Irvin D. Yalom - Die Reise mit Paula

Originaltitel: Momma and the Meaning of Life. Tales of Psychotherapy
Roman. btb (Bertelsmann Taschenbuch) 2000
319 Seiten, ISBN: 3442726409

Irvin D. Yalom, selbst Psychiater, erzählt hier aus seiner therapeutischen Praxis; von seinem eigenen gespannten Verhältnis zu seiner Mutter, die sich zeitlebens für andere aufgeopfert hatte - und für die er sich dennoch immer geschämt hatte;

von einer krebskranken Patientin, Paula, die mit ihrem unbändigen Lebenswillen, ihrer Kraft und Energie, zur Mentorin wird, die ihn lehrt, wie viel Leben auch nach der schrecklichen Diagnose noch möglich ist;

von Gruppensitzungen im Klinikalltag, unter denkbar ungünstigsten Voraussetzungen und natürlich immer wieder von der Sterbebegleitung, die damals, in den Siebzigerjahren, noch ein Tabu war.

In zwei fiktiven Geschichten begegnet man dann Ernest Lash aus der "Roten Couch" wieder - dessen Therapieversuch in der einen Geschichte durch das unbeabsichtigte Mithören eines Gesprächs plötzlich eine ganz andere Wendung erhält, und der in der anderen Geschichte nicht seinen Patienten, sondern die Frau, die dieser verlassen hat, heilen will.

Wenn Yalom über seine Arbeit mit Patienten berichtet, die im Sterben liegen, die in dieser Situation ihn, den Therapeuten, noch etwas lehren über Menschlichkeit, Güte, Lebensmut, dann ist das sehr bewegend zu lesen.

Ansonsten muss ich aber zugeben, dass mir der fiktive Yalom wesentlich lieber ist, der sich in den letzten beiden Erzählungen mit Dr. Lash ja auch wieder zeigt. Hier ist der Abstand zum Alltag des Therapeuten größer, hier kommt auch der Humor und ein gesunder Schuss Selbstironie durch, den ich an diesem Autor sehr schätze.

Irvin D. Yalom

Dr. Irvin D. Yalom lehrt Psychiatrie an der Universität Stanford. Er ist der Autor von Lehrbüchern der Psychotherapie sowie von "Die Liebe und ihr Henker. Und andere Geschichten der Psychotherapie".

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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