Barbara Vine - Astas Tagebuch

Originaltitel: Asta´s Book
Roman. Diogenes 1994
558 Seiten, ISBN: 3257228244

Als Swanny nach Astas Tod deren Tagebücher entdeckt, die diese von 1905 bis 1967 geschrieben hatte, weiß sie sofort, dass sie ein höchst wertvolles Zeitdokument in Händen hält.

Die Tagebücher werden veröffentlicht, mit großem Erfolg in viele Sprachen übersetzt, verfilmt - dabei sind noch gar nicht alle Hefte übersetzt.

Denn Asta hatte ihre Tagebücher auf Dänisch geschrieben, ihrer Muttersprache. Anfang des Jahrhunderts war sie mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen nach England gezogen, ohne die Sprache zu sprechen, und ohne hier jemanden zu kennen.

Astas Mann lässt sie für lange Zeit alleine, um einer weiteren Geschäftsidee hinterherzujagen - obwohl seine Frau hochschwanger ist. Ein Mädchen würde es diesmal werden, davon ist Asta überzeugt; ein Mädchen, das sie lieben kann, dem sie eines Tages vielleicht ebensoviel anvertrauen kann wie ihrem Tagebuch.

Swanny, Astas Tochter, wird im drückendheißen Sommer 1905 geboren; die außergewöhnliche Hitze wird auch für mehrere Mordfälle verantwortlich gemacht, auch ganz in der Nähe werden zwei Frauen tot aufgefunden - und ein kleines blondes Mädchen bleibt für immer verschwunden.

Den Krieg in Europa hält Asta in ihren Tagebüchern ebenso fest wie den wirtschaftlichen Aufschwung, der ihrer Familie ebenso zuteil wird; immer wieder beschreibt sie neben der Mode, den politischen Gegebenheiten auch, wie wenig ihr Mann seine älteste Tochter beachtet. Schon als er sie das erste Mal sah, kommentierte er ihre mangelnde Familienähnlichkeit.

Nach Astas Tod ist es denn auch gerade diese Frage, die Swanny am meisten beschäftigt: ist sie wirklich das Kind ihrer Eltern? Ein anonymer Brief hatte schon Jahre zuvor einen Verdacht in ihr geweckt - und Asta hatte diesen Verdacht nie zerstreut, aber auch nie erzählt, was damals wirklich passiert ist...

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Und auch wenn man zwischendurch immer wieder überzeugt ist, der Lösung ganz nahe zu sein - das letzte Mosaiksteinchen passt dann doch wieder nicht ins Bild.

Es lohnt sich, beim Lesen dieses Buches die konzentrierte Aufmerksamkeit auf den zeitlichen Ablauf, auf die vielen verschiedenen Namen zu richten; flüchtiges Lesen würde hier den Großteil des Lesevergnügens zerstören.

Neben der bereits geschilderten Spannung lohnt es sich aber auch, dieser Familiengeschichte mit all ihren Zugeständnissen an Konventionen, den historischen Einflüssen und natürlich auch emotionalen Bindungen zu Gemüte zu führen; wunderbare Szenen schildert die Autorin beispielsweise, wenn sie die hoffnungslose Liebe zwischen Asta und Harry vor unseren Augen entstehen lässt.

Ein herrliches Buch - ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen, und wünsche dieses Vergnügen noch vielen anderen Lesern!

Barbara Vine

Barbara Vine = Ruth Rendell, geb. 17. 2. 1930 als einziges Kind eines Lehrerehepaares. Arbeitete kurz als Journalistin, war zehn Jahre lang Hausfrau und Mutter, bevor sie 1964 ihren ersten Krimi verkaufte. In den 80ern wurde ihr das Muster der klassischen Whodunit zu eng, und sie fing an, unter einem Pseudonym, eben Barbara Vine (ihr zweiter Vorname und der Mädchenname ihrer Großmutter) psychologisch anspruchsvollere Bücher zu schreiben. 1997 wurde sie zur Baroness Rendell of Babergh ernannt. Unter dem Pseudonym Barbara Vine gewann sie zahlreiche Preise. Sie lebt in Suffolk.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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