Banana Yoshimoto - Sly

Originaltitel: Sly
Roman. Diogenes 2002
162 Seiten, ISBN: 3257063164

Was macht man, wenn man erfährt, dass der beste Freund, der frühere Liebhaber, Aids hat? Die Goldschmiedin Kiyose und der schwule Barbesitzer Hideo machen zu allererst einen Aidstest. Aber noch bevor sie das Ergebnis erfahren, brechen sie gemeinsam mit Takashi auf zu einer großen, gemeinsamen Reise - einer Reise, von der sie schon seit vielen Jahren gesprochen hatten, die aber erst jetzt wirklich dringlich geworden war.

Nach Ägypten geht die Reise, in die Wüste, in die Totenstadt - eine Reise, in der die Freunde lernen, mit der veränderten Situation umzugehen, die Balance zwischen Beistand und schädlichem Mitleid zu finden - und das alles in der atemberaubenden Kulisse der uralten Kultur, die jedes Thema schon vorweg nimmt...

Das Thema dieses Romans, eine unheilbare Krankheit, enge Freundschaften, die Beschäftigung mit dem Tod, ist bei Banana Yoshimoto obligat. Auch hier ist der eigentliche Handlungsstrang sehr dünn, bildet die Reise der drei Freunde nur den Rahmen. Ein Rahmen, der nicht immer tragfähig ist, manchmal erschien mir die Geschichte arg dünn - aber dann kamen wieder die Passagen, deretwegen ich die Autorin so schätze: Alltagsbeobachtungen, banale Gespräche, bei denen zwischen den Zeilen mitschwingt, welcher Art die Sorge um Freunde sein kann, wie innig und vertraut ein Verhältnis werden kann. Und auch, wie oft gerade durch einen scheinbar unpassenden Scherz, eine Indiskretion eine steife Spannung aufgelöst werden kann.

Es sind diese Begegnungen, die man ähnlich selbst erlebt hat, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Es bedarf nicht immer großer Worte, um große Emotionen zu schildern- so könnte man "sly" vielleicht am prägnantesten zusammenfassen. Obwohl die übrigen Bücher der Autorin zwar in Japan spielen, aber ebensogut in jeder westlichen Großstadt angesiedelt sein könnten, hat mich an "Sly" etwas gestört, dass man der Autorin anmerkt, dass sie ihre Umgebung selbst nicht wirklich kennt; von der Begeisterung für die aufregende fremde Welt lässt sie sich manchmal etwas zu stark inspirieren.

Als Einstieg in Banana Yoshimotos Werk würde ich *Sly* nicht unbedingt an erster Stelle empfehlen; aber wer sie bereits kennt und schätzt, wird auch diesem Buch interessante Seiten abgewinnen können.

Banana Yoshimoto

Banana Yoshimoto, eigentlich Mahoko Yoshimoto, geb. 24.7.1964, lebt in Tokio. In ihrer Heimat ist sie mit ihren Büchern zum Jugendidol avanciert. Sie erhielt bereits zahlreiche Literaturpreise.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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