Originaltitel: Ich will meinen Mord
Erzählung(en). S. Fischer Verlag 1995
109 Seiten, ISBN: 3596159253

Eine Schriftstellerin sitzt im Zug nach Berlin, um sich dort mit ihrem Verleger zu treffen.
Ihre Bücher hätten zu wenig Leser, erklärt er ihr wieder und wieder. Ihre Art zu schreiben zöge zu wenig Menschen an, wäre zu unspektakulär. Ein Mord, das wäre es, was die Leute gerne lesen würden!
Also plant sie einen Mord. Gleich auf der ersten Seite will sie ihn ermorden, den Mann, der ihr im Zug gegenübersitzt. Und während der gesamten Fahrt überlegt sie, wie sie es anstellen soll, lässt die Mitreisenden einen anderen Zug wählen, gibt ihnen eine Geschichte, einen Hintergrund - doch immer wieder machen diese Mitreisenden ihr einen Strich durch die Rechnung, indem sie sich als reale Personen auch wie solche verhalten und somit ihre Geschichtsschreibung wieder völlig durcheinanderbringen.
Außerdem fängt Viszmann, der Mann, der eigentlich schon seit der ersten Seite eine Leiche sein sollte, an, sie zu interessieren...
Birgit Vanderbeke hat in dieser kleinen Erzählung ein flottes, witziges Spiel mit Realität und Fiktion und "was wäre wenn" angezettelt; wie ein Kartenspiel, das ständig neu durchgemischt wird, ändern sich auch hier immer wieder die Hintergrundgeschichten der einzelnen Protagonisten - um schlussendlich doch alle in irgendeinem Zusammenhang zu stehen.
Ein Buch zum Schmunzeln; die Schwierigkeiten, die sich aus diesem ständigen Wechsel ergeben, hat die Autorin hier mit viel Witz gemeistert. Auch dieses Buch kommt an manchen Stellen mit sehr lakonischen Bemerkungen an - und diese treffen ganz einfach ins Schwarze.
Birgit Vanderbeke, 1956 im brandenburgischen Dahme geboren, lebt in Südfrankreich. Für ihre erste Erzählung, "Das Muschelessen", wurde sie 1990 mit dem Ingeborg-Bachmann Preis ausgezeichnet.
©01.01.1999 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2009 LESELUST Daniela & Markus Brezing