Kirsten Boie

Man darf mit dem Glück nicht drängelig sein

Verlag: Oetinger /  ISBN: 3-7891-3114-8 / Erscheinungsdatum: 1997 / 173 Seiten; 24, 00 HC  / 10- 12 Jahre
 

Dieses Jahr fahren Anna, Magnus und Linnea nicht mit Mama in den Urlaub, sondern mit Papa. Und dann noch nach Schweden, wo Papa schon früher nie hin wollte, er fand Ibiza immer besser. Überhaupt ist es verwunderlich, dass Papa gerade jetzt mit ihnen in den Urlaub fährt, wo das Weib doch im Krankenhaus liegt. Nur gut, das der Scheißkerl nicht mitgekommen ist, der Sohn vom Weib. Aber als die vier bei dem kleinen Ferienhaus in einem Wald mitten in Schweden angekommen sind, weiß Anna, dass dies ein Glücksurlaub wird. Das kleine schöne rote Dach, die kleinen Fenster, und überhaupt ist das Haus wie für Zwerge gedacht, sagt Magnus... aber die gibt es gar nicht, meint Linnea. Obwohl in dem Urlaub doch so einiges schief läuft ( zum Beispiel kommt der Scheißkerl nun doch) sind sich am Schluss alle einig: Schön war es aber doch! Wirklich! Mit Linnea und ihrer Puppe Linni, und dass Linnea nur Herr Schulze zu ihrem Vater sagt, denn es kann ja keiner erwarten, dass sie einen wildfremden Mann, den sie nur einmal im Monat sieht, gleich Papa nennen soll „Du, Magnus, übrigens!" Und Magnus, der die Maden, die eigentlich zum Angeln da waren, dann im Wald aussetzt... Und Anna, die sich so oft vorgestellt hat, in der Küche beim abwaschen, dass sie die große arme Schwester ist und sich um die kleinen armen Geschwister kümmern muss...

Auszug:  

S. 21 Auf dem Weg zur Fähre, die Anna, Magnus, Papa und Linnea mit ihrer Puppe Linni in den Urlaub bringen soll.

 „Wenn du so schnell fährst, kriegt Linni Angst, Herr Schulze", sagt Linnea von hinten. „Und dann muss sie spucken, und rate mal, wer die Sauerei dann wegmachen muss." 

Papa lacht und wird wirklich ein winziges bisschen langsamer. „Warum sagst du denn Herr Schulze zu mir, Linnea?", fragt er. 

Linnea sucht sein Gesicht im Rückspiegel. „Heißt du nicht so?", fragt sie. „Man darf nicht du zu allen sagen, Herr Schulze. Das machen die Babys." 

Papa räuspert sich. „Doch, doch, Linnea, selbstverständlich", sagt er. „Aber ich bin ja schließlich dein Papa. Und du besuchst mich jeden Monat einmal in Bremen..." 

„Nee, nee, nee", sagt Linnea streng. Ich kann doch nicht zu jedem, den ich einmal im Monat in Bremen besuche, Papa sagen. Was ist ein Monat, übrigens, Magnus?" 

Magnus kichert. Die ganze Zeit hat er in seinen Büchern geblättert, aber jetzt sieht er doch auf. „Du sollst doch nicht wegen dem Besuchen Papa zu ihm sagen, Linnea", sagt er. „Du sollst das sagen, weil Papa dein Papa ist." 

Linnea zeigt ihm einen Vogel. „Da könnte ja jeder kommen", sagt sie schlau. 

Aber auf der Fähre ist es schön. Mit dem Auto fahren sie über eine schepperige Brücke aus Metall durch eine riesengroße Klappe ins Schiff, und es fühlt sich aufregend und gefährlich an, und ein Mann zeigt wild mit den Armen, wo Papa das Auto hinstellen soll. 

„Siehst du, Herr Schulze, nun können wir froh sein, dass wir mit dir gefahren sind", sagt Linnea und hebt ihren Koffer aus dem Auto. „Mama kann ja immer nicht einparken. Die hätte ja hier alles zu Schrott gemacht." 

© Friederike Sandow 2001 in der LESELUST