Originaltitel: Bleiweiß
Roman. CH Beck Verlag 2000
221 Seiten, ISBN: 3406466060

Was könnte jemals an diese Sommer der Kindheit heranreichen? 6 Wochen absolute Freiheit, Sonne draußen herumtollen, sich nicht waschen müssen, auf Entdeckungsreisen gehen - das Paradies.
Das Paradies steht jetzt, Jahrzehnte später, zum Verkauf. Schon vor der Wende hatten Folkes Ostverwandte die Fabrikantenvilla nicht mehr halten können. Nur Ernst, der Sohn des zwangsweise einquartierten Mieters, wohnt noch da. Ausgerechnet Ernst, den sie aufgrund seiner Behinderung nie mitspielen ließen.
Nun überlegt Folke, seine Erinnerungen zurückzukaufen - doch erst muss er sich anhören, was Ernst zu erzählen hat. Denn die Sommer, an die Ernst sich erinnert, trüben das Idyll. Er, der Außenseiter, hatte scharfe Augen - und so manche Konflikte bemerkt, die Folke nicht einmal geahnt hätte. Vor allem aber stellt er Folke immer wieder die Frage: Was war wohl der Grund gewesen, warum wollte Folkes Mutter jeden Sommer diese beschwerliche Reise vom Westen zurück über die Grenze in den Osten kommen? Und immer ohne ihren Ehemann?
Eine wunderbare Kindheitsschilderung, ein Idyll, das man mit Händen meint greifen zu können. Und doch schon leise die Risse und Sprünge spürt.
Was Ernst dann allerdings unter Gewaltandrohung zu erzählen hat, gerät etwas zu geschwätzig - und ist zudem schon lange vorhersehbar.
Schade, denn die erste Hälfte war noch sehr vielversprechend. Gut erzählt ist die ganze Geschichte, nur trägt ab der Mitte der Plot nicht mehr wirklich.
Gabriele Weingartner, 1948 in Edenkoben / PFalz geboren, hat Germanistik und Geschichte in Berlin und Cambridge / Mass, studiert. Heute lebt sie als freie Kulturjournalistin und Literaturkritikerin im pfälzischen St. Martin.
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