Barbara Vine - Der schwarze Falter

Originaltitel: The Chimney Sweeper´s Boy
Roman. Diogenes 1999
560 Seiten, ISBN: 3257232616

Gerald Candless, der gefeierte Schriftsteller, stirbt plötzlich an einem Herzinfarkt. Zuvor war er verstört von einem Hotel zurückgekommen, wohin er Gäste begleitet hatte. Für seine Töchter ist sein Tod ein Schock; niemals hatte er seine Herzprobleme ihnen gegenüber erwähnt. Dabei waren sie doch sein ein und alles!

Schon als sie noch klein waren, hatte fast ausschließlich er sich um die beiden Töchter gekümmert. Der ideale Vater - jedoch ein furchtbarer Ehemann. Nein, er hatte seine Frau Ursula nie geschlagen, sie konnte über sein Geld ganz nach Belieben verfügen, konnte alles haben - außer seiner Liebe.

Doch davon hatten die Töchter nichts bemerkt. Und nun, da Sarah eine Biographie über das Leben ihres Vaters schreibt, brauchen sie es auch nicht zu wissen, meint Ursula, und wägt ihre Worte mit Sorgfalt ab, wenn sie von den Anfangsjahren ihrer Ehe erzählt.

Bei den Recherchen über die Familie des Vaters stößt Sarah bald auf eine unglaubliche Tatsache; ihr Vater kann zwar alles mögliche gewesen sein, aber niemals Gerald Candless - denn der ist schon als Kind gestorben.

Wer war er aber dann? Und was hat ihn dazu bewogen, seinen Namen zu wechseln? Etwas ganz Entscheidendes muss passiert sein, als ihr Vater 26 war - und seine wahre Geschichte steckt in seinen Büchern...

Vorsicht Suchtgefahr!

Schon von Beginn weg war ich von der Geschichte gefangen genommen - und diese Spannung hat bis zum Schluss vorgehalten.

Eine Ahnung, was Geralds Motiv dafür gewesen sein könnte, sein altes Leben völlig hinter sich zu lassen, hatte ich schon sehr früh - aber das Warten auf Einzelheiten lohnt sich.

Ein Detail, das mir ausgesprochen gut gefallen hat: Zu Beginn jedes Kapitels wird aus den Büchern des "Gerald Candless" zitiert - Sätze, Details, die eine hervorragende Einstimmung auf die folgende Handlung sind.

Mehr möchte ich hier gar nicht verraten; ein Barbara Vine der Spitzenklasse!

Barbara Vine

Barbara Vine = Ruth Rendell, geb. 17. 2. 1930 als einziges Kind eines Lehrerehepaares. Arbeitete kurz als Journalistin, war zehn Jahre lang Hausfrau und Mutter, bevor sie 1964 ihren ersten Krimi verkaufte. In den 80ern wurde ihr das Muster der klassischen Whodunit zu eng, und sie fing an, unter einem Pseudonym, eben Barbara Vine (ihr zweiter Vorname und der Mädchenname ihrer Großmutter) psychologisch anspruchsvollere Bücher zu schreiben. 1997 wurde sie zur Baroness Rendell of Babergh ernannt. Unter dem Pseudonym Barbara Vine gewann sie zahlreiche Preise. Sie lebt in Suffolk.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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