Originaltitel: Schloss Gripsholm
Erzählung(en). Rowohlt Verlag 1931
130 Seiten, ISBN: 3499100045


Fünf herrliche freie Wochen wollen sie gemeinsam verbringen, Kurt und seine Prinzessin, Lydia. Sie fahren nach Schweden, suchen sich ein einsames Plätzchen - Schloss Gripsholm. Mit Sonne, Wald, Unterkunft im Seitentrakt des Schlosses, dem See vor der Tür, und nichts, aber auch gar nichts, was sie noch an Berlin erinnern könnte. Gut, Lydia braucht eine Weile, um mit ihren Gedanken vom Büro freizukommen, aber dann sind sie ganz für sich.
Als Karlchen, Kurts bester Freund, sich meldet, ob er nicht auch für ein paar Tage bei ihnen unterkommen könnte, da überlegen sie erst - und stimmen dann zu. Und anders als sonst kann Kurt sich über beide freuen, lässt nicht die Liebste links liegen für den Freund und umgekehrt. Es scheint, als würden sie nur Blödsinn treiben, sich permanent verulken, doch ihre Freundschaft ist so tief gewachsen, dass der Klamauk kein Hindernis ist für zwischendurch eingeworfene ernste Themen.
Und ernste Themen begegnen ihnen nach Karlchens Abreise auch noch: ein Kinderheim entdecken sie, in dem eine Deutsche das Regiment führt. Aber wie sie das macht! Zucht und Ordnung, schwere Strafen, nichts Kindliches ist erlaubt, nichts Warmes und Herzliches. Ada leidet wohl am meisten darunter - und diese Kleine lernen sie dann auch kennen, als sie versucht fortzulaufen.
Wir müssen ihr helfen! Ist der Gedanke - und der wird auch befolgt. Dabei hat in der Zwischenzeit auch Lydia Besuch von einer Freundin bekommen, die Kurt ausgesprochen gut gefällt. Eifersucht ist nicht dabei, und doch… was eines Abends noch passiert, verändert etwas, unmerklich fast.
Ein Sommeridyll - fröhlich und unbeschwert, die Sonne auf der Haut spüren, die Seele baumeln lassen, die Liebste neben sich, die man immer wieder anblickt und sich neu verliebt.
Es ist einfach hinreißend, was uns Kurt Tucholsky hier auf ein paar Seiten zu lesen anbietet; ein Stück vom Glück.
Es wirkt, als wäre es an einem lauen Sommerabend aus einer Laune entstanden, wie auch die fingierten Briefe mit dem Verleger zu Beginn nahelegen; doch um uns das Lesevergnügen so luftig-leicht zu machen, hat Tucholsky hart gearbeitet und wieder und wieder redigiert.
Und dann, als Bodenhaftung zwischendurch, die Kritik am Alltag, die Warnung, was bevorsteht - ohne Zeigefinger, aber mit Weitblick und Klarsicht. Das ist es, was aus "Schloss Gripsholm" dann mehr macht als eine einfache sentimentale Liebesgeschichte.
Ein Buch, das ich aus ganzem Herzen weiterempfehlen kann - weil es so schön ist, so witzig, mit so einfach-klugen Bemerkungen über die Freundschaft, die Liebe und das Leben.
Kurt Tucholsky wurde am 8.1.1890 in Berlin geboren und nahm sich am 21. 12.1935 in Schweden das Leben. Er war einer der bedeutendsten deutschen Satiriker und Gesellschaftskritiker im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.
©01.01.1999 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2009 LESELUST Daniela & Markus Brezing