Verlag:
Oetinger / ISBN: 3-7891-3115-6 / Erscheinungsjahr: 1996 / 77 Seiten; 14,
80 DM HC / 10-12 Jahre
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In den Sommerferien zieht Mona mit ihrer Mutter um. Das einzige Kind in ihrer Hochhaussiedlung das nicht verreist ist, ist Marlon. Und mit Marlon spielt sie dann eben. Dabei ist Marlon fünf Jahre älter als Mona. Aber warum ist er manchmal so seltsam? In einem Moment sitzt er noch mit Mona an dem verborgenen See und im nächsten Moment rennt er ohne etwas zu sagen einfach weg. Trotzdem verbringen sie viel Zeit zusammen. Aber alles wird plötzlich anders, als die Schule losgeht. Denn Monas neu gewonnene Freundinnen finden Marlon blöd und hänseln ihn und lachen ihn aus. Zu wem wird Mona halten???
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Auszug:
S.22
Auf
dem Rückweg denkt Mona über Marlon nach. Sie haben lange am Teich gesessen,
und es
ist
ihr kein bisschen langweilig gewesen. Die Fische sind geschwommen, immer andere
Wege,
und
ab und zu hat ein Vogel gezwitschert. Wie
auf einem Bild oder wie in einer Geschichte.
Und
dass es Marlon nicht langweilig geworden ist! Die Jungs aus ihrer alten Klasse
konnten
überhaupt
nicht stillsitzen. Bestimmt hätten
sie nicht mal gewusst, was so schön ist, an
diesem
Teich und an der Sonne auf seinem Wasser und an den Fischen im Schilf. Bestimmt
hätten
sie aus lauter Langweile längst nach den Fischen geschmissen. „Marlon?",
hat Mona
geflüstert.
„Dankeschön für' s Zeigen!"
Und
Marlon hat gelacht und den Finger auf die Lippen gelegt. Dann haben sie ganz
lange
wieder
nur geguckt. Erst als sie zurückgegangen sind, hat Mona das Schild gesehen, auf
dem
steht,
dass das Betreten verboten ist. „Marlon?", hat Mona gesagt. „Aber da
steht
eigentlich..."
„Ich les die Scheiße nicht!", hat Marlon böse gesagt, und Mona hat sich
wieder
gewundert,
wie schnell er wütend werden kann. „Kannst du ja lesen, wenn du das
willst!"
Aber
das will Mona eigentlich auch nicht. Mona will auch viel lieber so tun, als ob
sie das
Schild
nicht gesehen hätte. Das hätte schließlich auch passieren können. Den ganzen
Weg
nach
Hause reden sie nicht, nur manchmal greift Marlon nach Monas Arm. Vor der Haustür
packt
er plötzlich ihre Schulter. „Marlon!", sagt er und rüttelt sie ein
bisschen.
„Mona!",
und er lacht, als ob er Mona etwas ganz Wunderbares erzählt.
Mona
bekommt einen Schreck. Das ist das einzige, was vielleicht nicht so gut ist bei
Marlon.
Das
er so schnell böse werden kann. Und das er manchmal sonderbar redet. „Du heißt
Mona!",
ruft Marlon. „Und ich heiße Marlon! Mann!" Dann sieht er, dass Mona ihn
nicht
versteht.
„Mmmmona!", sagt er. „Mmmmarlon! Das ist bei dir ein Mmmm, und das ist
bei mir
ein
Mmmm! Wir sind beide mit Mmmm!" Mona nickt. Das hat sie schon lange
gemerkt.
Warum
sagt er nicht Em! Warum sagt er er wieder Mmmm wie für Babys?
„Ich
bin in der dritten!", sagt Mona. „Ich kann das Alphabet!" Und sie
will in den Fahrstuhl
steigen
und nach oben fahren. Aber dann denkt sie, dass es so kein schöner Abschied wäre.
„Tschüss,
Marlon, bis morgen", sagt Mona. „Und danke für den Teich." Marlon
freut sich noch
immer.
„Ich kann dir noch andere Sachen zeigen!", ruft er. „Bis morgen!"
Mona winkt. Jetzt
kommt
ihr das Haus schon ganz bekannt vor.