Originaltitel: Fehlende Teile
Erzählung(en). S. Fischer Verlag 1992
111 Seiten, ISBN: 3596137845
Lila ist ziemlich sicher eine zierliche, ausgesprochen attraktive Frau. Vielleicht ist sie auch Schauspielerin. Vielleicht fährt sie deshalb immer wieder nach Bremen – oder in letzter Zeit nach Recklinghausen. Vielleicht hat sie dort auch ein Verhältnis mit einem Dänen – vielleicht aber auch nicht. Auf jeden Fall nimmt sie immer halbvertrocknete Sträuße mit Margariten mit nach Hause – damit sich der Fliederstrauß im Februar dagegen besser abhebt, den der vielleicht blinde Mann für sie besorgt hat.
Lila weigert sich zu begreifen, dass Katzenstreu im Menschenklo nur Verstopfungen verursacht, will keine Steuererklärungen machen und die Wohnung soll sich ohne sie aufräumen. Und sie glaubt an Heinzelmännchen, denn jedes Mal wenn sie zurückkommt, ist alles am rechten Platz, und Blumen warten auf sie. Schönere, als sie mitnimmt, schönere als der vertrocknete Strauß, der dann unbeachtet an der Garderobe liegt.
Lila hätte gerne ein Haus am Wasser, um dort alleine spazieren gehen zu können, oder auch zu zweit, je nach dem. Lila hat es manchmal auch satt, aus dem Kaffeehaus anzurufen, um zu sagen, sie wäre beim Friseur, um dann deutlich nicht beim Friseur gewesen zu sein, wenn sie heimkommt.
Aber der Mann hat ein Vorstellungsvermögen, und das will genährt werden, daher auch die Briefe, die offen herumliegen, damit der vielleicht
blinde Mann sie nicht öffnet.
Auch wenn mir ihre anderen Bücher bislang besser gefallen haben – Birgit Vanderbekes ausgeprägter Stil kommt hier sehr deutlich zum Ausdruck.
Es ist ein Spiel mit Verdachtsmomenten, um die Spannung in der Beziehung aufrecht zu erhalten, ein Spiel mit Schein und Wirklichkeit; und dazwischen versteckt sind kleine, feine Beobachtungen, die man an Birgit Vanderbeke so schätzt, und die ihren ganz besonderen Reiz ausmachen.
Birgit Vanderbeke, 1956 im brandenburgischen Dahme geboren, lebt in Südfrankreich. Für ihre erste Erzählung, "Das Muschelessen", wurde sie 1990 mit dem Ingeborg-Bachmann Preis ausgezeichnet.
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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