Kirsten Boie

Mittwochs darf ich spielen  

Verlag: Oetinger /  ISBN: 3-7891-3124-5 / Erscheinungsdatum: 1993  / 111 Seiten; 14, 80 DM HC / 9 Jahre

Als Fabias Eltern geschäftlich nach Mailand müssen, kann niemand anderes außer gerade ihre Tante Pia auf sie aufpassen, für vier Tage. Fabia hat ja gleich gewusst dass das schief geht, denn Tante Pia weiß eben viel zu wenig über Kinder. Sie bringt Fabia keine Geschenke mit, sie fragt sie nicht irgendwelche Sachen, wie das alle machen. Zum Beispiel: Sind deine Lehrer nett? Welches Fach hast du am liebsten....? Und Richtig! Denn Tante Pia kümmert sich kein bisschen! Sie bringt Fabia Montags nicht zum Ballett, Dienstags nicht zum Flöten, eine Spielkameradin für Mittwochs besorgt sie auch nicht, und von dem Tennis am Donnerstag und dem Hockey am Freitag ganz zu schweigen. Lesen üben tut sie auch nicht mit ihr. Das einzige was sie Fabia nach dem Mittagessen sagt ist: „ Na wenn du nicht viel Hausaufgaben auf hast, dann kannst du ja gleich spielen gehen!" Und da merkt Fabia dann, das Tante Pia wirklich keine Ahnung hat! Spielen?! Auf einmal hat Fabia ganz viel Zeit, während Tante Pia nur über ihren Büchern für' s Studium brütet. Da geht Fabia einfach raus und landet schnell bei dem Domröse- Hof, wo sie eigentlich nicht hin soll, das will ihre Mutter nicht. Und dort merkt Fabia erst nach und nach, wie schön es ist jeden Tag frei zu haben und einfach nur zu spielen...

 

Auszug:   

S. 99 Wir haben den ganzen Nachmittag im Baumhaus gespielt, ich weiß nicht genau, was. Wir sind rausgeklettert und wieder rein, sogar durch die Fenster, und dabei ist uns eine Tasse zerknackst. Die Jungs haben nicht gesagt, dass die Weiber immer zu Hause bleiben müssen, darum sind wir genauso geklettert, aber als keiner von ihnen dran gedacht hat, die Teesachen zurück in die Küche zu bringen, haben Bruno und ich das gemacht, und diesmal fand ich schon ein bisschen, dass es Mädchenausnutzung war.  „Bruno, die nutzen uns aus", habe ich gesagt. „Die unterdrücken uns, Bruno." „Willst du spülen oder trocknen?", hat Bruno gefragt, und weil ich gemerkt hab, dass sie gar nicht versteht, was ich meine, hab ich lieber gespült. Das darf ich zu Hause nämlich nie. Wie wir gerade wieder zum Baumhaus gegangen sind, ist draußen Annette mit ihrem Turnbeutel vorbeigekommen. Vom Voltigieren zurück. „Hallo, Annette!", hab ich gebrüllt und bin zum Zaun gerannt. Annette war richtig erschrocken. „Was machst DU denn hier, Fabi?", hat sie gefragt. Da habe ich getan, als ob es die selbstverständlichste Sache von der Welt ist, und ich hab ganz gelangweilt geguckt. „Baumhaus bauen", hab ich gesagt. „Tee kochen, wenn du nichts dagegen hast!" Und ich hab gedacht, vielleicht ist jetzt neidisch, weil sie kein Baumhaus hat und keinen Tee kochen darf, und vor so großen Jungs hat sie doch sowieso Angst. „Du kannst ja auch mitmachen, wenn du willst!" Annette hat den Kopf geschüttelt und die Unterlippe über die Oberlippe gestülpt. Dann ist sie einfach weggegangen und dabei hat sie immer auf den Boden gestarrt. „Kennst du das Mädchen?", hat Bruno gefragt. „Ist deine Freundin?" In dem Augenblick ist eine schwarze Katze über den Hof gehuscht. Man konnte nicht sehen, ob es vielleicht auch ein Kater war. Und mir ist die Maus eingefallen und dass ich sie  suchen wollte, aber dann hatte ich doch mehr Lust auf das Baumhaus und wir sind geklettert, bis es dunkel war. „Kommst du mich wieder besuchen?", hat Bruno gefragt, als sie mich im Dunkeln zum Tor gebracht hat. „Morgen", hab ich gesagt. Weil ja schon klar war, dass Tante Pia mich auch nicht zum Tennis bringen würde, da konnte ich genauso gut im Baumhaus spielen. „Ich komme morgen wieder, Bruno." Bruno hat genickt und sich umgedreht. „Ist gut", hat sie gesagt. Man weiß bei ihr nie, was sie eigentlich denkt.          

© Friederike Sandow 2001 in der LESELUST