Kirsten Boie

Sehr gefräßig aber nett

Verlag: Oetinger /  ISBN: 3-7891-1035-3 /  62 Seiten; 12, 80 DM HC  /   Erstes Lesealter
 

Svenni mag es überhaupt nicht, wenn er Abends alleine bleiben muss. Aber manchmal lässt sich das eben nicht vermeiden... er meint, dass sich da schon ganz oft Verbrecher mit Hubschrauber in den 14. Stock abgeseilt haben, diesen Ernst der Lage aber wollen seine Eltern einfach nicht so recht verstehen. Da heißt es dann wieder: „ Na hör mal, Sven, du bist doch schon groß!“ Aber zum Krimi gucken ist er das noch nicht. Svenni erfährt auch sehr bald, wie Recht er hat. (Zwar nicht mit seiner Hubschrauber Theorie) Aber kurz nach dem die Eltern weg sind macht er Bekanntschaft mit einem kleinen Zwerg, dem Heinzler. Dieser ist alles andere als ein Verbrecher... er ist eben gefräßig- aber sehr nett!

   

Auszug:

S. 11
„Hallo“, sagt da plötzlich eine Stimme. Die kommt nicht aus dem Radio und die kommt auch nicht aus dem Fernseher. Die Stimme kommt aus dem Flur. Gleich fällt Svenni tot um, das weiß er. Gleich wird er ohnmächtig vor Angst. Oder tot oder ohnmächtig. Nur weg will er sein. Nicht hier. Nicht bei dieser Stimme.  Svenni kneift die Augen fest zu. Dann kann er nichts sehen. Und das, was zu dieser Stimme gehört, will er auch nicht sehen. Bloß nicht. „Du bist nicht sehr höflich“, sagt es da wieder. Die Stimme klingt ärgerlich. „Du kannst doch wohl auch grüßen, wenn man dich freundlich grüßt.“ Und dabei zupft etwas an Svennis Hosenbein. Svenni wird immer noch nicht ohnmächtig. Er fällt auch nicht tot um. Außerdem ist es nicht so schrecklich, wie Svenni sich Einbrecher vorgestellt hat.  Ob er mal gucken soll? Sehr gefährlich klingt der Einbrecher eigentlich nicht. Eher ungeduldig. „He!“, sagt die Stimme, und wieder zupft etwas an Svennis Hose. Diesmal schon fester. Svenni macht ganz vorsichtig die Augen auf. Erst ein bisschen. Dann ein bisschen mehr. Und dann ganz. Aber er sieht gar nichts. Nur den Flur. Und das Licht überall. Keinen Einbrecher. Absolut keinen Einbrecher. „He!“, sagt die Stimme wieder. Sie kommt von ziemlich weit unten. Ungefähr von Svennis Knie. Oder noch tiefer. Da guckt Svenni hin. Und dann wird er doch fast ohnmächtig. Weil er nämlich etwas sieht, was es eigentlich gar nicht geben kann. Neben seinem rechtem Bein steht ein Mann...      

© Friederike Sandow 2001  

in der LESELUST