Originaltitel: Der irdische Amor
Roman. Suhrkamp Verlag 2002
256 Seiten, ISBN: 351841352X


Eigentlich hatte Albert dieses Jahr ganz anders geplant. Nach einem Sprachkurs in Perugia auf nach Rom, eine Wohnung in der Altstadt suchen, die er mit seinen Freunden gemeinsam bewohnen wollte, ein Jahr in Rom studieren und dann seinen Abschluss machen. Doch eine Wohnung in Rom zu finden ist nahezu unmöglich; als dann auch noch eine unerfreuliche Begegnung mit der Polizei dazu kommt, ist der Traum von Rom erstmal ausgeträumt.
Aber zumindest in eine italienische Bar kann man auch in Berlin gehen - und hier sieht er sie. Elena. Albert war noch nie ein Weiberheld, den richtigen Dreh mit Frauen hatte er bislang noch nicht rausgefunden. Doch mit Elena ist das auch nicht nötig; sie ist es, die letztendlich die Initiative übernimmt, ohne dabei ihre Überlegenheit zu verlieren.
Eifersüchtig muss Albert dann in der nächsten Zeit auch noch feststellen, dass Elenas Herz ihm nicht völlig gehört - und trotzdem geht er mit, als sie beschließt, nach Sardinien zurückzugehen, um dort einen Kosmetiksalon zu eröffnen...
Reduziert auf den Plot, hat Treichel hier eine nette kleine Liebesgeschichte geschrieben, nicht besonders aufregend, aber dennoch auf liebenswerte Weise anrührend. Aber in diese Handlung hat er immer wieder Rückblenden auf seine Jugend eingeblendet, vor allem auf die unbeholfenen Versuche, in näheren Kontakt mit dem weiblichen Geschlecht zu geraten.
Das könnte peinlich-lustig werden - aber nicht bei einem Autor wie Treichel. Er versteht es, diese Unzulänglichkeiten auf eine Weise zu schildern, die wohl fast jedem Leser in irgendeiner Form vertraut vorkommen dürften. Auf sensible und doch so humorvolle Weise lässt er seinen Helden scheitern - und doch die Hoffnung nicht verlieren.
Manchmal geraten zwar sowohl Plot als auch Erzählweise etwas holprig, besteht die Gefahr, dass der leichte, ironische Tonfall kippt - doch diese Stellen verzeiht man dem Autor gerne, denn man spürt durch das ganze Buch ein herzliches, schelmisches Augenzwinkern; wer will sich dann schon über Kleinigkeiten mokieren.
Ein Buch, das ich wirklich nur weiterempfehlen kann - allen, die ein Faible für die unaufdringlichen, leisen Bücher haben.
Hans-Ulrich Treichel geboren 1952 in Versmold in Westfalen, lebt in Berlin und Leipzig. Seit 1995 ist er Professor am Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig.
©26.07.2002 Daniela Ecker (Brezing) - - - Impressum - - - © 1998-2009 LESELUST Daniela & Markus Brezing