Valerie Wilson Wesley - Es wird alles anders bleiben

Originaltitel: Ain´t Nobody´s Business If I Do
Roman. Diogenes 1999
420 Seiten, ISBN: 325723371X

Nein, Hutch ist nicht einfach Zigaretten holen gegangen und ward nicht mehr gesehen. Aber eine Erklärung konnte er seiner Frau Eva auch nicht geben, warum er ohne Vorwarnung, ohne einen Grund mitten in der Nacht seinen Koffer gepackt und sie verlassen hatte. Es gäbe keine Freude mehr in seinem Leben, lautet seine Begründung.

Sein alter Freund Donald bietet ihm in der ersten Zeit Quartier an. Verschiedener könnten die beiden Männer nicht sein; Donald, der Frauenheld, mit seiner schönen und klugen Frau Raye. Völlig unverständlich, warum sie es sich immer wieder gefallen lässt, belogen und betrogen zu werden - völlig unverständlich vor allem auch für Hutch, der sich selbst dafür verabscheut, dass er sich von Donald einmal in seiner langen Ehe zu einer Affäre hat überreden lassen.

Die erste Zeit ist hart für Eva. Sie ist es nicht mehr gewohnt, alleine zu leben, seit Hutch in ihr Leben getreten ist, seit er sich mit ihr gemeinsam um ihre Tochter gekümmert hat, dieses Haus gebaut hat und immer dafür gesorgt hat, dass alles funktioniert. Sie ist, erkennt sie mir Schrecken, zu einer dieser Frauen geworden, die in allem von ihrem Mann abhängig sind.

Und dann plumpst plötzlich auch noch dieser junge Mann in ihr Leben. Ein Musiker - und der frühere Liebhaber ihrer Tochter. Unmöglich, diese Beziehung, das findet nicht nur Hutch, als er zufällig entdeckt, dass Eva sich bereits getröstet hat. Unmöglich findet diese Beziehung vor allem Charlie, Evas Tochter. So unmöglich, dass sie ihre Mutter vor aller Welt bloßstellt.

Und so verwirren, verwickeln und lösen sich die Familiendramen; Hutch muss feststellen, dass sein Sohn homosexuell ist, dass er damit nicht umgehen kann; Eva muss sich nicht nur an ein Leben als selbständige Frau, die ein Recht auf ihre Privatsphäre, ja, auch auf einen der Tochter nicht genehmen Liebhaber hat gewöhnen, sondern auch daran, dass auch ihr eigener Vater dieses Recht für sich einfordert.

Wer Valerie Wilson Wesley kennt, kennt auch Tamara Hayle, die von ihr geschaffene erste schwarze Privatdetektivin. Wer jetzt allerdings zu "Es wird alles anders bleiben" greift in der Hoffnung, nun den fünften Fall der Serie in Händen zu halten, wird genauso überrascht sein wie ich, dass sich die Handlung nicht und nicht zu einem Krimi entwickeln will, und dass auch die sehnsüchtig erwartete Tamara nicht erscheint. Und spätestens am Ende des Buches möchte man der Autorin nur raten: bitte, lass uns nächstes Mal wieder einen Krimi lesen!

Denn dieser Roman hier erfüllt alle Klischees, die man sich nur vorstellen kann, da wird wirklich nichts, aber auch gar nichts ausgelassen. Und zwischendurch kräftig auf die Tränendrüse gedrückt. Zu Beginn klingt auch noch sehr stark die saloppe Sprache durch, die man von Valerie Wilson Wesleys Krimis kennt; gegen Ende versucht sie, wesentlich gefühlvoller zu werden. Leider!

Valerie Wilson Wesley

Valerie Wilson Wesley, geb. 22.11.1947, ist Redakteurin bei der Zeitschrift Essence. 1993 erhielt sie den Griot Award from the New York Chapter of the National Association of Black Journalists. Sie hat zwei erwachsene Töchter und ist mit dem Drehbuchautor und Dramatiker Richard Wesley verheiratet.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©06.08.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing