Banana Yoshimoto - Amrita

Originaltitel: Amurita
Roman. Diogenes 2000
510 Seiten, ISBN: 3257062567

Der Tod eines geliebten Menschen bringt das Umfeld fast zwangsläufig durcheinander. Und wenn es dann noch ein freiwilliger Tod war, erst recht.

Mayu, die jüngere Schwester Sakumis, war schon als Kind auffällig hübsch gewesen, entdeckt worden und hatte begonnen, Filme zu drehen. Doch dabei war ihr innerer Lebenswille erloschen; nach außen strahlt und leuchtet sie zwar noch, doch es ist bereits ein toter Glanz.

Mayus Freund, Schriftsteller, geht nach ihrem Tod auf Reisen, um zu schreiben, um zu vergessen. Aber er schickt Briefe an Sakumi. Briefe, bei denen sie irgendwann nicht mehr weiß, ob dieser Unterton von Vertrautheit, von Liebe, schon zu Mayus Zeiten entstanden war, oder erst danach.

Erinnern kann sich Sakumi daran nicht mehr. Nach einem schweren Sturz und einer Operation bleiben Teile ihres Gedächtnisses wie hinter einer mit Regen beschlagenen Fensterfront; ungreifbar. Sie ist eine andere geworden, hört sie immer wieder. Doch erst später, als der Freund ihrer toten Schwester bereits zu ihrem, Sakumis, Freund geworden war, hört sie, dass sie die Signale eines Menschen mit zwei Seelen ausstrahlt, dass sie schon einmal dem Tod zu nahe war.

Diese Freunde können auch ihrem kleinen Bruder Rat geben; die Stimmen, die in seinem Kopf laut werden, kann er noch nicht beherrschen, ist noch zu jung, um mit dieser Gabe umgehen zu können, mit den plötzlichen Vorahnungen, über die er mit niemandem sprechen will...

Während die Protagonisten es in ihren Dialogen weitgehend vermeiden, aus dem sicheren Kokon von Redewendungen und witzigem Geplauder auszubrechen, schimmert doch immer wieder durch, wovon sie eigentlich sprechen wollten, wäre der Graben zwischen dem Herzen und den Worten nicht so groß.

In ihren Gedanken aber, die ganz behutsam, poetisch formuliert sind, findet man zutiefst verunsicherte, verletzliche Individuen wieder, die sich mit den elementaren Lebensfragen auseinandersetzen.

Die Selbstverständlichkeit, mit der Banana Yoshimoto hier eine Welt mit einfließen lässt, die der von uns begriffenen Realität fern liegt, übt einen ganz besonderen Zauber aus.

Ein wirklich schönes Buch, mit nachdenklich stimmenden Passagen - aber auch fast schon wieder zu viel.

Banana Yoshimoto

Banana Yoshimoto, eigentlich Mahoko Yoshimoto, geb. 24.7.1964, lebt in Tokio. In ihrer Heimat ist sie mit ihren Büchern zum Jugendidol avanciert. Sie erhielt bereits zahlreiche Literaturpreise.

Auszug aus dem Titelverzeichnis:





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