Sandro Veronesi - Sein anderes Leben

Originaltitel: La Forza del passato
Roman. C. Bertelsmann Verlag 2001
253 Seiten, ISBN: 3570005054

Was wissen wir eigentlich über unsere Eltern? Wissen wir, wer sie wirklich sind, welche Ideale sie haben, woran sie glauben, wovon sie träumen? Mit mehr oder weniger Sicherheit würden jetzt die meisten von uns wahrscheinlich antworten: Ja, natürlich kenne ich meine Eltern! Auch der Kinderbuchautor Gianni Orzan hätte diese Frage so beantwortet. Er war zwar seinem Vater nie sehr nahe gestanden, ganz im Gegenteil - sie hatten sich die meiste Zeit nur gestritten, sowohl über Politik als auch über alles, was sonst noch möglich war; aber ihn nicht kennen? Nein, das nicht.

Giannis Vater war nun tot. Es war noch nicht lange her, seit er gestorben war, und er litt seither unter starken Schuldgefühlen. Auch Schreiben konnte er seither nicht mehr wirklich. Und dann taucht eines Tages ein Mann in seinem Leben auf. Auf sehr merkwürdige Weise drängt dieser sich in sein Leben; als Schwarztaxifahrer getarnt, versetzt er Gianni zuerst in Angst und Schrecken - und versetzt ihm kurz danach einen Stoß, der sein ganzes Leben aus der Bahn wirft.

Denn dieser fremde Mann will ihm weismachen, dass sein Vater für die KGB gearbeitet hatte; sein ganzes Leben lang. Die Details, die dieser Fremde aus Giannis Leben kennt, kann er nur von seinem Vater haben; sollte also etwas dran sein an diesen Geschichten?

Einen sehr interessanten, komplexen Entwurf präsentiert uns der Autor mit diesem Buch; aber leider blieb es für mich auch beim Entwurf. Immer dann, wenn man sich als Leser gewünscht hätte, der Autor möge weitererzählen, die psychischen Verwirrungen, die diese Nachricht auslöst, vertiefen; aber er macht es nicht. So bleibt all dies leider ziemlich an der Oberfläche; es werden zwar Fragen gestellt, doch die Antworten darauf interessieren nicht.

Sandro Veronesi

Sandro Veronesi, geboren 1960, gilt in Italien als einer der bedeutendsten Autoren seiner Generation. Der Roman "Sein anderes Leben" gewann die wichtigsten Literaturpreise Italiens (Premio Campiello und Premio Viareggio) und stand monatelang auf den Bestsellerlisten.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


Neues aus dem LESELUST-Blog

Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

Link zum Diskussionsforum

©05.12.2001 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2013 LESELUST Daniela & Markus Brezing