Originaltitel: Román pro zemy
Roman. Deuticke 2002
230 Seiten, ISBN: 3216306267
Was macht man, wenn die Exfreundin nicht mehr mit einem reden will? Und man festgestellt hat, dass man sie immer noch liebt und nicht kampflos aufgeben möchte? Wenn man dazu noch Werbetexter ist, wie Oliver - auch dann ist die Idee sehr ungewöhnlich, eine Werbetafel in der Metro zu mieten und hier die Liebesbriefe an die Geliebte zu veröffentlichen, die sie sonst ungeöffnet zurückschicken würde.
Es hatte schon kompliziert begonnen; denn als Laura Oliver kennen gelernt hatte, war sie eigentlich mit ihrem Freund Rickie im Urlaub. Und er war immerhin bereits 40 - während sie gerade erst Anfang 20 war. Nein, keine guten Voraussetzungen.
Dass sich dann auch noch herausstellt, dass Oliver die erste große Liebe von Lauras Mutter war, scheint das Fiasko perfekt. Und doch: das ist noch nicht das Ende. Dazwischen gilt es noch, auch das Liebesleben der Mutter und der besten Freundin amüsiert mit zu verfolgen.
Und dann fahren Oliver und Laura wieder an den Ort, an dem alles begann. Und da ist plötzlich auch dieser Mann auf der Jacht...
Leicht und amüsant zeigt sich der Autor hier; eine einfache kleine Liebesgeschichte, inspiriert durch die Briefe, die 1999 in der Prager Metro ein verzweifelter A. an seine Marie schrieb. Ganz in der Tradition der klassischen Liebesromane wird hier erzählt vom Warten auf einen Anruf, eine SMS, die Schwierigkeiten, dem interessanten Mann die eigene Telefonnummer zuzuspielen, wenn der aktuelle Freund doch die ganze Zeit dabei sitzt und eifersüchtig über einen wacht, oder auch morgens um 5 verheult bei einer Freundin einzutreffen, um sich über die Schlechtigkeit der Männer auszutauschen.
Das alles ist mit sehr leichter Feder geschrieben; man vergnügt sich beim Lesen, amüsiert sich über die eine oder andere Anspielung, und hätte das Buch am Ende mit einem Grinsen beiseite gelegt (und wohl auch rasch wieder vergessen) wenn... ja, wenn der Schluss nicht wäre.
Da scheint dem Autor nicht mehr viel eingefallen zu sein, und der gute Einfall verpufft irgendwie in der Luft, wird aus der Konstellation der Geschichte heraus sogar ziemlich unglaubwürdig. Krampfhaft werden die wichtigsten Handlungsstränge zu einem Ende geführt - und dieses verpatzte Ende, das ist es dann, was man sich vom Buch am Ende merkt. Schade drum!
Michal Viewegh, geb. 1962 in Prag, arbeitete nach einem abgebrochenen Wirtschaftsstudium als Nachtwächter und studierte anschließend Tschechisch und Pädagogik. Er lebt heute als freier Schriftsteller in Prag.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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