Originaltitel: In fremden Gärten
Roman. Arche Literaturverlag 2003
154 Seiten, ISBN: 3716023175

Kennen Sie Salzburger Nockerl? Ein Traum, leicht, locker luftig, nicht zu süß, ein echter Genuss. Und wenn man es aufgegessen hat, bleibt kurz ein angenehmer Nachgeschmack - und das wars. Ähnlich ging es mir mit den Erzählungen in diesem Band.
Peter Stamm lese ich schon alleine deswegen so gerne, weil er eine sehr klare, unaufgeregte Sprache verwendet; er hat ein Gespür dafür, Stimmungen zu erfassen, Untertöne aufzugreifen und subtil einfließen zu lassen.
Das macht er auch in diesen Erzählungen. Eine ungewisse Wartestimmung ist ihnen allen zueigen, eine Leere, die ausgefüllt werden sollte, aber nicht wird.
Da gibt es einmal Henry, der sich eines Tages einer fahrenden Gruppe angeschlossen hatte und nun auf einem brennenden Auto durch die Luft fliegt; Henry wünscht sich eine Frau wie die Jacqueline, die Oskar sich angelacht hatte, die ihren Mann und die Kinder einfach zurückgelassen hatte. Manuela trifft er bei McDonalds; das wesentliche ist rasch gesagt, irgendwie findet sie ihn auch süß, und ja, vielleicht kommt sie auch zu seiner Vorstellung am Nachmittag...
Ohne das Ende vorwegzunehmen: in den zwei, vielleicht drei Absätzen am Ende liegt eine ganze Geschichte für sich, es ist ein Abschluss, der mich getroffen hat, weil man das Gefühl hat, die Situation zu kennen; es ist so viel von dem enthalten, was wir im täglichen Miteinander voneinander einfach nicht wissen.
Keine der nachfolgenden Geschichten konnte mich ähnlich berühren; wie schon erwähnt, sie sind durch die Band gut zu lesen, auch interessant, aber mir persönlich hat es nicht genügt, mir haben die wenigen Seiten meist nicht gereicht, mich tiefer in die Erzählungen reinzuziehen, alles blieb für mich mehr oder weniger beliebig. Dieses Problem habe ich häufiger bei kurzen Texten; anderen Lesern mag es damit anders gehen, ich aber freue mich schon wieder darauf, hoffentlich bald einen Roman von Stamm zu lesen.
Peter Stamm, geboren 1963, studierte nach einer kaufmännischen Lehre einige Semester Anglistik, Psyhcholgie, Psychopathologie und Wirtschaftsinformatik. Längere Aufenthalte in Paris, New York und Skandinavien. Seit 1990 freier Autor und Journalist. Verfasste mehrere Hörspiele für Radio DRS, Radio Bremen und den WDR
Javier Marias - Die sterblich Verliebten
Wozu ist der Mensch aus Liebe fähig? Welche Taten werden im Namen der Liebe begangen? Das ist ein Thema, das den spanischen Erfolgsautoren Javier Marias (Mein Herz so weiß) in seinen Romanen immer und immer wieder behandelt. Auch in seinem neuen Roman, der steht dieses Thema im Vordergrund und wird gewohnt ausschweifend behandelt. Wer diesen Stil mag, wird auch diesmal wieder genug Gelegenheiten haben, sich an Sprache und Wendungen zu erfreuen. An "Mein Herz so weiß" kommt er damit aber nicht heran. [..MEHR..]
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