch genauso da wie vorher. Stocksteif mit ausgebreiteten Armen wie ein Kleiderständer, und sie hat nur einfach auf die Wohnzimmertür gestarrt. „Oh, kleide Sie mich aus!", hat sie gesagt. „So helfe sie mir doch! Das Kleid hat rückwärtig Knöpfe!" Da hat sie mir also schon wieder so leid getan, man kann es gar nicht sagen. Man stelle sich vor, dass eine, die sogar ein winziges bisschen größer ist als ich, kein Kleid aufknöpfen kann! Es ist ja schön und gut, wenn man Wörter kennt wie >>rückwärtig<< und ganz vornehm seine Gabel halten kann, aber Kleideraufknöpfen finde ich immer noch wichtiger. Inzwischen glaube ich, dass das Gerede von den beneidenswerten Prinzessinnen ein großer  Schwindel ist. In Wirklichkeit sind das lauter arme Würmer, die nichts dürfen und nichts können. Wenn die mal keine Küchenmagd haben oder keine Ankleidedame, sind sie doch gleich verloren. Da hab ich ihr also gezeigt, wie man Knöpfe auf dem Rücken aufkriegt, und sie war auch ganz glücklich und hat so stolz ausgesehen, als wenn sie gerade eben die Dampfmaschine erfunden hätte. Oder den Computer. Sie hat ihr Bild im Flurspiegel angelächelt mit der seidenen Unterwasche und mit den zerwuselten Haaren, und dann hat sie mir wieder so gnädig zugenickt. „Ich danke Ihr von Herzen", hat sie gesagt. „Sie ist eine gute Lehrmeisterin. Mein Vater wird sie reich belohnen." Das sagt sie wohl immer. Allmählich muss ich mir vielleicht überlegen, wo ich das ganze Gold dann unterbringen kann. So groß ist unsere Wohnung schließlich nicht.

© Friederike Sandow 2001

in der LESELUST