Barbara Vine - Das Haus der Stufen

Originaltitel: House of Stairs
Roman. Diogenes 1990
438 Seiten, ISBN: 3257225822

Ganz überraschend sieht Elisabeth Bell auf den Straßen Londons wieder - und ist nicht nur überrascht darüber, dass Bell bereits aus dem Gefängnis entlassen wurde, sondern auch, dass sie sich nicht bei ihr gemeldet hat.

Wobei sie sich nicht sicher ist, ob sie sie jemals wiedersehen möchte - zuviel ist passiert, in jenem Jahr damals, im Haus der Stufen.

Dieses Haus der Stufen hatte sich Elisabeth´s Tante Cosette nach dem Tod ihres Mannes gekauft - sehr zur Überraschung der gesamten Umgebung. Und damit nicht genug: Cosette lädt sich jede Menge junger Leute ein, bei ihr im Haus zu wohnen. Sie, die so reich ist, kommt für sämtliche Kosten auf, das Haus ist ständig voll, es herrscht ein Kommen und Gehen, genau das Leben, dass sie sich gewünscht hatte.

Auch Elisabeth wohnt bei ihrer Tante im Haus, profitiert von den lockeren Umgangsformen dort. Bell hatte sie bei einer Weihnachtseinladung kennen gelernt - damals hatte sich gerade Bells Mann erschossen.

Von der ersten Begegnung an ist Elisabeth mehr als fasziniert von dieser Frau. Überglücklich ist sie deshalb, als auch sie zu Cosette ins Haus der Stufen zieht - und als sie auch ihren Bruder einmal mitbringt, scheint das Glück perfekt, denn dieser junge Mann bringt Cosette nun auch noch das, was sie mehr als alles andere vermisst hatte, die Liebe.

Doch irgendwo liegt noch ein Haken - und dieser Haken macht sich dramatisch bemerkbar....

Nachdem ich dieses Buch gelesen hatte, wollte ich erstmal sofort Henry James´ "Flügel der Taube" kaufen und lesen, so zahlreich sind die Anspielungen darauf in diesem Buch.

Barbara Vine ist es auch hier wieder perfekt gelungen, die einzelnen Charaktere sehr sehr menschlich zu zeichnen, ihre Gedanken und Gefühle transparent und nachvollziehbar zu machen.

Und sie spielt auch hier wieder Katz und Maus mit dem Leser, der von Beginn weg das Verbrechen ahnt, auch die Schuldige ist bekannt - doch der Weg dorthin ist es, der die Spannung nicht abreißen lässt!

Ein guter, spannender Psychokrimi.

Barbara Vine

Barbara Vine = Ruth Rendell, geb. 17. 2. 1930 als einziges Kind eines Lehrerehepaares. Arbeitete kurz als Journalistin, war zehn Jahre lang Hausfrau und Mutter, bevor sie 1964 ihren ersten Krimi verkaufte. In den 80ern wurde ihr das Muster der klassischen Whodunit zu eng, und sie fing an, unter einem Pseudonym, eben Barbara Vine (ihr zweiter Vorname und der Mädchenname ihrer Großmutter) psychologisch anspruchsvollere Bücher zu schreiben. 1997 wurde sie zur Baroness Rendell of Babergh ernannt. Unter dem Pseudonym Barbara Vine gewann sie zahlreiche Preise. Sie lebt in Suffolk.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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