Originaltitel: Easier to Kill
Krimi. Diogenes 2002
267 Seiten, ISBN: 3257233280

Gelegentlich hat ihre Kindheit in den schwarzen Mietskasernen auch etwas Gutes: Dann nämlich, wenn jemand, der sich so wie sie daraus befreien konnte, plötzlich die Dienste eines Privatdetektivs benötigt. Und sich darauf verlassen will, dass da jemand vor einem steht, der weiß, was das bedeutet, und der diskret ist.
Diskret und zuverlässig ist sie immer schon gewesen, Tamara Hayle - und integer. So hatte sie vor Jahren ihren Polizeidienst quittiert, weil sie nicht mehr mit ansehen konnte, wie junge Schwarze nur ihrer Hautfarbe wegen von ihren Kollegen verprügelt wurden. Ihr Leben als Privatdetektivin war zwar nicht gerade einfach, vor allem an Geld fehlte es immer wieder, aber die gewonnene Freiheit entschädigte sie dafür.
Die Frau, die so wie sie den Weg nach oben geschafft hatte, war Mandy Magic, die bekannteste Radiostimme in dieser Gegend. Seltsame Briefchen erhielt sie in der letzten Zeit, keine wirklichen Drohungen, nur beunruhigende Mitteilungen. Und nein, sie glaubt selbst nicht, dass das etwas mit dem Mord an ihrem Friseur zu tun haben könnte; schließlich war dieser in einer Strichergegend wahrscheinlich das Opfer einer Räuberbande geworden.
Stutzig machten Tamara Hayle vor allem die Menschen in der engen Umgebung Mandy´s: außer dem ermordeten Friseur gab es da eine Freundin seit Kindertagen, eine Adoptivtochter, und den Sohn eines bekannten Arztes, der selbst noch nichts nennenswertes geleistet hatte. Alle gingen sie selbstverständlich aus und ein in Mandy´s Haus - aber untereinander misstrauten sie sich und hassten sich, wie Tamara bald herausfinden konnte.
Warum lungerte ein stadtbekannter Zuhälter immer wieder vor Mandy´s Tür herum? Und was hatte Pauline, Mandy´s beste Freundin an dem Abend noch gesehen, als sie Tamara zu erreichen versucht hatte - und dann erdrosselt wurde?
Wie immer bei Valerie Wilson Wesley werden die Nachforschungen nicht unbedingt auf konventionellen Wegen geführt; die Tatsache, dass auch Tamara nicht mit dem Silberlöffel im Mund geboren war, hatte ihr noch einige Kontakte zu etwas zwielichtigen Gestalten gelassen. Was sie hier über Mandy herausfindet, lässt sie rasch erkennen, warum diese ihre Vergangenheit so gerne unter Verschluss halten wollte; nicht alles davon würde man gerne in seinem Lebenslauf präsentieren.
Aber eine Serienfigur lebt ja vor allem auch durch ihr Privatleben. Während ihr Sohn Jamal, der in den letzten Teilen schon mal Probleme gemacht hatte, diesmal eher im Hintergrund bleibt, ist es ihr bester Freund Jake, der Tamara wirklich Kummer macht. Eine engere Freundschaft als die ihre war kaum denkbar - aber eigentlich, und das wissen sie beide, knistert es auch unglaublich. Doch Jake ist verheiratet, er liebt seine Frau - auch wenn diese kaum mehr die Partnerin ist, für die er sich entschieden hatte. Sie ist krank. Und jetzt hat Jake eine sexuelle Beziehung zu einer anderen Frau, an der ihre Freundschaft zu zerbrechen droht.
Ein Krimi, flott und mit hartem Rhythmus geschrieben, rau und melodiös - Amerikas erste schwarze Privatdetektivin vertreibt einem die Zeit auf höchst angenehme Weise, auch wenn nach der Auflösung des Falles noch ein paar Fragen offen bleiben.
Valerie Wilson Wesley, geb. 22.11.1947, ist Redakteurin bei der Zeitschrift Essence. 1993 erhielt sie den Griot Award from the New York Chapter of the National Association of Black Journalists. Sie hat zwei erwachsene Töchter und ist mit dem Drehbuchautor und Dramatiker Richard Wesley verheiratet.
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