Diverse - Tintenfass 34 - Wann tritt Europa der Schweiz bei?

Originaltitel:
Erzählung(en). Diogenes 2010
392 Seiten, ISBN: 3257220340

Jedes Jahr im Oktober bringt Diogenes das 'Magazin für den überforderten Intelektuellen' raus und sammelt darin Beiträge zu einem Thema. Diesmal ist es die Schweiz - als Mittelpunkt Europas, als Sonderweg, als Unikum, als gar nicht so anders als alle anderen…

In sehr interessanten Beiträgen setzen sich Autoren wie zB Peter von Matt mit den Spannungen und Vorurteilen zwischen Schweizern und Deutschen auseinander, finden kritische Worte zur Stellung der Schweiz zur EU und einem möglichen Beitritt (kritisch im Sinne von: man sollte es nicht von vornherein ausschließen), erklären für Laien ein wenig die Geschichte des Landes und lassen die oft seltsam anmutenden Auswüchse des politischen Systems in einem klareren Licht erscheinen.

Wilhelm Tell darf in diesem Zusammenhang nicht fehlen. Und Wilhelm Tell wurde nicht nur von Schiller bearbeitet, oh nein. Eine große Zahl Nachdichtungen, Weiterdichtungen, Anlehnungen oder wie auch immer man das alles nennen will hat mir den Mittelteil der Sammlung ehrlich gesagt etwas verleidet; ich gehöre zu den Lesern, die auch so ein Buch von Anfang bis Ende lesen und nicht mal hier, mal dort blättern. Für mich wäre eine Auflockerung, also eine Streuung der Tellbeiträge über das ganze Buch anstelle dieser Häufung deutlich angenehmer gewesen.

Außerdem sind wie immer Ausschnitte aus gerade erschienenen oder in Vorbereitung befindlichen Diogenes-Büchern zu finden. Mir hat zum Beispiel die gelesene Passage über den Bau des Gotthard-Tunnels, der dem neuen Roman von Rolf Dobelli entstammt, Lust gemacht, das Buch zu lesen - obwohl ich den Autor für mich eigentlich schon abgeschrieben hatte, weil mir eines seiner früheren Bücher nicht gefallen hatte.

Das Tintenfass ist für mich alljährlich eine Lesefreude, der ich mich gerne widme. Gespannt bin ich auch immer wieder darauf, welches Thema die kreativen Köpfe des Verlags sich diesmal wieder einfallen lassen - und auch wenn nicht jedes Tintenfass gleich toll ist, mindestens die Hälfte der Beiträge interessiert mich immer.

Diverse

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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Claude Lanzmann - Der patagonische Hase. Erinnerungen

Claude Lanzmann ist der Mann, der den Film "Shoah" geschaffen hat. Er hat als Filmemacher, Journalist, Lektor gearbeitet, sich schon in der Jugend in der Resistance organisiert, mit Simone de Beauvoir zusammengelebt, Angelika Schrobsdorff geheiratet… kurzum: ein ausgesprochen ereignisreiches Leben gelebt, von dem er in diesem Buch erzählt. Ein Zeitzeugnis, fürwahr - manchmal zwar aufgrund der Eitelkeit des Autors nur schwer erträglich, aber die letzten 200 Seiten, in denen er von der Enstehung seines Hauptwerks berichtet, lassen alle vorherigen Kritikpunkte zurücktreten. [..MEHR..]

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