Originaltitel: De Hemel van Hollywood
Roman. Diogenes 1998
365 Seiten, ISBN: 3257231431

Als der einst vielversprechende Schauspieler Tom Green nach Verbüßen einer Haftstrafe nach Hollywood zurückkehrt, hat er noch knapp zweihundert Dollar in der Tasche und kaum eine Perspektive. Zufällig trifft er auf zwei Schauspielerkollegen, die wie er schon bessere Tage gesehen haben: den sechzigjährigen Jimmy Kage und den siebzigjährigen Oscar-Preisträger Floyd Benson, der sein Brot jetzt als Installateur von Alarmanlagen verdient.
Bei einer nächtlichen Sauftour stoßen die drei am Hollywood Sign auf einen übel zugerichteten Toten, der einem von ihnen kein Unbekannter ist: Floyd Benson vermutet, daß der Tod des kleinen Gangsters Tino mit einer Riesensumme Geld und mafiosen Machenschaften in Zusammenhang steht.
Die drei sympathischen Loser planen den Coup ihres Lebens, bei dem sie diesmal um ihr Leben schauspielern müssen – ohne Textbuch und ohne Kamera.
Ich mag Bücher, die man nicht eindeutig einem Genre zuordnen kann, die man auf verschiedenen Ebenen lesen kann. Und ich mag die Bücher von Leon de Winter.
Man kann nicht sagen, daß er in einer besonders kunstvollen Sprache schreibt, seine Sprache ist Mittel zum Zweck, sie transportiert den Inhalt und ist ansonsten unauffällig. (Und zwischendurch tut mir das ganz gut. )
Der Aufbau des Romans ist aber schon mit einiger Raffinesse angelegt. Über die Schilderungen der Kehrseite der glitzernden Hollywood-Fassade wird man langsam in die Geschichte hineingezogen, schließt die liebenswerten Antihelden ins Herz und gerät mit ihnen unversehens mitten in diese skurrile Geschichte hinein, die bei aller realistischen Beschreibung immer ein wenig unwirklich erscheint.
Daß am Ende des Buches alles komplett umgekehrt wird, und niemand mehr weiß, was nun wirklich passiert ist, ist die Krönung dieses Spiels um Schein und Sein vor dem Hintergrund der Scheinwelt Hollywood.
Da paßt dann auch alles zusammen (bzw. nicht mehr zusammen): Selbst die Namen stimmen nicht mehr und von Greens Kindheit erfahren wir, daß nichts echt wahr: ihm wurden Schein-Eltern und eine Schein-Religion übergestülpt.
Das Buch ist wie ein guter Film: Es ist spannend bis zum Schluß, es hat Szenen bei denen man nur köpfschüttelnd denkt: „Das gibt’s doch einfach nicht!“ es steckt voller Überraschungen und gibt doch auch einiges zu denken. Außerdem kommt der Humor nicht zu kurz.
Leon de Winter, geboren 1954 in 's-Hertogenbosch als Sohn niederländischer Juden, ist Filmemacher und seit 1976 freier Schriftsteller, dessen Romane nicht nur in den Niederlanden überwältigende Erfolge erzielen. Er ist mit der Schriftstellerin Jessica Durlacher verheiratet.
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