Barbara Vine - Keine Nacht dir zu lang

Originaltitel: No Night is Too Long
Roman. Diogenes 1995
456 Seiten, ISBN: 3257229704

Tim Cornish sitzt in seinem verfallenden Haus in einer kleinen Stadt an der Küste von Cornwall und schreibt sich die Geschichte seines großen Vergehens, seines Verbrechens von der Seele.

Angefangen hatte alles während seiner Studienzeit. Seine laue Beziehung zu einer Mitstudentin, sein generell nicht sehr ausgeprägtes sexuelles Bedürfnis schiebt er auf eine schwache Libido. Bis er eines Tages auf Ivo trifft - einen Mann, der ihn fasziniert und erregt.

Anfangs behält Ivo in dieser Beziehung die Oberhand, entzieht sich, spielt mit Tim. Doch dann macht er einen großen Fehler - er verliebt sich und lässt Tim das auch wissen.

Kurz vor Ende seines Studiums ist Tim deshalb schon sicher, die Beziehung bald beenden zu wollen. Bald - aber noch nicht jetzt, denn Ivo hat ihn zu einer Reise eingeladen. Alaska, die Fjorde, eine Kreuzfahrt, die Ivo als Vortragender begleitet - doch zuvor soll Tim 2 Wochen in einer kleinen Stadt auf ihn warten.

Widerwillig stimmt dieser ein. Doch dann passiert etwas, was er nicht für möglich gehalten hätte - er begegnet Isabel, eine Frau, die ihn vom ersten Augenblick an fasziniert. Zum ersten Mal in seinem Leben spürt er, was es heißt, zu lieben. Die Beziehung zu Ivo, das weiß er nun ganz deutlich, muss er beenden, sofort. Und Isabel darf niemals etwas davon erfahren.

Isabel reist ab, ehe Ivo wiederkehrt. Tim ist zu feige, auf der Stelle mit Ivo zu brechen - doch als sie am Schiff sind, erträgt er es nicht länger, er beichtet alles, beendet die Beziehung.

Ivo gibt nicht kampflos auf. Und so kommt es zu einer hässlichen Szene auf einer einsamen Insel mitten in einem Fjord. Tim tut, was er nie für möglich gehalten hätte - er lässt Ivo bewusstlos alleine zurück....

Von der ersten Seite an war ich gefesselt.

Tim, dieser ausgesprochen gutaussehende junge Mann, lebt sein Einsiedlerdasein, und wird ständig von Ivos Geist bedroht. Überall meint er ihn zu sehen - um gleich wieder festzustellen, dass er sich getäuscht hat. Was sollte auch sonst sein - schließlich weiß er genau, wo und in welchem Zustand er Ivo zurückgelassen hat.

Dann sind da noch diese geheimnisvollen Briefe, die bei ihm eintrudeln - und die alle um ein Thema kreisen, Schiffbruch, einsame Inseln. Wer kann von seinem Verbrechen wissen?

Und so schreibt Tim, um zumindest für kurze Zeit den Selbstvorwürfen Einhalt zu gebieten. Als er in seinem Bericht beim Ende angelangt ist, Ivo auf seiner Insel zurückgelassen wurde, Tim nach Isabel gesucht hatte, sie sogar fand, und trotzdem wusste, mit der Schuld, die er auf sich geladen hatte, würde er nicht mit ihr leben können - da waren vom Buch erst 340 Seiten gelesen. Ich konnte mir nicht vorstellen, was mich auf den nächsten Seiten noch erwarten könnte - und war entsprechend überrascht!

Doch mehr möchte ich hier nicht verraten - außer, dass es sich auch hier um einen guten Psychokrimi, eine wunderbare Liebesgeschichte handelt.

Barbara Vine

Barbara Vine = Ruth Rendell, geb. 17. 2. 1930 als einziges Kind eines Lehrerehepaares. Arbeitete kurz als Journalistin, war zehn Jahre lang Hausfrau und Mutter, bevor sie 1964 ihren ersten Krimi verkaufte. In den 80ern wurde ihr das Muster der klassischen Whodunit zu eng, und sie fing an, unter einem Pseudonym, eben Barbara Vine (ihr zweiter Vorname und der Mädchenname ihrer Großmutter) psychologisch anspruchsvollere Bücher zu schreiben. 1997 wurde sie zur Baroness Rendell of Babergh ernannt. Unter dem Pseudonym Barbara Vine gewann sie zahlreiche Preise. Sie lebt in Suffolk.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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