Originaltitel: Gut genug
Erzählung(en). S. Fischer Verlag 1993
110 Seiten, ISBN: 3596137853

Plötzlich ist man also schwanger, und hatte eigentlich gar nie vor, ein Kind zu bekommen. Außerdem hat man doch nirgendwo gelernt, wie das geht - so ein Kind zu haben, zu erziehen.
Die Umgebung spart zwar nicht mit nützlichen Ratschlägen, greift auch schon mal gerne selber in die Erziehung ein. Noch dazu gibt es in der Bücherei ganze Regale von Werken, die sich nur damit befassen, wie man es richtig macht.
Schließlich kann man so ein Kind nicht wieder weggeben, weil es plötzlich nicht mehr Mode ist, ein Kind zu haben.
Aber irgendwie dürfte man es doch geschafft haben, zumindest über die ersten Monate hinweggekommen zu sein - zumindest stellt man fest, dass das Kind immer noch da ist, gewachsen ist, und es somit auch irgendwer versorgt haben muss. Dass es nicht die eigene Mutter war, ist daran zu erkennen, dass die Wohnung nach wie vor nicht geputzt ist...
Es ist nicht zwingend notwendig, so habe ich das Buch verstanden, alles richtig zu machen - es reicht, wenn man es gut macht. Gut genug.
Mit einem unglaublich unschuldig-naiven Tonfall erzählt Birgit Vanderbeke vom Kinderkriegen- und haben in den 80er Jahren: davon, dass es damals ja als unverantwortlich galt, ein Kind in diese Welt ohne Perspektiven zu setzen.
Sie erzählt von all den Krankheiten, Deformationen, erblichen Belastungen, denen so ein Wurm schon ausgesetzt ist, bevor es überhaupt zur Welt kommt - und davon, wie es ist, bei dem ganzen Spiel nicht überall mitzumachen...
Aber sosehr ich die Bücher der Vanderbeke auch liebe, und so herzhaft ich speziell bei diesem hier auch gelacht habe; ich konnte mich doch der ständigen Hintergedankens nicht erwehren, dass SO naiv und unwissend, wie die Protagonistin dargestellt wird, einfach niemand sein kann. Das war mir zu stark überzeichnet.
Es bleibt aber dennoch ein Buch, das man vor allem werdenden Eltern unter die Nase halten sollte!
Birgit Vanderbeke, 1956 im brandenburgischen Dahme geboren, lebt in Südfrankreich. Für ihre erste Erzählung, "Das Muschelessen", wurde sie 1990 mit dem Ingeborg-Bachmann Preis ausgezeichnet.
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