Stefan Zweig - Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers

Originaltitel: Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers
Roman. S. Fischer Verlag 1944
492 Seiten, ISBN: 3596211522

Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 in Wien geboren. Seine Kindheit und Jugend ist geprägt von der Atmosphäre Wiens im ausgehenden 19. Jahrhundert. Ein wohlhabendes, gutbürgerlich-jüdisches Elternhaus - und überall in der ganzen Stadt das Fieber nach Kunst, Literatur, Theater, Poesie.

Schon als Jugendlicher versucht er sich an Gedichten, schafft es auch, schon früh etwas davon zu veröffentlichen.

Während des Studiums lebt er auch eine Weile in Berlin, lernt dort Walther Rathenau kennen, der ihm einen für seine weitere Entwicklung sehr wesentlichen Rat gibt: Zu Reisen und, zur Schulung seiner dichterischen Fähigkeiten erst einen fremdsprachigen Autor ins Deutsche zu übersetzen. So hat er Beaudelairs und Verlaines übersetzt; letzterer wurde ebenfalls ein Freund auf Lebenszeit.

Er begegnet zahlreichen Persönlichkeiten, Dichtern, Musikern, aus aller Welt - die meisten von ihnen eint die Grundeinstellung: die Schranken, die die Ländergrenzen bilden, für nichtig zu erklären, ein Leben als Europäer zu führen.

Der erste Weltkrieg bereitet diesen Illusionen vorerst ein bitteres Ende; doch danach, so hofft er, hoffen seine Freunde, muss es doch möglich sein, an der europäischen Idee weiterzuarbeiten.

Wie sehr diese Hoffnungen sich zerschlagen haben, hat Stefan Zweig bitter am eigenen Leib erfahren müssen; auf dem Höhepunkt seines Erfolgs, als seine Bücher in ganz Deutschland gelesen werden, in alle möglichen Sprachen übersetzt werden, wird er von den Nationalsozialisten verboten.

1934, also schon relativ früh, emigriert er nach England; als die Briten in den Krieg eintreten, muss er auch diese neue Heimat wieder verlassen.

Ein sehr beeindruckendes Zeitdokument hat Stefan Zweig uns hier hinterlassen; wir, die wir diese Zeit alle glücklicherweise nicht mehr miterlebt haben, erhalten hier einen sehr aufschlussreichen Einblick.

Was mich besonders berührt hat, ist die Leidenschaft, mit der Stefan Zweig von seiner Idee der grenzüberschreitenden Völkerverständigung schreibt.

Manchmal mutet zwar die Sichtweise mittlerweile etwas altertümlich an, manche Passagen sind etwas langatmig geraten, und sein persönliches Leben hat er so gut wie ganz aus diesen Aufzeichnungen herausgehalten; aber alles in allem ist dies einerseits ein sehr wichtiges Buch, aber vor allem auch ein sehr schönes.

Nur selten wird man diesen Zauber Wiens nochmals so geschildert sehen!

Stefan Zweig

Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 in Wien geboren, lebte von 1919 bis 1934 in Salzburg, emigrierte dann nach England und 1940 nach Brasilien. 1944 erschienen seine Erinnerungen, das von einer vergangenen Zeit erzählende Werk "Die Welt von Gestern". Im Februar 1942 schied er in Petropolis, Brasilien, freiwillig aus dem Leben.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©01.01.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing