Michael Wallner - Finale

Originaltitel: Finale
Roman. Rowohlt Berlin Verlag 2003
188 Seiten, ISBN: 3871344729

Es war nach vielen Jahren sein erster Besuch in Wien; eine Visite beim Arzt, der Besuch bei seinem alten Freund Moldauer, ein schönes Konzert - und danach wieder zurück nach Italien, seinem Wohnsitz, seit er sich aus dem Management des Tourneeorchesters zurückgezogen hatte.

Das Konzert an der Philharmonie war ausverkauft; aber an der Kasse saß immer noch eine alte Bekannte, die ihm einen vertrauten Weg wies, und dann - dann sah er Klara. Klara, wie einst an der Violine - und doch durfte sie es nicht sein, konnte sie es nicht sein - denn Klara war tot.

Ja, eine Ähnlichkeit wäre durchaus da, meinte auch Moldauer; er solle sich aber nicht in diese Idee verrennen, sondern lieber den Arzt zurückrufen, der wohl nun die Untersuchungsergebnisse vorliegen hatte. Statt dessen fuhr er lieber nach Ratten, in das Heimatdorf Klaras, wo ihre Großmutter Elisabeth nun wieder lebte; von Klaras letzten Tagen wollte er nun endlich erfahren, erkunden, ob es an ihrem Tod auch nicht den letzten Zweifel noch gäbe; was er hört, ist Wasser auf seine Mühlen.

Und auch wenn ihm die Idee erst unsinnig, nicht zu verwirklichen erschienen war: Alfreds Idee, ein Künstlerfest in Ratten stattfinden zu lassen, wird ihm zur Möglichkeit, seine Klara wieder auferstehen zu lassen...

Was wirklich passiert in diesem kurzen Roman erscheint vielleicht ein wenig weit hergeholt; die tote junge Frau, die vielleicht doch nicht tot ist, und die Versuche, ihr Geheimnis zu lüften. Doch das bildet nur den Rahmen für kleine Seitenhiebe gegen die österreichische Kulturpolitik, speziell seit der "Berntaler" wie er kaum verbrämt genannt wird, an der Macht ist; oder für Betrachtungen über die Mittelmäßigkeit in der Kunst, über Musikerallüren und Betriebsräte, und nicht zuletzt um den Kampf mit dem Tier im Inneren, das den Erzähler aufzufressen droht.

Gut erzählt, eine suggestive Sprache, die dennoch nicht metaphernüberladen ist, interessante Beobachtungen - Michael Wallner ist ein Name, den ich mir merken werde, ein interessanter österreichischer Autor.

Michael Wallner

Michael Wallner, 1958 in Graz geboren, war Schauspieler am Wiener Burgtheater und am Schillertheater Berlin, arbeitete als Opern- und Schauspielregisseur ua in Hamburg, Wien, Bern und Düsseldorf. Heute lebt Michael Wallner als Schriftsteller in Berlin und führt gelegentlich Regie am Burgtheater und anderen Bühnen. Sein 2006 erschienener Roman "April in Paris" wurde in 22 Sprachen übersetzt.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©07.09.2003 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing