Irvin D. Yalom - Und Nietzsche weinte

Originaltitel: When Nietzsche Wept
Roman. btb (Bertelsmann Taschenbuch) 1994
444 Seiten, ISBN: 3442720117

Josef Breuer ist mit seiner Frau gerade auf Urlaub in Venedig, als er mit einer außergewöhnlichen Bitte konfrontiert wird: Die junge Russin Lou Salome überredet ihn, den unbekannten Philosophen Friedrich Nietzsche von seiner krankhaften Liebe zu ihr zu heilen - ohne dass dieser etwas davon ahnt.

Auf Breuer ist sie gestoßen, weil er schon einmal eine Patientin mit einer "Redekur" geheilt hatte - diese soll er nun auch auf Nietzsche anwenden.

Was Lou Salome natürlich nicht weiß: Breuer ist dieser Patientin hoffnungslos verfallen, er ist geradezu besessen von ihr. Um seine Ehe zu retten, musste er diesen Fall auch abgeben.

Nietzsche erscheint tatsächlich in Breuers Praxis, doch ist er nicht bereit, über seine Probleme zu reden. Nur mit einer List gelingt es Breuer, ihn überhaupt in Wien festzuhalten; er bittet Nietzsche, ihn, Breuer, von seiner Verzweiflung und Besessenheit zu heilen.

Anfangs versucht Breuer auf diesem Wege Nietzsche zum Reden zu bewegen - doch mehr und mehr wandelt sich das Verhältnis, und er wird wirklich zum Patienten...

Es muss damals wirklich sehr sehr spannend gewesen sein, als die Psychoanalyse entwickelt wurde - und es war schön, dabei zuzusehen!

Eine kurzweilige Lektüre, die trotzdem viel Stoff zum Nachdenken bietet, klasse Dialoge zwischen Breuer und Nietzsche - und auch zwischen Freud und Breuer.

Wie viel von dieser Geschichte auf Tatsachen beruht, ist im Nachwort noch angeführt - sogar ein Bild, das im Buch eine große Rolle spielt, ist abgebildet.

Sehr empfehlenswert!

Irvin D. Yalom

Dr. Irvin D. Yalom lehrt Psychiatrie an der Universität Stanford. Er ist der Autor von Lehrbüchern der Psychotherapie sowie von "Die Liebe und ihr Henker. Und andere Geschichten der Psychotherapie".

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©01.01.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing