Jason Starr - Ein wirklich netter Typ

Originaltitel: Fake I.D.
Krimi. Diogenes 2002
267 Seiten, ISBN: 3257063156

"Schauspieler" antwortet Thommy Russo mit dem Brustton der Überzeugung, wenn er nach seinem Beruf gefragt wird. Was spielt es dabei schon für eine Rolle, dass er bislang noch keine nennenswerte Rolle gespielt hat, ja, eigentlich auch nur noch in den seltensten Fällen überhaupt zu einem Vorsprechen eingeladen wird. Was macht es schon, dass er seinen Lebensunterhalt als Rausschmeißer in einer Kneipe verdient?

Die meiste Zeit verbringt er allerdings in Wettbüros oder auf der Rennbahn. Und hier erhält er auch dieses phantastische Angebot - Teilhaber eines Rennpferdes zu werden! Stolz danebenstehen, wenn die Siegestrophäe überreicht wird! Und natürlich: auf ganz einfachem Wege reich werden!

Aber dazu braucht er erstmal das nötige Startkapital. Schwer, wenn man nicht einmal mehr genug Geld hat, um auch nur den kleinsten Wetteinsatz zu tätigen. Da hilft es auch nichts, dass er sich heimlich Schmuck von seiner neuesten Eroberung "ausleiht" - auch dieser Einsatz zerrinnt ihm zwischen den Fingern.

Eine Chance sieht er noch: Die Einsätze für das Supertoto in der Kneipe, in der er arbeitet. Niemand weiß, dass der die Zahlenkombination des Safes kennt. Frank, der Besitzer, würde ihn auch nie verdächtigen; vor allem nicht jetzt, wo er ihm gerade die Leitung der Kneipe angetragen hat.

Den Safe auszuräumen ist ein Kinderspiel. Mit dem Geld kann er sich nun seine Träume erfüllen. Aber: es gibt kein perfektes Verbrechen. Er wurde gesehen - und man will einen Teil seiner Beute...

Die Ausgangslage ist wie schon in den anderen Romanen des Autors: ein junger Mann, nicht unintelligent, aber trotzdem am unteren Ende der Gehaltsskala angesiedelt. Große Ambitionen, wenig Willen, die Talente an einem gewöhnlichen Arbeitsplatz zu vergeuden. Davon überzeugt, dass das Leben ihnen eine Chance schuldet. Wissen, dass das große Geld nicht legal zu holen sein wird.

Alles also ultracool und hart - die echte raue Männerwelt, der Underdog, Alkohol und Geldwetten - entsprechend vorhersehbar ist dann auch der Plot des Krimis.

Es kann durchaus reizvoll sein, einen Krimi zu lesen, dessen Handlung vorhersehbar ist. Der Ablauf eines Dick-Francis-Romans zum Beispiel ist auch nicht wirklich überraschend, aber trotzdem lese ich sie mit großer Begeisterung - weil sie wunderbar geschrieben sind, das Erzählen an sich schon ein Genuss ist.
Aber ich kann mich mit Starr´s Protagonisten nie wirklich anfreunden, und sie üben auch keine Faszination in anderer Hinsicht auf mich aus. Ich lese von ihnen, aber eigentlich - interessiert mich nicht, was mit ihnen passiert oder wie sie aus der selbstgegrabenen Falle wieder herauskommen. Sehr noir - und nicht ganz mein Fall.

Jason Starr

Jason Starr, geboren 1968, lebt in New York. Früher verkaufte er Theaterstücke, Parfum, Computer und redete sich die Seele aus dem Leib als Telefonverkäufer. Heute ist er selbsternannter Experte für American Football und Baseball, für Pferderennen und Glücksspiel.

Auszug aus dem Titelverzeichnis / Rezensionen zu weiteren Büchern:


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