William Trevor - Tod im Sommer

Originaltitel: Death in Summer
Roman. S. Fischer Verlag 1999
272 Seiten, ISBN: 3596150515

Sie war bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen - Thaddeus´ Frau, die Mutter seiner kleinen Tochter. Nicht, dass er sie abgöttisch geliebt hätte - dazu war er gar nicht fähig, er hatte erst gelernt, was Liebe ist, als er seine kleine Tochter im Arm hielt. Doch er hatte seine Frau gemocht, geschätzt und respektiert - und auch immer bedauert, dass er nicht in der Lage war, sie zu lieben. Ihre Mutter hatte das Fehlen dieses Gefühls sehr wohl gemerkt, ihn aus diesem Grund auch abgelehnt.

Nun, nach dem Todesfall, stellte sich die Frage, was machen wir mit dem Kind? Es schien unmöglich, dass Thaddeus sich alleine um sie kümmern konnte, und beim Versuch, ein Kindermädchen einzustellen, war man nur auf völlig ungeeignete Kandidatinnen gestoßen.

Gemeinsam würden sie es machen, beschließen sie dann - die Großmutter würde zu ihnen ziehen, wobei beide sehr skeptisch an die Sache herangingen.

Unter den jungen Frauen, die sich um die freie Stelle als Kindermädchen beworben hatten, war auch Pettie. Sie hatte sich eingebildet, den Job fix zu haben, das Vorstellungsgespräch wäre nur noch eine Formsache. Als sie merkt, dass die Großmutter sich selbst um das Kind kümmern wollte, fängt sie an, sich selbst eine Geschichte zurechtzulegen - nachdem es Thaddeus viel lieber gewesen wäre, sie selbst, Pettie. wäre hier und würde sich um das Kind kümmern, und würde nun nur darauf warten, dass der Großmutter ein Fehler unterläuft.

Und eines Tages ist das Kind spurlos verschwunden.

Einerseits ist die Entwicklung Thaddeus vom gefühlsarmen Menschen zu einem Mann, der diese Armut zumindest erkennt und lernt, seine Tochter hingebungsvoll zu lieben, nicht uninteressant. Auch der Konflikt mit seiner Schwiegermutter, der ein deutliches Zueinander Hinwenden beinhaltet und trotzdem nicht ins Unglaubwürdig-Kitschige abdriftet, war ganz ansprechend.

Aber ansonsten war eigentlich fast alles sehr vorhersehbar, und leider auch ein wenig langatmig, so dass bei mir nicht das rechte Lesevergnügen aufkam.

William Trevor

William Trevor, 1928 in Irland geboren, lebt seit vielen Jahren in England. Er ist Mitglied der "Irish Academy of Letters" und wurde für seine Romane und Erzählungen vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Withbread-Preis. "Tod im Sommer" gehörte zu den "Best Books 1998" (Publishers Weekly

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:

  • Tod im Sommer
  • Die Geschichte der Lucy Gault
  • Liebe und Sommer
  • Felicias Reise

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