Wolf Wondratschek - Die große Beleidigung

Originaltitel: Die große Beleidigung
Erzählung(en). dtv Der TaschenbuchVerlag 2002
143 Seiten, ISBN: 3423130598

Es gibt Bücher, die schlägt man auf, liest und liest und liest und liest, findet manchmal durchaus interessante Sätze, liest eigentlich weiter, weil man wissen will, ob es da noch etwas wie einen Plot gibt, und stellt dann am Ende fest, dass man eigentlich an keiner einzigen Stelle begonnen hat, sich dafür zu interessieren, was die Protagonisten der vier Erzählungen antreibt, ja, was in diesen Texten überhaupt mit ihnen passiert - so ging es mir mit dem Erzählband von Wolf Wondratschek.

Der Anfang der ersten Erzählung, "Giotto", war eigentlich vielversprechend: "Plötzlich war da dieser Satz. "Ich möchte etwas schaffen, das ich, ohne mich zu schämen, Giotto zeigen könnte.". Da wollte ich dann auch wissen, wer eigentlich Giotto war, und was man den schaffen wollte, um es ihm zeigen zu können, blieb dann aber an Abschweifungen und Satzgetümen kleben, bis die Erzählung zu Ende und ich nicht wirklich schlauer war. Was er dann in "Die Erfindung eines glücklichen Menschen" den Autor einer Erzählung sagen lässt, "Sätze schienen sich (ohne Einmischung des Autors) miteinander unterhalten, oder, kaum vernehmbar, in Erinnerungen schwelgen zu wollen, natürlich ohne die geringste Lust, sich kurz zu fassen" passt für mich exakt auf den Eindruck, den ich nach der Lektüre hatte: ein sehr sprachverliebtes Werk, das für mich aber seltsam hohl blieb.

Ich hatte gehofft, einen Autor für mich entdecken zu können, aber für mich festgestellt, dass ich wohl nicht mehr zu einem Buch Wondratscheks greifen werde; für mich gehört er zu den Autoren, deren Publikum Feuilletonisten und Germanisten sind, für die die Entdeckung eines intertextuellen Bezugs mehr wiegt als das, was eigentlich erzählt wird.

Wolf Wondratschek

Wolf Wondratschek, geboren 1943 in Rudolstadt/Thüringen, lebt heute in München

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Das könnte Sie interessieren:

Javier Marias - Die sterblich Verliebten

Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©10.05.2003 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2010 LESELUST Daniela & Markus Brezing