Martin Suter - Die dunkle Seite des Mondes

Originaltitel: Die dunkle Seite des Mondes
Krimi. Diogenes 2000
314 Seiten, ISBN: 3257062311

Urs Blank ist tatsächlich ein Mann in seinen besten Jahren - lebt in einer herrlichen Wohnung, mit einer gutaussehenden, intelligenten Frau, fährt ein schnittiges Auto, trägt teure Anzüge - und ist vor allem auch beruflich ausgesprochen erfolgreich. Einen Namen hat er sich vor allem durch die Firmenfusionierungen gemacht, die er als Anwalt abgewickelt hatte.

Doch er merkt auch, dass ihm wohl irgendetwas fehlt, dass ihm sein Beruf nicht mehr die Befriedigung vermitteln kann, die er erwartet. Und dass in einem Leben, in dem er nicht die Zeit hat, einen schönen Waldspaziergang zu machen, wohl etwas faul ist.

Da lernt er Lucille kennen - eine junge Frau, die ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf von esoterischen Dingen bestreitet. Er fängt ein Verhältnis mit ihr an - verlässt seine Lebensgefährtin, zieht ins Hotel. Und lässt sich von Lucille davon überzeugen, dass auch er einmal einen Versuch mit halluzinogenen Pilzen starten sollte.

Alle anderen auf diesem Pilztrip kamen danach wieder runter; für ihn aber hatte sich auf Dauer etwas verändert. Eine Schranke in ihm drin war gebrochen; alle Grausamkeit, die irgendwo schlummerte, kommt nun ungehindert durch. Er hat kein Gewissen mehr, merkt aber selber noch, dass er auf einem falschen Weg ist. Er muss diesen einen Pilz, den er da zu sich genommen hatte, wiederfinden, um den Trip zu wiederholen und wieder zu sich selbst zu finden - doch das gestaltet sich gar nicht so einfach. Der Pilz ist äußerst selten; da Urs jedoch immer mehr zu einer Gefahr für seine Umwelt wird, beschließt er, sich vollständig zurückzuziehen und seinen Tod vorzutäuschen.....

Als ich die erste Inhaltsangabe zu diesem Buch gelesen hatte, war ich ja nicht unbedingt überzeugt davon, nun ein Buch vor Augen zu haben, dass mich tatsächlich interessieren könnte.

Dieses Vorurteil war jedoch schon nach wenigen Seiten revidiert; Martin Suter hat hier eine unglaublich spannende Geschichte erzählt!

Interessant ist auf der einen Seite der wirtschaftliche Hintergrund - die Firmenfusionierungen, die geheimen Machenschaften, das Gemauschel und Getratsche - und auch die langfristigen Rachefeldzüge, die so mancher Mensch mit Geld sich leistet.

Faszinierend ist es, ein Buch zu lesen, in dem man den Protagonisten einerseits zwar mag, und mit ihm mitlebt, aber ihn andererseits auch als absolut abstoßend, kalt und grausam erlebt. Nein, identifizieren kann man sich nicht mit Urs Blank - und gerade dieser Umstand macht das Buch so überaus lesenswert!

Martin Suter

Martin Suter wurde 1948 in Zürich geboren. Er lebt mit seiner Frau in Spanien und Guatemala. Er war Werbetexter und erfolgreicher Werber, ein Beruf, den er immer wieder durch andere Schreibtätigkeiten ergänzt oder unterbrochen hat. Unter anderem für GEO-Reportagen, zahlreiche Drehbücher für Film und Fernsehen. Seit 1991 lebt er als freier Autor, seit 1992 schreibt er die wöchentliche Kolumne "Business Class" in der Weltwoche.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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