Leon de Winter - Zionoco

Originaltitel: Zionoco
Roman. Diogenes 1997
414 Seiten, ISBN: 3257230176

Wenn man bedenkt, dass Sol Meyer vor 10 Jahren gerade wieder pleite gegangen war, sich mit Alkohol zugeschüttet hatte und eigentlich nur noch auf das Finale wartete, war seine heutige Lage gravierend besser.

Er war Rabbi an einer der wichtigsten Synagogen Manhattans, mit einer unglaublich reichen und dazu noch schönen Frau verheiratet, dank seines rhetorischen Geschicks auch bei Vorträgen und Kongressen gerne gesehen - also jede Menge Gründe, zufrieden zu sein.

Und doch. In seiner Ehe war der Wurm drin, seit sie krampfhaft versuchten, ein Kind zu zeugen, seiner Karriere hatte er mit einem etwas zu scharfen Artikel gegen die Chassidim, die orthodoxen Juden, auch nicht unbedingt einen Schubs gegeben - aber vor allem war da diese Frau, die er im Flugzeug kennen gelernt hatte, und der er nun unbedingt wieder begegnen will.

Ein Schritt, der sein Leben entscheidend verändert - und ihn schlussendlich nach Südamerika trägt, an den Ort, an dem sein Vater ums Leben kam....

Leon de Winter schafft es normalerweise spielend, mich in seinen Bann zu ziehen, mich mit seinen Büchern, die immer mehr sind als reine Unterhaltung, zu fesseln.

Diesmal ist es ihm nicht wirklich gelungen. Schon der Beginn zog sich sehr, es dauerte lange, bis ein wenig Tempo in die Geschichte kam.

Zudem wirkte alles ein wenig an den Haaren herbeigezogen; das Ende im Urwald ganz besonders.

Von diesem Autor bin ich besseres gewohnt!

Leon de Winter

Leon de Winter, geboren 1954 in 's-Hertogenbosch als Sohn niederländischer Juden, ist Filmemacher und seit 1976 freier Schriftsteller, dessen Romane nicht nur in den Niederlanden überwältigende Erfolge erzielen. Er ist mit der Schriftstellerin Jessica Durlacher verheiratet.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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