Barbara Vine - Schwefelhochzeit

Originaltitel: The Brimstone Wedding
Roman. Diogenes 1997
440 Seiten, ISBN: 3257231024

Die Schwefelhochzeit ist der dreizehnte Hochzeitstag. Das hat Jenny von ihrer Mutter gelernt, wie viele andere Dinge auch, die Glück oder Unglück bringen können. Und dieser dreizehnte Hochzeitstag steht ihr nun ins Haus.

Jenny arbeitet als Pflegerin in einem Altenheim für Betuchte. Eigentlich ist sie ja für alle zuständig; doch Stella ist ihr ganz besonders ans Herz gewachsen. Im Gegensatz zu den anderen achtet Stella peinlich genau auf ihr Äußeres, aber der größte Unterschied: sie spricht nicht von ihrer Vergangenheit. Bislang zumindest nicht; doch ihre Zeit wird knapp, sie hat Lungenkrebs und nicht mehr lange zu leben.

Als sie Jenny bittet, in ihrem Haus im Ort nach dem Rechten zu sehen, ist diese erst sehr verwundert. Keines der beiden Kinder Stellas wisse von diesem Haus, und sie sollten auch nach Möglichkeit nichts davon erfahren.

Für Jenny öffnen sich mit dem Schlüssel zum Haus neue Möglichkeiten; bisher hatte sie sich mit Ned, ihrem Geliebten, nur im Freien treffen können. Ned drängt ja immer darauf, sie möge doch endlich ihren Mann verlassen, mit ihm zusammenziehen - doch er hat eine asthmakranke Tochter, Jenny bringt es einfach nicht über sich, ihr den Vater wegzunehmen.

Auch Stella hat nicht den Mann geliebt, den sie geheiratet hatte, sondern ihren Schulfreund Alan - der allerdings selbst mit der bekannten Schauspielerin Gilda verheiratet war.

Scheidung war unmöglich. Auch nachdem Stellas Mann gestorben war, blieb wenig Hoffnung darauf, zusammenleben zu können. Es war nur eine Gedankenspielerei - doch nach Gildas Tod wäre alles möglich......

Wie macht sie das nur?

Morde im üblichen Sinn passieren nicht in diesem Buch - doch es ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite.

Es dauert eine Weile, bis man von Stella ein paar Kleinigkeiten zu ihrer Vergangenheit erfährt. Zum Teil erzählt sie sie Jenny direkt - den Rest nimmt sie auf Kassetten auf, die Jenny nach ihrem Tod erhält.

Somit liest man den Bericht zweier Ich-Erzählerinnen; der Wechsel zwischen den beiden ist auch sprachlich deutlich erkennbar. Jenny, die keine Ausbildung hat, sich selbst durch das Lesen von Lexika weiterbildet; im Gegenzug Stella, die aus einer anderen Zeit stammt.

Manchmal genügt der Gedanke an eine Tat, ihn laut auszusprechen, um jegliches Vertrauen zu zerstören. Den Verfall, das Ende der Beziehungen zu beschreiben, ist Barbara Vines große Stärke.

Detail am Rande: ob die Ähnlichkeit mit lebenden Personen wohl unbeabsichtigt war? Die Beziehung zwischen Stellas Mann und der hässlichen, älteren, nicht präsentablen Geliebten hat mich schon sehr stark an die jüngste britische Geschichte erinnert...

Ein Buch, das man am liebsten auf der Stelle verschlingen möchte, mit dem man nicht mehr aufhören kann.

Barbara Vine

Barbara Vine = Ruth Rendell, geb. 17. 2. 1930 als einziges Kind eines Lehrerehepaares. Arbeitete kurz als Journalistin, war zehn Jahre lang Hausfrau und Mutter, bevor sie 1964 ihren ersten Krimi verkaufte. In den 80ern wurde ihr das Muster der klassischen Whodunit zu eng, und sie fing an, unter einem Pseudonym, eben Barbara Vine (ihr zweiter Vorname und der Mädchenname ihrer Großmutter) psychologisch anspruchsvollere Bücher zu schreiben. 1997 wurde sie zur Baroness Rendell of Babergh ernannt. Unter dem Pseudonym Barbara Vine gewann sie zahlreiche Preise. Sie lebt in Suffolk.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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